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Melo lernt schnell neue Leute kennen. Einzelne Freundschaften hat sie auch, aber eine richtige Clique fehlt ihr. Eine Expertin gibt Tipps, wie wir eine solche Freundesgruppe finden oder selbst aufbauen können – und wie wir mit Rückschlägen umgehen.

Als Melo nach Köln gezogen ist, hat sie recht schnell Freundschaften geschlossen. Trotzdem wünscht sie sich auch eine größere Gruppe, mit der sie gelegentlich unterwegs sein kann. Für Melo macht das gefühlsmäßig einen Unterschied: "Es ist dieses Gefühl von Zugehörigkeit, nach dem wir Menschen ja immer suchen. Und auch dieses Wir-Gefühl."

Melo hat viele einzelne Freundinnen und Freunde, die nichts miteinander zu tun haben. Sie findet es anstrengend und schwierig, solche Verabredungen zu organisieren. In größeren Freundesgruppen ist das für sie einfacher, weil – im besten Fall – alle sich darum kümmern.

"Eine Freundesgruppe ist für mich so ein Inbegriff davon, dass man sich regelmäßig trifft und dass andere das auch initiieren. Dass man nicht immer selbst in der Verantwortung steht, Treffen zu planen."
Melo, möchte unbedingt eine richtige Freundesgruppe haben

Sehnsucht nach dem Wir-Gefühl

Melo ist Single und gestaltet ihr Leben nicht mit einem Partner zusammen, sondern komplett für sich. Nach einer vollen Arbeitswoche merkt sie dann oft, dass sie vor einem ungeplanten Wochenende steht. Keine Verabredungen stehen an, denn die hätte sie selbst planen müssen.

Melo findet es zwar total okay, Dinge alleine zu unternehmen. Wenn sie dann aber so durch die Stadt bummelt oder in einem Café sitzt, kommen Momente, in denen sie sich denkt: "Jetzt einfach irgendwo dazu gehören. Ich gucke mich dann auch um und beobachte mein Umfeld. Und dann denke ich mir: 'Krass, ich gehöre einfach nirgendwo dazu.'"

"Es wäre voll schön, wenn mich irgendwer einfach so anrufen würde und sagen würde: 'Komm doch einfach hier dazu.'"
Melo, möchte unbedingt eine richtige Freundesgruppe haben

An das Alleinsein und das gelegentliche Treffen mit einzelnen Freunden hat Melo sich inzwischen gewöhnt. Aber sie sagt, dass es sie nicht erfüllt. "Ich merke auch immer wieder, wenn ich in Gruppen bin, wie energiegeladen ich bin und wie glücklich ich dann bin."

Cliquen sind beständig

Julia Hahmann, Soziologin und Professorin für Soziale Arbeit an der Hochschule Rhein-Main, sieht einen klaren Vorteil bei Cliquen: Sie können beständiger sein. Eine Freundschaft zwischen lediglich zwei Personen sei eher zerbrechlich: "Wenn eine Person das Interesse verliert, wenig Zeit hat oder sagt, das ist keine Freundschaft mehr, dann ist die Beziehung kaputt und es gibt nichts, worauf man zurückfallen kann", so die Soziologin.

Beziehungen, die in Gruppen funktionieren, sehen anders aus. "Eine Clique besteht aus mehreren Personen, und in dieser Clique kann ich als Individuum unterschiedliche Stellungen haben", erklärt Julia Hahmann.

"Ich kann in einer Clique mit allen gleichermaßen befreundet sein, ich kann mit manchen enger und mit manchen weniger eng befreundet sein. Da gibt es sehr viel Variation, und deswegen hält sie oft lange."
Julia Hahmann, Soziologin

Solche Gruppen zu finden ist laut der Soziologin am einfachsten, wenn viele Menschen aufeinandertreffen, die sich in der gleichen Lebenssituation befinden. Das kann zum Beispiel der Studienbeginn oder der Ausbildungsstart sein. "Deswegen jammern auch Personen, die etwas älter sind, oft darüber, dass sie nicht mehr so leicht Freundschaften schließen, weil die Anlässe seltener werden", so Julia Hahmann.

Es können sich aber auch Freundescliquen bilden, wenn Personen Kinder bekommen und die Kinder in derselben Kita sind, sagt die Soziologin. Auch das sei ein Anlass, um auf einer Gruppenebene Beziehungen zu bilden.

Wenn einzelne Freundschaften nicht ausreichen

In so einer Situation ist Melo aber gerade nicht. Sie ist 28, hat kein Kind und arbeitet viel. Hin und wieder kommt deshalb ein Gefühl von Einsamkeit auf, weil sie keine Freundesgruppe hat.

Insgesamt ist Melo aber glücklich mit den Menschen, die sie umgeben – und sie würde auch nicht Teil jeder Freundesgruppe sein wollen, nur um eine zu haben. "Das ist wie bei einer Partnerschaft – man denkt sich immer, es wäre voll schön, eine Partnerschaft zu haben oder voll schön, eine Freundesgruppe zu haben", sagt sie. "Aber es gibt so viele Freundesgruppen und Partnerschaften, da wäre ich nicht gerne Teil davon."

Matchen die einzelnen Freunde miteinander?

Melo versucht aber auch, einzelne ihrer Freunde zusammenzubringen, zum Beispiel auf Geburtstagen. Das stresst sie jedoch ebenfalls: "Ich bin nicht die Beste darin, so etwas zu kreieren, weil mich das fordert. Man muss sich ja auch überlegen, was wir machen, wo wir uns treffen." Hinzu kommt: Melo macht sich viele Gedanken darüber, ob es zwischen ihren Freunden wirklich passt und sie sich gut verstehen.

Melo reichen einzelne Freundschaften nicht aus, um sich rundum wohlzufühlen. Aber warum ist das so? Eine Freundesgruppe kann einen Mehrwert bringen, sagt die psychologische Psychotherapeutin Rosalie Weigand.

"Manche Menschen führen lieber Einzelfreundschaften, manche brauchen dieses Gruppengefühl noch mehr als andere."
Rosalie Weigand, psychologische Psychotherapeutin

In der Psychologie gibt es die Theorie der sozialen Identität, erklärt Rosalie Weigand. "Die sagt, dass man sich selbst auch darüber definiert, in welchen Gruppen man ist und ob man zu Gruppen überhaupt dazugehört", so die Psychotherapeutin. "Das führt dann auch dazu, dass es so ein "In-Group-Feeling" gibt, also ein Gefühl von Wir und ein Gefühl von Ihr, also allen anderen, die nicht in dieser Gruppe sind. Und das hat man so in der Form nicht, wenn man nur Einzelfreundschaften hat."

Es gibt laut Rosalie Weigand Menschen, denen Einzelfreundschaften ausreichen, andere hingegen haben ein stärkeres Bedürfnis nach einem Gruppengefühl.

Wie komme ich in eine Clique rein?

Wer so ein Bedürfnis verspürt und unbedingt zu einer Clique dazugehören möchte, dem rät Rosalie Weigand: "Dass man sich erst einmal anschaut, zu welcher Clique man dazugehören möchte, und dass man das dann auch nicht nur über eine Person versucht, sondern dass man versucht, ein paar direkte Bezugslinien zu unterschiedlichen Leuten in der Gruppe zu finden."

Der nächste Schritt wäre, proaktiv zu sein. Das heißt: direkt anzusprechen, dass man gerne mal dabei wäre, wenn die Gruppe sich trifft.

Einzelne Freunde zu Spieleabend einladen

Wer lieber seine eigene Freundesgruppe gründen möchte, könnte zum Beispiel einzelne Freundinnen und Freunde zu sich einladen – etwa zu einem Spieleabend. "Dann hat man ja ein Gefühl dafür, ob die Gruppe sich versteht oder nicht. Und dann kann man das wiederholen."

Wenn eine Gruppe sich gefunden hat oder wir selbst neu in einer Clique dabei sind, sei es wichtig, sich dort auch einzubringen, sagt Rosalie Weigand.
"Wo kann ich die Gruppe authentisch unterstützen und bereichern, ohne dass ich jetzt die ganze Zeit das Gefühl habe, ich muss eine andere Rolle spielen, als ich eigentlich bin."
Rosalie Weigand, psychologische Psychotherapeutin

Wenn es aber nicht auf Anhieb mit einer Clique klappt, sollten wir uns fragen, warum es uns überhaupt so wichtig ist, Teil einer solchen Freundesgruppe zu sein. "Bin ich es gewohnt, eine Freundesgruppe zu haben, dann ist es reine Gewohnheit, aber dann kann man vielleicht auch erst einmal ein Gefühl von Verbundenheit mit einzelnen Leuten haben."

Vertrautes Cliquengefühl nicht von heute auf morgen

Und wir sollten auch akzeptieren, dass es manchmal Zeit braucht: "Wenn ich zum Beispiel in eine neue Stadt gezogen bin, dann kann ich nicht direkt dieses vertraute Cliquengefühl haben, weil das sich ja auch über gemeinsame Erinnerungen, über Insider und so weiter aufbaut", so die Psychotherapeutin.

Manchmal dauert es Monate oder Jahre. Die Bereitschaft und Akzeptanz dafür, dass es Monate oder sogar Jahre dauern kann, bis wir uns in einer Clique zugehörig fühlen, sollten wir deshalb schon mitbringen, sagt Rosalie Weigand.

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Shownotes
Freundschaft
Wie finden wir unsere Gruppe?
vom 19. Juni 2026
Gesprächspartnerin: 
Melo, möchte unbedingt eine richtige Freundesgruppe haben
Gesprächspartnerin: 
Dr. Rosalie Weigand, Psychologische Psychotherapeutin & Paartherapeutin
Gesprächspartnerin: 
Julia Hahmann ist Soziologin und Professorin für Soziale Arbeit an der Hochschule Rhein-Main
Autorin und Host: 
Caro Nieder
Redaktion: 
Timur Gökce, Jana Niehof, Anne Bohlmann
Produktion: 
Julius Adorf