IrankriegWenn selbst Trump-Fans zweifeln

Donald Trump ist im Krieg – aber die USA ziehen nicht geschlossen mit. Selbst prominente Stimmen aus seiner eigenen Bubble gehen auf Abstand. Was das für seine Macht bedeutet.

Donald Trump vergleicht sich gern mit seinen Vorgängern, etwa George W. Bush und Joe Biden. Beide hätten Kriege nicht beendet, sondern gestartet – vor allem Biden, denn der sei dumm, sagte Donald Trump im Oktober 2025. Im Wahlkampf inszenierte er sich dagegen als Präsident des Friedens, liebäugelte sogar mit dem Friedensnobelpreis.

Diese Erzählung verfing auch bei prominenten Menschen wie Joe Rogan. Sein Podcast erreicht Millionen – besonders junge Männer, eine für Trump politisch wichtige Zielgruppe. Im Wahlkampf 2024 veröffentlichte Joe Rogan sogar eine dreistündige Folge mit Trump und stärkte ihm öffentlich den Rücken.

Wenn der selbsternannte "Friedenspräsident" einen Krieg beginnt

Doch inzwischen bröckelt diese Unterstützung. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Wiebke Dumpe, die sich mit Joe Rogans Einfluss beschäftigt hat. Rogan äußert seine Zweifel offen: Er zeigt sich schockiert über das Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE und kritisiert den Krieg gegen den Iran: "Wir wollten keinen Krieg, und nun haben wir einen, von dem niemand weiß, warum er überhaupt begonnen wurde."

"Dieser Krieg sei einfach nur irre. Die Leute fühlen sich verraten, weil Trump damit Wahlkampf gemacht hat, keine Kriege zu führen."
Wiebke Dumpe zitiert Podcaster Joe Rogan

Joe Rogan ist zwar anti-woke, vertritt ein sehr klassisches Männerbild und ist medienkritisch, doch er ist kein bedingungsloser Anhänger Trumps oder der Republikaner. Vielmehr sagt er von sich: Er wähle so, "wie es ihm gerade passt".

Joe Rogan hat bisher Trump unterstützt und ihn auch in seinen Podcast eingeladen.

Joe Rogan ist nicht der Einzige. Auch prominente konservative Stimmen wie die ehemalige Fox-Kommentatorin Megyn Kelly und Fernsehmoderator Tucker Carlson äußern Zweifel an Trumps Kurs. Das beobachtet Politikwissenschaftlerin Cathryn Clüver Ashbrook von der Bertelsmann Stiftung.

An der Basis allerdings spielt das Thema Krieg laut Umfragen bislang eine kleinere Rolle. In anderen Bereichen bröckelt das Vertrauen stärker, vor allem, wenn es um die "affordability" geht, also die Frage, ob man sich das Leben in den USA noch leisten kann.

Steigende Preise, wirtschaftlicher Druck und nun auch noch die Folgen des Kriegs mit Iran, etwa durch Störungen in der Straße von Hormus: Das dürfte die Lage weiter verschärfen, so die Politikwissenschaftlerin.

Die Macht der "Low-Information-Voters"

Egal kann Donald Trump die Kritik aus seiner eigenen Bubble nicht sein. Denn Stimmen wie die von Joe Rogan erreichen Zielgruppen, die klassische Nachrichten kaum konsumieren, sagt Cathryn Clüver Ashbrook. Viele dieser sogenannten "Low-Information-Voters" informieren sich über Social Media, etwa über kurze Clips auf Tiktok. Ausschnitte aus Joe Rogans Podcast erreichen dort viele User*innen. Seine Kritik könnte also genau die Wähler*innen erreichen, die für Trump entscheidend sind.

Blick auf die Midterms 2026

Die Frage ist: Haben die kritischen Kommentare politische Folgen, beispielsweise auf die im November 2026 stattfindenden Midterms? Das sind die Zwischenwahlen, bei denen alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu vergeben werden. Sie gelten stets als Stimmungstest für den Präsidenten.

Doch laut Cathryn Clüver Ashbrook wird es nicht so sehr auf Trumps treueste Anhänger ankommen.

"Die sogenannten unabhängigen Wähler, die mal Republikaner, mal Demokraten wählen, werden entscheidender sein als die absoluten MAGA-Anhänger."
Cathryn Clüver Ashbrook, Politikwissenschaftlerin

Hinzu komme, so die USA-Kennerin, dass die unabhängigen oder Swing Voter deutlich empfänglicher für Kritik seien.

Innenpolitischer Druck wächst

Und so gerät Trump innenpolitisch stärker unter Druck und das wirkt sich auch auf seine Außenpolitik aus, erklärt Cathryn Clüver Ashbrook. Doch der Präsident weist jede Verantwortung von sich und sagt: Niemand habe ihn vor den Folgen des Irankriegs gewarnt.

"Donald Trump hätte den Scherbenhaufen, vor dem er steht, kommen sehen können, wenn er nicht nur noch Loyalisten um sich herum scharwenzeln ließe."
Cathryn Clüver Ashbrook, Politikwissenschaftlerin

Trump selbst rechtfertigt sich nun, indem er die Schuld auf andere schiebt: Keiner seiner Berater habe ihn vor den Folgen des Irankrieges gewarnt. "Wie auch?", entgegnet da Cathryn Clüver Ashbrook, "die Menschen mit entsprechender Expertise sind sukzessive entlassen worden." Als Beispiel nennt sie Nate Swanson, der 18 Jahre lang US-Regierungen zu Iran beriet. "Doch nachdem die Verschwörungstheoretikerin Laura Lommer seine Loyalität infrage gestellt hatte, wurde er auf die Straße gesetzt."

Und so, schlussfolgert Cathryn Clüver Ashbrook, bekommt der US-Präsident die Folgen einer Politik zu spüren, die er selbst vorangetrieben hat.