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Über zwei Euro kostet der Liter Sprit aktuell an der Tankstelle. Für Tankstellenbetreiber Kai Beierl heißt das: sinkende Umsätze und wütende Kunden. Wer profitiert davon – und können neue Maßnahmen die Preise wieder dämpfen?

Benzin und Diesel sind seit Beginn des Irankriegs heftig teuer geworden. Nun soll es helfen, dass Tankstellen in Deutschland die Preise nur noch einmal täglich ändern dürfen. Außerdem wird ein Teil der nationalen Ölreserven auf den Markt gebracht.

"Aus meiner Sicht wird das auf die Preise relativ wenig Einfluss haben", sagt Andreas Löschel. Er lehrt Umwelt, Ressourcenökonomie und Nachhaltigkeit an der Ruhr-Universität in Bochum. Doch längerfristig scheine der Mechanismus, die täglichen Preisschritte zu begrenzen, in Österreich ganz gut zu funktionieren.

Frustprobleme an der Tanke

Kai Beier kennt das Problem. Ihm gehören zwei Tankstellen im fränkischen Nürnberg. Er verdiene an dem teuren Sprit nicht – im Gegenteil.

Durchschnittlicher Preis für einen Liter Superbenzin in Deutschland von Dezember 2020 bis Februar 2026
Durchschnittlicher Preis für einen Liter Superbenzin in Deutschland von Dezember 2020 bis Februar 2026

Die Kundschaft lässt ihren Frust über die hohen Kosten an den Mitarbeitenden aus und konsumiert deutlich weniger im Tankstellenshop.

"Ein Tankstellenbetreiber bekommt einen kleinen Anteil am Sprit, der bewegt sich im Centbereich. Den bekommt er egal, wie teuer der Preis ist."
Kai Beier, betreibt zwei Tankstellen in Nürnberg

Auch beeinflussen kann er die Spritpreise nicht, erklärt Kai Beier. An Benzin und Diesel verdiene er zwischen ein und drei Cent je Liter. Insgesamt wird der Kraftstoffmarkt in Deutschland von einigen wenigen Mineralölkonzernen bestimmt.

Ermittlungen des Kartellamts

Das Bundeskartellamt geht seit Längerem dem Verdacht nach, dass die Konzerne sich unerlaubt abstimmen. Diese wehren sich juristisch. Tatsächlich sind die Spritpreise auch im europäischen Vergleich in Deutschland deutlich stärker angestiegen als in anderen Ländern.

"Deswegen ist es gut, dass man das Kartellamt einschaltet, sich das anzuschauen. Aber in der kurzen Frist wird man relativ wenig rausbekommen."
Andreas Löschel, lehrt Umwelt, Ressourcenökonomie und Nachhaltigkeit an der Ruhr-Universität in Bochum

"Aus vergangenen Untersuchungen wissen wir, dass es insbesondere auf der Ebene der Raffinerien und des Großhandels häufig eben doch relativ große Margen gibt", sagt Andreas Löschel. Der Preis sinke nachhaltig, wenn der Bedarf zurückgehe. Er erinnert an den stark zurückgeführten Gasbedarf unmittelbar nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Frühjahr 2022.

"In der Spitze ist der Gasbedarf in Deutschland um 30 Prozent zurückgegangen."
Andreas Löschel, lehrt Umwelt, Ressourcenökonomie und Nachhaltigkeit an der Ruhr-Universität in Bochum

Man dürfe die Frage der Energiesicherheit und der Abhängigkeit auch in Zeiten, wo die Preise für Öl und Gas niedriger sind, nicht beiseitelegen, ist er überzeugt und sagt: "Man muss eben auch dann noch versuchen, diese Abhängigkeiten zu reduzieren."

Ihr habt Anregungen, Wünsche, Themenideen? Dann schreibt uns an unboxingnews@deutschlandradio.de

Shownotes
Benzinkosten
Wenn Tankstellen unter den Spritpreisen leiden
vom 12. März 2026
Moderation: 
Rahel Klein
Gesprächspartner: 
Kai Beier, Tankstelleneigentümer
Gesprächspartner: 
Andreas Löschel, lehrt Umwelt, Ressourcenökonomie und Nachhaltigkeit an der Ruhr-Universität in Bochum