Kühe rülpsen viel – und stoßen dabei ordentlich Methan aus. Was nach einem skurrilen Funfact klingt, ist ein ernstes Klimaproblem. Eine neue Studie zeigt, wie die Viehzucht-Lobby versucht hat, die Klimawirkung von Rindern herunterzuspielen.
Der Interessenverband der Rinderzüchter in den USA, die National Cattlemen’s Association, hat einer Studie der Uni Miami zufolge viele Strategien gleichzeitig verfolgt, um das Klimaproblem durch Rinder kleinzureden. "In den späten 80er- und frühen 90er-Jahren wurden PR-Firmen angeheuert, die zeigen sollten, wie gut Kühe für die Umwelt seien und wie wichtig Bauern als Umweltschützer", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Tobi Blum.
Menschengemachter Klimawandel wurde geleugnet
Außerdem wurden laut der Studie Politiker für Lobbyarbeit angesprochen, der menschengemachte Klimawandel wurde geleugnet und den Menschen wurde erzählt, es sei ungesund, wenig Fleisch zu essen. "Und: Wissenschaftler wurden beauftragt, Studienergebnisse zu liefern, die zeigen sollten, dass die Rinderhaltung und damit der Fleischkonsum gar nicht so schädlich fürs Klima seien, wie die unabhängigen Forschungsergebnisse zeigten", sagt unser Reporter.
Die Angst der Fleischindustrie
Die große Angst der Fleischindustrie war, dass die Leute weniger Fleisch essen, wenn sie merken, dass das schlecht fürs Klima ist. Und das hätte den großen Rinderzüchtern weniger Gewinn gebracht. "Bei den kleineren hätte das auch existenzbedrohend sein können. Und deshalb eben diese riesige Lobbykampagne, mit dem Ziel, den Beitrag der Viehzucht zum Klimawandel kleinzureden", so Tobi Blum.
Gekaufte Studie, um Ergebnisse zu schönen?
Es soll auch eine gekaufte "Studie" gegeben haben – im Auftrag des Rinderzüchterverbands. Darin wurde ausgerechnet, wie groß der Anteil der US-amerikanischen Rinder am weltweiten Methanausstoß ist. Das Ergebnis: 0,5 Prozent. Klingt wenig. Und das sollte es wohl auch suggerieren.
"Dass du dir als Fleischesser denkst: Ach, so schlimm kann das dann ja gar nicht sein, ich muss meine Ernährung nicht ändern."
Problem dabei: Dieser Vergleich ist nicht sehr aussagekräftig, weil im Vergleich zum weltweiten Ausstoß alles klein aussieht.
Die Methodik und Argumentation dieser eingekauften Studien waren fragwürdig. "Da wurde auch mit Werten gerechnet, die so gar nicht wissenschaftlicher Konsens waren, um das Ergebnis wieder möglichst klein aussehen zu lassen", sagt Tobi Blum. Damit hatte der Lobbyverband dann seine angeblichen Beweise, um in Interviews und Werbekampagnen zu zeigen, dass die Rinderzucht gar kein Klimakiller sein könne.
Weniger Methanausstoß durch anderes Futter?
In den 80ern kam auch die Idee auf, dass Kühe weniger Methan ausstoßen, wenn sie anders gefüttert werden – zum Beispiel mit mehr Getreide. Die Forschenden aus Miami haben aber keine Hinweise darauf gefunden, dass der Lobbyverband dieser Frage weiter nachgegangen wäre. "Wobei es natürlich trotzdem sein kann, dass einzelne Bauern versucht haben, den Methanausstoß auf ihrem Hof zu verringern", so unser Reporter.
