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Ein Kreuzfahrtschiff mitten auf dem Atlantik, ein seltenes Virus und mehrere Tote. Virologe Jonas Schmidt-Chanasit sagt: "So ein Infektionsgeschehen würde man auf einem Kreuzfahrtschiff nicht erwarten." Was gerade auf der "MV Hondius" passiert.

Schwere Viruserkrankung auf hoher See: Drei Passagiere des Expeditionskreuzfahrtschiff MV Hondius sind inzwischen tot. "Vor über einem Monat sind bei einem Passagier erste Symptome aufgetreten: Fieber, Kopfschmerzen, Durchfall. Fünf Tage später ist der 70-Jährige dann an Bord gestorben", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Justus Wolters.

Weitere Menschen sind erkrankt, mindestens ein Patient liegt auf Intensivstation. Und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bemüht sich um die Kontaktnachverfolgung. (Stand 06.05.2026)

"Ab dem 2. Mai war klar: Wir haben hier offensichtlich das Hantavirus an Bord."
Justus Wolters, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Das niederländische Schiff lag zuletzt vor der kapverdischen Stadt Praia vor Anker – an Bord knapp 150 Menschen. Der Inselstaat hatte nicht gestattet, dass Menschen an Land gehen. Spanien ist eingesprungen und erlaubte, dass das Schiff Richtung der Kanarischen Inseln fahren darf. Die spanische Regierung stimmte sich dabei mit der WHO und der Europäischen Union ab.

Auf dem Meer unterwegs

Auf den Kanaren sollen die Passagiere untersucht, Erkrankte behandelt und Menschen anschließend ausgeflogen werden. Gestartet war das Schiff Anfang April in Südargentinien, dann ging es über die Antarktis und dann zu abgelegenen Inseln im Atlantik, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Reporter Justus Wolters.

Dr. Jonas Schmidt-Chanasit am 6. Februar 2020 in "Markus Lanz"
© picture alliance / teutopress
Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe

Hantaviren sind seit den 1950ern bekannt und werden erforscht, anders als Corona beispielsweise. Es gibt allerdings gegen Hantaviren keinen Impfstoff. Zur Familie gehört auch das Andes-Virus, das nun auf der MV Hondius nachgewiesen wurde. Es ist seit den 1990er-Jahren bekannt. Die Fallsterblichkeit liegt bei dieser Art zwischen 30 und 40 Prozent, erklärt der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit und grenzt das Hantavirus klar von Sars-Cov-2 und dessen Virusfamilie den Coronaviridae ab.

"Man sollte das Hantavirus überhaupt nicht mit Corona gleichsetzen. Vergleichen geht natürlich, aber es hat beides nichts miteinander zu tun."
Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe

Voraussetzung für eine Hanta-Übertragung ist enger Kontakt über einen längeren Zeitraum. Innerhalb der Familie der Hantaviren ist die zusätzliche Übertragung von Mensch zu Mensch eine Besonderheit des Andes-Virus. Denn Hantaviren werden typischerweise durch Kontakt mit Kot und Urin von Nagetieren verbreitet – insbesondere in Staubform. Von Mensch zu Mensch werden sie eigentlich nicht übertragen.

"Man weiß, welches Nagetier das Andes-Virus überträgt. Das ist die Reisratte, die in bestimmten Gebieten Argentiniens vorkommt."
Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe

Der Virologe ist hoffnungsvoll, dass wenn nun die Kontakte einer vom Schiff ausgeflogenen Person nachverfolgt werden können, es sich um einen eingegrenzten Ausfall handeln könnte.

"Es besteht wirklich große Hoffnung, dass das ein sehr begrenzter Ausbruch ist auf dem Kreuzfahrtschiff."
Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe

Ihr habt Anregungen, Wünsche, Themenideen? Dann schreibt uns an unboxingnews@deutschlandradio.de

Shownotes
Tote auf Kreuzfahrtschiff
Wie gefährlich ist das Hantavirus?
vom 06. Mai 2026
Moderation: 
Rahel Klein
Gesprächspartner: 
Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Gesprächspartner: 
Justus Wolters, Deutschlandfunk-Nova-Reporter