509 v. Chr.Die Gründung der Römischen Republik

Eine Vergewaltigung, ein Selbstmord und ein Volksaufstand: Der Tod der Römerin Lucretia markiert der Überlieferung nach das Ende der etruskischen Königsherrschaft. Wie daraus 509 v. Chr. die römische Republik entstand – und warum sie bis heute nachwirkt.

Seit dem 8. Jahrhundert vor Christus dominierten die Etrusker das nördliche Italien. Inklusive der Stadt Rom. Wo sie herkamen und wie ihre Sprache entstand, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Vielleicht waren sie von der kleinasiatischen Küste eingewandert oder haben sich aus einer vorhergehenden Kultur entwickelt.

Mit ihren Verbündeten in Karthago, nahe dem heutigen Tunis, kontrollierten sie das Tyrrhenische Meer zwischen der Südspitze Sardiniens und Korsika. Ein etruskischer Zentralstaat entstand allerdings nicht.

"Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Etrusker in Rom eine dominante Rolle übernommen haben."
Dr. Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte

In der Stadt Rom gibt es archäologische Spuren, die auf eine etruskische Königsherrschaft seit etwa dem 7. Jahrhundert vor Christus schließen lassen. In der römischen Geschichtsschreibung wird diese Phase mitunter als "Fremdherrschaft" beschrieben.

Warum die Römer ihre Könige vertrieben

509 v. Chr. war diese Herrschaft zu Ende – und zwar, nachdem es in Rom zum Tod einer römischen Frau namens Lucretia gekommen war. Die Umstände ihres Todes sind nicht vollständig und zweifelsfrei geklärt.

Der Überlieferung nach wurde Lucretia, die Frau eines römischen Adligen, von Sextus Tarquinius, dem Sohn von König Tarquinius Superbus, vergewaltigt. Aus Scham nahm sie sich anschließend das Leben. Ihr Tod löste einen Volksaufstand aus, an dessen Ende die etruskische Königsfamilie aus Rom vertrieben wurde.

"Senatus Populusque Romanus" (SPQR)

Die Römer beschlossen, die Angelegenheiten ihrer Stadt fortan selbst in die Hand zu nehmen. Die "res publica", also die "öffentlichen Angelegenheiten", wurden fortan von zwei Konsuln geregelt, die jährlich neu bestimmt wurden. Damit ist der Startschuss für die "Republik" gefallen. In Rom wird sie durch die vier Buchstaben "SPQR" oder "Senatus Populusque Romanus" symbolisiert: "Senat und Volk von Rom".

"Schnell ward getan, was Brutus vorgeschlagen – und Tarquin auf ewig aus der Stadt verbannt."
Deutschlandfunk-Nova-Reporter Martin Krinner nach William Shakespeare

Ihr hört außerdem in Eine Stunde History:

  • Die Althistorikerin Petra Amann beschreibt die Dominanz der Etrusker in Italien vor der Gründung der römischen Republik.
  • Die Regensburger Althistorikerin Angela Ganter erläutert den Beginn der römischen Republik.
  • Der Jurist Thomas Rüfner beschäftigt sich mit dem ältesten bekannten römischen Recht, dem Zwölftafelgesetz von 451/450 v. Chr.
  • Der Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld blickt zurück auf die Zeit vor der Gründung der römischen Republik.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporter Martin Krinner beschreibt nach der Vorlage von William Shakespeare den Selbstmord von Lucretia.