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Die Spritpreise sind hoch, auch der Tankrabatt wird daran nicht viel ändern. Seit einigen Monaten steigt die Nachfrage nach E-Autos deutlich. Bringt der teure Sprit einen Boom bei der E-Mobilität oder überwiegt am Ende die Skepsis vieler Autofahrer?

Dass die Nachfrage nach E-Autos deutlich gestiegen ist, merkt auch Belinda Erkner. Sie ist Geschäftsführerin eines Autohauses östlich von Berlin – mittlerweile in fünfter Generation.

"Seit die Spritpreise in die Höhe geschossen sind, haben wir einen immensen Anstieg an der Nachfrage zu E-Autos."
Belinda Erkner, Geschäftsführerin mehrerer Autohäuser

Bereits mit dem Einsetzen der Förderprämie habe man einen leichten Aufwind gemerkt. Mit den steigenden Spritpreisen habe es noch einmal einen immensen Anstieg gegeben. Tatsächlich kämen inzwischen auch Menschen zu ihr, für die die hohen Preise an der Tankstelle ein konkreter Grund für den Wechsel zum E-Auto seien.

Viele der Kundinnen und Kunden hätten sich schon vorher mit Elektromobilität beschäftigt, aber noch geschwankt: Soll es ein Hybrid oder ein rein elektrisches Fahrzeug werden? Die Spritpreise hätten dann den entscheidenden Grund geliefert.

Elektrofahrzeuge werden alltagstauglicher

E-Autos gelten in der Anschaffung noch immer als vergleichsweise teuer. Belinda widerspricht hier teilweise. Im Leasing- und Finanzierungsbereich seien die Preise mittlerweile durchaus mit Verbrennern vergleichbar. Zudem brächten die Hersteller immer mehr neue Modelle zu ähnlichen Preisen auf den Markt. "Damit wird so ein Elektroauto noch attraktiver", sagt sie.

Um Mythen und Vorbehalte, etwa bei der Reichweite und der Ladeinfrastruktur, abzubauen, bringt sie Interessierte auch mit Menschen zusammen, die bereits ein E-Auto fahren, sagt sie. Wer im Alltag rund 50 Kilometer am Tag zurücklege, komme mit der Reichweite eines Elektroautos bei Weitem hin.

"Das Navi plant mir alle Ladevorgänge, alle Stationen, und guckt, dass es für mich angenehm und von der Zeit her möglich erscheint."
Belinda Erkner, Geschäftsführerin mehrer Autohäuser

Das Laden bedeute zwar eine Umstellung und erfordere auf längeren Strecken ein anderes Planen. Moderne Fahrzeuge nähmen einem dabei aber bereits viel Arbeit ab: "Das Navi plant mir alle Ladevorgänge, alle Stationen, und guckt, dass es für mich angenehm und von der Zeit her möglich erscheint", erklärt die Autoverkäuferin.

Wartezeiten an belegten Ladesäulen könnten trotzdem vorkommen. Wer zu Hause oder am Arbeitsplatz laden könne, müsse sich im Alltag jedoch kaum Gedanken darum machen.

E-Autos: "Die Dinger gehen wie geschnitten Brot"

Gefragt sind vor allem preisgünstige E-Autos, die gleichzeitig stylisch seien und beim Design überzeugten, so Belinda. Eine wichtige Rolle spiele auch die Konnektivität – bedienfreundliche Touch-Displays, Größe und Haptik. Gerade in diesen Bereichen seien Elektrofahrzeuge häufig schon weiter als Verbrenner.

"Die Dinger gehen wie geschnitten Brot."
Belinda Erkner, Geschäftsführerin mehrer Autohäuser

Enorm gestiegen sei auch das Interesse an gebrauchten E-Autos. Lange sei für Händler schwer einzuschätzen gewesen, welchen Restwert ein Fahrzeug nach drei bis vier Jahren noch habe. Deshalb habe man den Gebrauchtwagenmarkt zunächst beobachtet. Inzwischen zeigt sich aber, so die Autohändlerin: "Die Dinger gehen wie geschnitten Brot."

Entscheidend sei unter anderem ein Batteriezertifikat, das den Zustand des Akkus dokumentiere und Käufern zusätzliche Sicherheit gebe. Die Erfahrung zeige, dass die Akkus auch nach Jahren häufig noch fast 100 Prozent ihrer Kapazität hätten.

Mehr als nur hohe Spritpreise

Die Entwicklung auf dem E-Automarkt verfolgt auch Martin Guss. Der Elektrotechnik-Ingenieur hat einen Ratgeber über Elektroautos geschrieben und sieht einen deutlichen Trend. Die hohen Spritpreise seien dabei sicherlich ein Beschleunigungsfaktor. Auch langfristig dürften diese auf einem hohen Niveau bleiben. Das rege den Markt an.

Die wachsende Nachfrage hat aber weitere Gründe, meint er: E-Autos sind angenehm in der Handhabung, günstiger im Betrieb und haben ein angenehmes Fahrerlebnis.

"Elektroautos sind angenehm in der Handhabung, haben weniger Kosten im Betrieb und bvermitteln ein angenehmes Fahrerlebnis."
Martin Guss, Autor über Elektromobilität

Höhere Preise für gebrauchte E-Autos könnten Interessierte zunächst abschrecken, grundsätzliche Vorbehalte gegenüber der Elektromobilität seien inzwischen aber nachhaltig bearbeitet, so Guss: Die Fahrzeuge haben sich im Alltag bewährt, Elektromobilität ist in der Realität angekommen.

Beim Fahren sparen, beim Laden umdenken

Ob sich ein E-Auto finanziell lohnt, hängt stark von den individuellen Lebensumständen ab, sagt der Experte. Grundsätzlich fahre man damit heute schon günstiger als mit einem Verbrenner. Zwar könne die Anschaffung teurer sein, dafür seien Betriebs- und Energiekosten deutlich niedriger. Beim Verbrenner entfielen rund 30 Prozent der monatlichen Kosten auf Benzin, beim E-Auto etwa zehn Prozent.

"Sie haben vielleicht ein höheres Niveau für die Anschaffung, aber die Energiekosten sind deutlich geringer."
Martin Guss, Autor über Elektromobilität

Beim Einkaufen, Sport oder am Arbeitsplatz: Laden sollte man E-Autos, wenn sich die Gelegenheit bietet und nicht erst, wenn der Akku fast leer ist. Wer vom Verbrenner umsteigt, müsse sich deshalb ein wenig umgewöhnen.

Auf längeren Strecken sind 15 bis 25 Minuten Ladezeit eine gute Faustregel. Wie weit ein E-Auto tatsächlich kommt, hängt auch vom Fahrstil ab. Wer sehr schnell fährt, hat eine geringere Reichweite, so Guss. Als günstige Geschwindigkeit gelten etwa 130 km/h. Heutige Fahrzeuge ermöglichten oft mehrere Stunden Fahrt bis zur nächsten Pause.

E-Autos werden erschwinglicher

Auch wenn Tanken durch die von der Regierung geplanten Entlastungen zeitweise wieder günstiger wird, erwartet der Experte keinen nachhaltigen Dämpfer für die Elektromobilität. Gerade mit Blick auf die Anschaffungskosten habe sich der Markt bereits deutlich verändert.

"Ist das Elektroauto mal von den teuren Luxusmodellen hergekommen, hat es sich jetzt stark in den günstigen Bereich entwickelt."
Martin Guss, Autor über Elektromobilität

E-Autos sind zunächst vor allem über teure Luxusmodelle in den Markt gekommen, inzwischen wächst aber die Auswahl im günstigeren Segment. Unter den Neuwagen für weniger als 20.000 Euro sind bereits E-Autos vertreten, so Guss.

Beim Strompreis besteht Nachholbedarf

Die Auswahl an bezahlbaren E-Autos wächst also. Doch damit allein ist es aus Sicht von Autohändlerin Belinda Erkner nicht getan. Um weiter Käufer zu gewinnen, brauche es vor allem mehr Transparenz bei den Strompreisen. "Ich weiß heute noch nicht an jeder Ladesäule, was mich das eigentlich kostet", sagt sie. Wichtig seien deshalb klar definierte Ladetarife zu festen Preisen.

Ob auf dem Land oder an einer Schnellladesäule – je nachdem, wo geladen wird, gibt es noch hohe Preisunterschiede, sagt sie. Das müsse einheitlicher geregelt werden. Wobei die Spritpreise an Tankstellen teilweise auch weit auseinandergehen.

Ihr habt Anregungen, Wünsche, Themenideen? Dann schreibt uns an unboxingnews@deutschlandradio.de

Shownotes
Hohe Spritpreise
Fahren bald alle E-Auto?
vom 22. September 2026
Moderation: 
Nik Potthoff
Gesprächspartnerin: 
Belinda Erkner, Inhaberein mehrer Autohäuser
Gesprächspartner: 
Martin Guss, freier Autor zum Thema Elektro-Mobilität