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Upskirting, Übergriffe, Vergewaltigung: Auf dem Oktoberfest erleben vor allem Frauen und Mädchen sexualisierte Gewalt – jedes Jahr. Eine Beratungsstelle auf dem Wiesn-Gelände unterstützt Hilfesuchende. Und das Sicherheitskonzept ist auch neu.

Fünf Vergewaltigungen und 72 Sexualdelikte: Das ist die Bilanz der Polizei für das Oktoberfest im Jahr 2025 – allein bezogen auf sexualisierte Gewalt. Knapp 1600 Einsätze waren es insgesamt.

Dabei zeigen nur wenige Frauen die Vorfälle, bei denen sie Opfer sexualisierter Gewalt auf dem Volksfest geworden sind, auch an, sagt Manuela Scholler. Sie arbeitet für die Aktion "Sichere Wiesn für Mädchen* und Frauen*". Dafür haben sich AMYNA e.V., IMMA e.V. und die Beratungsstelle Frauen*notruf München bereits im Jahr 2003 zusammengetan.

"Es gibt eine hohe Dunkelziffer, was Fälle von sexualisierter und auch körperlicher Gewalt angeht."

In manche der Zelte, die eigentlich eher Festhallen sind, findet Manuela Scholler, passen 6000 Menschen. Allein die schiere Größe des Festes erschwere die Orientierung.

185 Frauen haben sich bislang in diesem Jahr an die Aktion gewandt (Stand: 30.09.2026). "Wir beraten sehr viele junge Frauen, die unter 30 Jahre alt sind", sagt Manuela Scholler – darunter viele Touristinnen aus dem Ausland. "Wir haben gerade am ersten Wochenende schon einige Fälle von Partnerschaftsgewalt, von körperlicher Gewalt oder auch von sexualisierter Gewalt gehabt."

Sexualisierte Atmosphäre und alte Mythen

Vor kurzem wurde die erste Vergewaltigung zur Anzeige gebracht: Eine 21-Jährige beschuldigt einen Unbekannten, sie in einem nahegelegenen Park vergewaltigt zu haben (Stand: 30.09.2026).

Häufig haben die Frauen schlicht Wertgegenstände verloren oder den Anschluss an ihre Gruppe, berichtet Manuela Scholler. Sie sagt: "Lieber holen sie sich bei uns Hilfe, als dass irgendjemand sie anspricht und vielleicht keine guten Absichten hat."

Generell sei die Atmosphäre auf dem Oktoberfest sehr sexualisiert, sagt sie. Alte gesellschaftliche Mythen blieben dort bis heute bestehen, frei nach dem Motto: "Wenn eine Frau dahingeht, muss sie halt damit rechnen. Die will das doch auch." Nein, will sie nicht.

Männer, ändert euch!

Die Wiesn muss für Mädchen und Frauen sicherer werden, sagt Katharina Haase. Sie arbeitet als Redakteurin für München bei der Süddeutschen Zeitung.

Und nicht die Frauen sollten für ihre Sicherheit verantwortlich gemacht werden, sondern "die Männer müssen sich ändern", findet sie. Damit seien nicht nur potenzielle Täter gemeint, sondern auch die Männer, die wegschauen oder über sexistische Witze lachen.

"Das Oktoberfest rühmt sich, Traditionen bewahren zu wollen. Wenn es eine ganz große Tradition gibt, ist es Sexismus gegen Frauen."

Tatsächlich sind die technischen und personellen Maßnahmen zur Sicherheit der Wiesnbesucherinnen recht umfassend. Manuela Scholler erinnert daran, dass:

  • die temporäre Wache auf dem Oktoberfest stets die größte Deutschlands ist
  • die Kameraüberwachung des Geländes sehr umfassend ist
  • die App Safenow in vielen Zelten eine Art virtuellen Notfallknopf bietet

Doch offenkundig reicht das alles nicht. Die absolute Sicherheit für Mädchen und Frauen gibt es nicht.

"Es ist wichtig, hinzugucken, auf die anderen zu achten, einzugreifen, gegebenenfalls Hilfe dazuzuholen."

Ihr habt Anregungen, Wünsche, Themenideen? Dann schreibt uns an unboxingnews@deutschlandradio.de

Shownotes
Oktoberfest
Wie (un)sicher ist die Wiesn für Frauen?
vom 30. September 2026
Moderation: 
Markus Dichmann
Gesprächspartnerin: 
Manuela Scholler, Mitarbeiterin von Sichere Wiesn für Mädchen* und Frauen*
Gesprächspartnerin: 
Katharina Haase, Süddeutsche Zeitung, Redakteurin für München