Sie heißt, wie sie aussieht – und fühlt sich zunehmend bei uns wohl: Die Europäische Gottesanbeterin zieht durch den Klimawandel nach Norden. Für Menschen ist das giftgrüne Insekt völlig harmlos. Für die Wissenschaft wirft sie jedoch Fragen auf.
Giftgrün, Fangarme, ein extrem beweglicher dreieckiger Kopf: Bis zu acht Zentimeter groß können die kleinen Tiere werden. Und trotzdem sind die Insekten nur schwer zu entdecken, weil sie lange stillsitzen und sich in Pflanzen gut tarnen können. Manche Exemplare sind auch gelblich bis braun.
Wir beschreiben hier nicht einen neuen Charakter aus einem Horrorfilm. So sieht die Europäische Gottesanbeterin aus. Das Insekt lebt vor allem im warmen Mittelmeerraum. Der Klimawandel führt dazu, dass sich die Tiere immer weiter in Deutschland ausbreiten.
"Es gibt zwei getrennte Gebiete, in denen sie sich immer weiter ausbreitet: im Westen in Gegenden entlang des Oberrheins und im deutschen Osten wie in Sachsen-Anhalt."
Gefährlich für den Menschen ist das Insekt nicht. Es ist nicht giftig, beißt und sticht nicht. Erschreckend könnte das giftgrüne Aussehen dennoch auf einige wirken. Doch ein Grund zur Sorge besteht nicht, sagt unsere Reporterin.
Ehemalige Tagebaugebiete: Wohlfühlorte für Gottesanbeterin
Aus Frankreich sind sie nach Nordrhein-Westfalen gekommen. Besonders wohl fühlen sie sich in sandigen und trockenen ehemaligen Tagebaugebieten – besonders, wenn da viel blüht und viele Insekten unterwegs sind.
In Mecklenburg-Vorpommern wurde eine Gottesanbeterin sogar in einer Regionalbahn von Greifswald nach Stralsund gesichtet. Wer eine sieht, kann das online melden. Biolog*innen interessieren sich sehr für die Verbreitung der Tiere. Es gibt bislang keine Anzeichen dafür, dass die Gottesanbeterin – als invasive Art – der heimischen Natur Probleme macht.
"Sie erbeutet mit ihren Fangbeinen blitzschnell andere Insekten wie Heuschrecken, Grillen oder Spinnen und Bienen."
Es gibt weltweit über 2400 verschiedene Fangschrecken-Arten, zu denen die Gottesanbeterin gehört. Andere Arten schaffen es sogar, kleine Vögel wie Kolibris zu erbeuten. Gottesanbeterinnen werden aber auch selbst sehr gerne gefressen, zum Beispiel von insektenliebenden Vögeln wie dem Neuntöter oder von Fledermäusen.
Für Menschen und unsere Natur sind die giftgrünen Insekten also nicht gefährlich. Doch weibliche Gottesanbeterinnen können lebensgefährlich für Männchen sein. Nach dem Paarungsakt verspeisen sie in einem von vier bis sieben Fällen ihren Sexpartner. Das nennt sich sexueller Kannibalismus, und liefert dem Weibchen Energie für ihre Eier.
