"Ich kann an keinem Plattenladen vorbeigehen, ohne reinzugehen", sagt Comedian Dr. Pop. Und so hat Markus Henrik, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, schon einige Züge und Termine verpasst. Welche Platten und Künstler es ihm besonders angetan haben.
Wenn er mal nicht oder verspätet zu einem Termin erscheint, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er unterwegs einen Plattenladen entdeckt hat – und nicht widerstehen konnte. Markus Henrik ist Musikwissenschaftler, außerdem Comedian und Kabarettist unter dem Namen Dr. Pop. Bei ihm dreht sich alles um Songs, Künstler*innen und Platten – quer durch alle Jahrzehnte und Genres.
"Ich habe gefühlt schon Flüge und Züge verpasst, weil ich einfach vor dem Laden stehenbleiben und durch die Cover blättern musste."
Ob Andrea Berg, Heino, Billy Joel oder Alice Cooper: Es ist nicht nur die Musik selbst, die ihn begeistert, sondern auch die Cover. Sie lösen bei ihm, wie er sagt, "regelrechte Endorphinschübe" aus. Er erinnert sich an die Platte "School’s Out" von Alice Cooper, bei der – zumindest bei jeder zehnten Ausgabe – eine Unterhose beilag. Heute ist dieses "Unterhosen-Cover" viel wert. "Ich habe auf diese Weise ein bisschen was für meine Altersvorsorge gemacht, glaube ich", sagt er und lacht.
Trennungsängste eines Sammlers
Allerdings fällt es ihm schwer, sich von seinen Schätzen zu trennen. Das gilt nicht nur für Schallplatten, sondern auch für Keyboards – inzwischen besitzt er nach eigenen Angaben 35 Stück. "Als ich mal eins verkauft habe, habe ich am nächsten Tag zwei neue dazugekauft."
Musik habe schon immer eine besondere Bedeutung in seinem Leben eingenommen, erzählt Markus. " 'Man in the Mirror' von Michael Jackson hat mir schon als Kind Kraft gegeben", erzählt er. Später, als Musikwissenschaftler, analysierte er den Song und machte eine interessante Beobachtung: "Es gibt diese Stelle, wo Michael Jackson 'Change' singt und der ganze Gospelchor einstimmt. Interessanterweise wechselt sich an dieser Stelle auch die Tonart."
Die gesellschaftliche Relevanz von Musik
Der Einfluss von Musik hat ihn auch zu seinem Buch "Macht Musik" inspiriert. Darin hebt er die oft unterschätzten positiven Effekte von Musik und aktivem Musizieren hervor. Sein Ansatz: Er möchte jede*n motivieren, ein Instrument zu lernen, im Chor zu singen – oder wenigstens unter der Dusche.
"Wenn ich in einer Gruppe singe, werden wir Menschen friedlicher. Es ist jedenfalls selten so, dass jemand nach dem Chorbesuch nachts noch eine Laterne austritt."
Zugleich versteht Markus sein Buch auch kulturpolitisch. Musik verschwinde zunehmend aus dem Alltag, kritisiert er.
"An vielen Schulen gibt es keinen Musikunterricht mehr."
Dabei seien die positiven Effekte wissenschaftlich gut belegt: Musik fördere Kreativität, Koordination und könne sogar Mobbing vorbeugen. "Ich habe eine Studie gefunden: Da hat man 70- bis 80-Jährigen Klavierunterricht gegeben. Das Ergebnis: Alle hatten einen großen Zugewinn an Lebensqualität, und auch ihre Koordination verbesserte sich."
Plattenläden als Herzensort
Die Argumente für Musik gehen Markus jedenfalls nie aus – genauso wenig wie seine Begeisterung für Plattenläden. "Meiner Meinung nach kann es nicht genug Plattenläden geben", sagt er. Und auch wenn er sich über jeden freut: "Die chaotischen sind mir ein bisschen lieber als die neuen, cleanen."
