Waschbären sind schon niedlich, aber mit geschätzt zwei Millionen Tieren hierzulande auch eine Plage. In der EU gelten sie als Gefahr für heimische Arten. Verhütung könnte sinnvoller als Jagen sein – aber nicht überall.

Vierbeinige Allesfresser mit Augenringen: Waschbären leben seit etwa Mitte des 20. Jahrhunderts auf dem europäischen Festland – teils sind die ortsfremden Tiere ausgesetzt worden, teils selbst aus Gehegen ausgebüxt. Und es geht ihnen prima.

"An Biodiversitäts-Hotspots können Waschbären zum Problem werden, denn sie fressen so ziemlich alles, was ihnen vor die Schnauze kommt."
Kerstin Ruskowski, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten

Schätzungsweise zwei Millionen der Tiere leben in Deutschland, sagt Kerstin Ruskowski aus der Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion. Und die Bären fressen gerne andere Tiere: Auf dem Menüplan sind neben pflanzlicher Nahrung rund 40 Prozent wirbellose und rund 27 Prozent Wirbeltiere: Fische, Frösche, Kröten und Salamander zum Beispiel.

Rekord bei der Waschbärenjagd

Seit 2016 steht der Waschbär auf der Liste der invasiven Arten in der Europäischen Union. Diese Tiere dürfen weder in die EU eingeführt noch dort gehandelt, gehalten, gezüchtet oder freigelassen werden.

"Zuletzt wurden innerhalb von einem Jahr um die 280.000 Waschbären erbeutet. Das ist ein neuer Rekord."
Kerstin Ruskowski, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten

In Deutschland werden die Tiere gejagt. Der Deutsche Jagdverband meldete im Frühjahr 2026 einen Rekord für die Waschbärjagd im Jagdjahr 2024/2025.

Rund die Hälfte der Tiere wird geschossen, rund 40 Prozent der Waschbären werden mit Lebendfallen gefangen, und bundesweit kommen sechs Prozent der Tiere als Fall- und Unfallwild zu Tode. Zu dieser kleinsten Gruppe gehören nur Tiere, die ohne gezielte Gewalteinwirkung eines Jägers sterben.

Jagd als Option auf dem Land

Doch es gibt noch weitere Ideen, um die Zahl der Waschbären einzudämmen: Empfängnisverhütung ist auch eine Möglichkeit, die Waschbären zu reduzieren. Die Möglichkeiten sind vielfältig, von Kastration und Sterilisation über hormonelle bis hin zu immunologischen Methoden.

Mehrere Waschbären hintereinander auf einem Baumstamm
© picture alliance/dpa | Wolfram Steinberg
Niedlich, aber eine Bedrohung für heimische Tiere – auch in Städten wie hier in einem kleinen Wald im Berliner Stadtteil Wedding

Denn Jagen ist nicht immer die beste Lösung, findet ein Forschungsteam aus Berlin und Potsdam. Jagen sei nämlich aufwendig, teuer und bringe nicht so viel. "In der Stadt können Waschbären nicht gut gejagt werden. Mehrere Studien haben schon gezeigt, dass Jagen allein nicht reicht, um die Waschbärenplage in den Griff zu kriegen", sagt Kerstin Ruskowski.

"Wir brauchen ein angepasstes Management, das sich daran orientiert, wo die Tiere leben und welches Verhalten sie zeigen. Nicht möglichst viel eingreifen, sondern möglichst wirksam, effizient und gezielt."
Carolin Scholz, Abteilung für Evolutionäre Ökologie, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin

Carolin Scholz ist Postdoktorandin am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin und eine der Autorinnen der Untersuchung. Beim Management der Waschbärenpopulation müsse stärker deren individuelle Eigenschaften und der jeweilige Lebensraum berücksichtigt werden.

Eine Feldstudie in der Uckermark hat gezeigt: Rund 80 Prozent der Waschbären nutzten vor allem größere Gewässer und bewegten sich in relativ stabilen Streif- und Jagdgebieten. Aber etwa 20 Prozent der Tiere zeigten eine besonders hohe Mobilität und suchten gezielt verschiedene Kleingewässer auf. Solche Gewässer gelten in strukturarmen Agrarlandschaften als wichtige Biodiversitätshotspots, schreiben die Forschenden.

Verhüten in der Stadt, Jagen auf dem Land

In der Stadt wäre es aus Sicht der Forschenden sinnvoll, Waschbären unfruchtbar zu machen, auch weil es dort schwieriger ist, die Tiere zu jagen, erklärt Kerstin Ruskowski.

Und das ist der Plan: Automatisierte Fallen könnten mithilfe von Kameras einzelne Waschbären anhand ihrer individuellen Merkmale erkennen und gezielt Medikamente ausgeben.

Auf dem Land aber, wo einheimische Arten durch den Waschbär gefährdet sein können, müsse man gezielter vorgehen, um genau die Tiere zu erwischen, die eine Gefahr für die Biodiversität sind – die relativ kleine Gruppe der Problembären also. "Bei denen wäre es dann schon sinnvoll, die gezielt zu töten, also zu jagen", sagt Kerstin Ruskowski.

Shownotes
Invasive Art
Zwangsverhütung für Waschbären?
vom 05. November 2026
Moderation: 
Diane Hielscher
Gesprächspartnerin: 
Kerstin Ruskowski, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten