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Die Paralympics in Italien starten. Medaillen? Nehmen wir gerne. Geld? Haben wir leider nicht für euch. So läuft es aus Sicht der deutschen Para-Teilnehmenden. Para-Athletin Kathrin Marchand sagt: Der Parasport muss viel besser gefördert werden.

In den italienischen Alpen wird wieder um Medaillen gekämpft – in Mailand und Cortina d’Ampezzo werden sie bei den Paralympics in insgesamt 79 Wettbewerben vergeben.

Kathrin Marchand ist eine der 40 Athleten und Athletinnen, die für Deutschland antreten. Sie geht als Skilangläuferin an den Start, seit über einem Jahr trainiert sie intensiv für den Wettbewerb. Dabei kommt sie eigentlich vom Rudern, fand nach einem Schlaganfall zum Skilanglauf und sagt: "Alle Sportarten, die an den Paralympics teilnehmen, müssen finanziell gefördert werden."

"Ich komme eigentlich sogar aus dem olympischen Bereich: 2012 und 2016 in London war ich bei den Olympischen Spielen im Rudern. Also das komplette Gegenteil von dem, was ich jetzt mache."
Kathrin Marchand, Para-Athletin

Kathrin startet im Langlauf Sprint und auf den zehn Kilometern klassisch. Und ihre Geschichte ist eher ungewöhnlich: Ihre sportliche Karriere beginnt im Ruderboot. Zwei Mal schafft sie es zu den Olympischen Sommerspielen: in London 2012 und in Rio 2016. Beide Male kommt sie mit Top-Ten-Platzierung nach Hause.

Doch ein Schlaganfall im Jahr 2021 zwingt sie, ihre Ambitionen zunächst auf Eis zu legen. Sie findet aber zurück zum Leistungssport und sattelt um, trainiert Ski-Sport und setzt sich neue Ziele: "Und dann hat es sich so ergeben, dass ich mit Wintersport anfange", sagt sie. "Und jetzt werde ich an meinen ersten Paralympischen Winterspielen teilnehmen."

Vom Ruderboot auf die Loipe

Vom Rudern zum Skilanglauf – das mag zunächst überraschend klingen. Doch Kathrin findet in beiden Sportarten auch Gemeinsamkeiten, sie sagt: Für beides braucht man viel Kraft und Ausdauer. "Und man braucht vor allem ein Gefühl dafür, was unter einem passiert", meint sie. Man muss ein Boot, aber auch Skier laufen lassen, weit kommen mit möglichst wenig Kraft. Da sieht sie Parallelen. "Und da hilft mir das enorm, dass ich seit 20 Jahren schon im Ruderboot sitze."

Die Sportlerinnen Ellen Westerlund (l) aus Schweden und Kathrin Marchand aus Deutschland beim Langlauf.
© picture alliance/dpa | Hendrik Schmidt
Kathrin Marchand in Aktion - bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften 2025 in Trondheim (Norwegen): "Ich weiß ganz genau, wie mein Körper reagiert", sagt sie.

Kathrin ist nun die erste Frau, die sowohl bei Olympischen Sommerspielen, bei Paralympischen Sommerspielen und Winterspielen angetreten ist. Das sei schon cool, meint sie bescheiden. Aber dafür mache sie es nicht. Viel mehr motiviere sie der Sport an sich.

Mit Motivation und neuen Zielen

Und Motivation hat sie gebraucht, denn der Wechsel aus dem Olympischen Bereich in den Parasport war eine Umstellung, wie sie erzählt. Zum Beispiel ist sie früher mit dem Auto zum Training gefahren. Heute sitzt sie erst mal anderthalb Stunden auf dem Fahrrad, wenn sie auch rudern will. Denn Autofahren darf sie mit ihrer Sehbehinderung nun nicht mehr.

"Also ich weiß jetzt nicht, ob ich nächstes Jahr noch gefördert werde."
Kathrin Marchand, Para-Athletin

Der Parasport ist auch deshalb eine große Herausforderung für viele Athletinnen und Athleten, weil die Sportförderung in diesem Bereich schwieriger zu bekommen ist. 196 deutsche Para-Sportlerinnen und Sportler fordern deshalb in einer gemeinsamen Erklärung mehr Gelder und eine bessere Absicherung.

Finanzielle Förderung ungewiss

"Im Endeffekt ist Parasport gleichwertig wie der olympische Sport", sagt Kathrin. "Wir investieren genauso viel Zeit, Energie, Kraft und Nerven, aber kriegen viel weniger Unterstützung." Viele müssten arbeiten gehen, um das zu finanzieren. Sponsoren zu finden sei schwierig, wenn man keine Medaille holt. Und generell sei die Präsenz von Parasport in der Öffentlichkeit gering.

"Ich glaube, viele Menschen haben einfach noch Berührungsängste und wissen gar nicht, was Parasport überhaupt ist."
Kathrin Marchand, Para-Athletin

Kathrin selbst hat Sponsoren gefunden – durch ihre Geschichte, durch ihre Erfolge im Rudern, ist sie bekannter als andere. Sie wird auch bis Ende des Jahres gefördert. Doch wie es danach weiter geht, weiß sie noch nicht: "Entweder muss ich ganz schnell hier in Mailand sein, auf Skiern, oder ganz schnell rudern, damit ich nächstes Jahr weiter gefördert werde." Denn das Rudern hat sie über den Skilanglauf nicht aufgegeben, und auch dort ist sie Weltklasse und wurde 2023 im PR3-Mixed-Doppelzweier Europa- und Weltmeisterin.

Wie wird Spitzensport in Deutschland gefördert?

  • Die Bundesregierung fördert den Spitzen- und Leistungssport über einen Millionenbetrag im Bundeshaushalt. Das Geld fließt an die Sportverbände und so auch an den Deutschen Behindertensportverband. Dazu kommen noch Mittel in den Haushalten des Innenministeriums oder des Verteidigungsministeriums.
  • Darüber hinaus gibt es Unterstützung von der Deutschen Sporthilfe, sie vergibt Fördergelder an Spitzensportler in Deutschland.
  • In den Parasport fließt dabei proportional weniger Geld als in den Regelsport. Darum fordern nun rund 200 deutsche Athletinnen und Athleten rund 30 zusätzliche Förderplätze bei der Sporthilfe sowie faire und leistungsorientierte Förderbedingungen.

Ihr habt Anregungen, Wünsche, Themenideen? Dann schreibt uns an unboxingnews@deutschlandradio.de

Shownotes
Paralympics 2026
Sportliche Höchstleistungen, fehlende Förderung
vom 06. März 2026
Moderation: 
Ilka Knigge
Gesprächspartnerin: 
Kathrin Marchand, Ruderin, Skilangläuferin und Ärztin
Gesprächspartner: 
Christian von Stülpnagel, Deutschlandfunk Nova