Wettbewerbe sind ein Phänomen der Moderne: Die Gewinner erhalten viel Aufmerksamkeit. Das Thema und die Regeln des Wettbewerbs geben Maßstäbe vor. So werden gesellschaftliche Werte definiert. Ein Vortrag der Historikerin Reinhild Kreis.
"Jugend musiziert", "Jugend forscht", "Mathe-Olympiade": Es gibt viele Wettbewerbe und die Zahl der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen ist groß.
Allein die vom Bundesbildungsministerium geförderten Schüler- und Jugendwettbewerbe erreichen jährlich ungefähr 900.000 Jugendliche.
"Im Laufe der Jahrzehnte haben Millionen von Jugendlichen allein in Deutschland an solchen Wettbewerben teilgenommen."
Umso erstaunlicher ist es, dass die Geschichte dieser Wettbewerbe historisch kaum erforscht ist. Diese Lücke will die Historikerin Reinhild Kreis schließen.
"Bisher hat sich niemand historisch mit diesem Phänomen beschäftigt."
Kreis ist Professorin für Geschichte der Gegenwart an der Universität Siegen. In ihrem Vortrag erzählt sie die Geschichte der Jugendwettbewerbe anhand von Beispielen aus der Zeit des Nationalsozialismus, der DDR und der Bundesrepublik.
Jugendwettbewerbe gibt es in allen Gesellschaftsformen
Man könnte meinen, sagt Kreis, dass Jugendwettbewerbe ein Phänomen liberaler, marktwirtschaftlich orientierter Gesellschaften seien. Ihre Forschung zeigt, dass dem nicht so ist.
Jugendwettbewerbe haben eine lange Geschichte. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts spielen sie in allen Gesellschaftsformen eine Rolle, auch in Planwirtschaften und Diktaturen.
"Dieses Spannungsverhältnis von Individualität und Einpassung und Disziplinierung kann man als ein Kennzeichen der Moderne bezeichnen."
Schüler- und Jugendwettbewerbe sind ein Phänomen der Moderne, argumentiert Kreis. Wettbewerbe sind eine Form, das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft zu bestimmen.
Wettbewerbe erzeugen Sichtbarkeit für die Teilnehmenden selbst, aber auch für die Themen und die Bewertungsmaßstäbe, die durch die Wettbewerbe festgelegt werden.
Reinhild Kreis ist Professorin für Geschichte der Gegenwart an der Universität Siegen. Ihr Vortrag Jugend im Wettbewerb. Mobilisierung, Wettbewerbsgeist und Zukunftsgestaltung im 20. Jahrhundert hielt sie am 11. Dezember 2025 in Potsdam im Rahmen des Institutskolloquiums des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF).
- Beginn Vortrag
- Wettbewerb im 20. und 21. Jahrhundert
- 4 Ebenen der Sichtbarmachung
- Fazit
