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In Teil 1 seines Vortrages hat uns Ebbe Volquardsen geschildert, in welcher Situation Grönland als ehemalige dänische Kolonie war, bevor US-Präsident Donald Trump postulierte: "We have to have it!" In Teil 2 legt der Skandinavist dar, welche Handlungsoptionen Grönland dadurch hat.

Schon 2019, während seiner ersten Amtszeit als US-Präsident hat Donald Trump kundgetan, dass er – beziehungsweise die USA – Grönland „haben wollen“. In seiner zweiten Amtszeit hat er das unzweifelhaft bekräftigt. Und auch verschiedene Szenarien ausprobiert, von Drohkulisse bis Charme-Offensive.

Das Gefühl der Aufwertung

Laut Volquardsen wissen die Grönländer den Druck, den die Vereinigten Staaten nun aufbauen, aber zu nutzen: Sie erleben das rüde vorgebrachte Interesse nämlich als Aufwertung gegenüber Dänemark, sagt er. Und als Möglichkeit, von Dänemark mehr Mitbestimmung und mehr Respekt einzufordern.

"Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen ist die erste, die begriffen hat, dass sie den Forderungen Grönlands entgegenkommen muss, wenn sie Grönland im Staatenverbund halten will."
Ebbe Volquardsen, Skandinavist und Kulturwissenschaftler, vhs Offenbach

Denn das Verhältnis zwischen Grönland und Dänemark ist historisch belastet: durch die dänische Kolonialherrschaft über die riesige Insel und ihre Menschen – und durch die darauf folgende jährliche Finanzhilfe, die von Dänemark Richtung Grönland fließt.

Für Volquardsen ist diese Mischung aus Abhängigkeit und dem Vorwurf der Undankbarkeit genau das, was einem guten dänisch-grönländischen Verhältnis im Wege steht.

Mischung aus Abhängigkeit und dem Vorwurf der Undankbarkeit

Der Skandinavist konstatiert allerdings, Dänemark sei gerade radikal dabei, seinen Blick auf die eigene Identität zu wandeln. Er zitiert die Schriftstellerin Aka Hansen, die am 7. Januar 2026 – also dem Tag, an dem Donald Trump Jr. Grönland besucht hat – sagte: "An diesem Tag haben wir zum ersten Mal das wahre Gesicht der dänischen Angst vor dem Verlust Grönlands gesehen."

"Die Grönländer verstehen es, diesen Druck als Aufwertung nutzbar zu machen."
Ebbe Volquardsen, Skandinavist und Kulturwissenschaftler, vhs Offenbach

Volquardsen erwartet mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass sich der Status Grönlands im Jahr 2026 ändern wird – in welcher Weise allerdings, das bleibe abzuwarten.

Die Geschichte der Besiedlung Grönlands – von den ersten aktenkundigen Anfängen bis heran an unsere Gegenwart – schildert Ebbe Volquardsen im ersten Teil seines Vortrages: "Geschichte Grönlands – Besiedelung und dänische Kolonialpolitik“.

Ebbe Volquardsen ist Skandinavist und Kulturwissenschaftler. Er hat fast zehn Jahre lang an der Universität in Grönlands Hauptstadt Nuuk gelehrt. Ende 2025 ist er zurück nach Deutschland gezogen und arbeitet jetzt in der Erwachsenenbildung der vhs Offenbach. Dort hat er am 12. Februar 2026 vorgetragen, unter dem Titel "Grönland zwischen Geopolitik und Dekolonialisierung".

Redaktioneller Hinweis: Unser Bild oben zeigt Grönländer in der Hauptstadt Nuuk am 15.03.2025, die zum US-Konsulat marschieren, um gegen Trumps Annexionsversuche zu protestieren.

Shownotes
Geschichte Grönlands 2
Geopolitik seit Trumps erster Amtszeit
vom 20. März 2026
Moderation: 
Katja Weber
Vortragender: 
Ebbe Volquardsen, Skandinavist und Kulturwissenschaftler, vhs Offenbach
  • Beginn Vortrag - Die Entwicklung seit 2019/2020
  • (Spekulativer) Ausblick