962Kaiser Otto I. und das Heilige Römische Reich

Mit der Kaiserkrönung von Otto I. beginnt 962 die lange Geschichte des Heiligen Römischen Reiches. Dabei spielt auch seine zweite Gemahlin Adelheid eine Rolle. Über Machtverteilung und die Idee einer Universalisierung.

Otto I. ist der zweite römisch-deutsche Kaiser nach Karl dem Großen: Als Otto I. in Rom von Papst Johannes XII. zum Kaiser gekrönt und seine Frau Adelheid zur Kaiserin gesalbt wird, beginnt die Geschichte des Heiligen Römischen Reiches. Es wird bis 1806 bestehen.

Otto I. ist Sachse und König des ostfränkischen Reichs, das als eines der beiden Reiche aus dem Frankenreich Karls des Großen hervorgeht. 951 heiratet Otto I. seine zweite Ehefrau Adelheid, die Witwe des kurz zuvor unter nicht geklärten Umständen zu Tode gekommenen italienischen Königs Lothar II..

Damit geht dessen Krone auf Otto I. über. Er wird zum mächtigsten Potentat seiner Zeit, beschreibt Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld. Das hat auch mit seiner besonderen Bedeutung für Papst Johannes XII. zu tun, der ihn zum Kaiser krönte.

Otto I. und seine Ehefrau Adelheid

Wer aber waren Otto und Adelheid? "Wir wissen über Otto I. als Person relativ viel aus erzählenden Quellen", sagt der Mittelalter-Experte Stephan Freund von der Universität Magdeburg. Auch zahlreiche Urkunden seien überliefert. Auf dieser Grundlage lassen sich auch persönliche Momente herausfiltern, erklärt er.

Das Power-Paar Otto I. und Adelheid gehört zu seinem Forschungsgebiet: Stephan Freund arbeitet nämlich zum sächsischen Herrschergeschlecht der Ottonen, die im 10. und 11. Jahrhundert römisch-deutsche Könige stellten und zwischen 962 und 1024 als Kaiser herrschten. Otto I. zählt auch dazu.

"Otto I. setzt sich durch, allerdings mehrfach mit erheblichem Glück. Und indem er dazulernt."
Stephan Freund, Historiker, Universität Magdeburg

Seine Ehefrau Adelheid war für ihn äußerst wichtig. Sie entstammt dem burgundischen Königshaus, so der Historiker. Zunächst wird sie mit Lothar II., dem König von Italien verheiratet, der vermutlich durch einen Mordanschlag stirbt. Von Otto I. wird sie quasi befreit und dann eben seine zweite Gemahlin. An die Hochzeit erinnert die Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Grit Eggerichs.

"Adelheid ist sehr schnell in eine ganz besondere Vertrauensrolle für Otto hineingewachsen."
Stephan Freund, Historiker, Universität Magdeburg

Otto I. profitiert von dieser Hochzeit – machtpolitisch und auch, weil seine Ehefrau ihm hilft, Urkunden, die ihm vorgelegt werden, auf Latein zu übersetzen.

Wie die Ottonen herrschten

Auch der Historiker Matthias Becher von der Universität Bonn beschäftigt sich mit den Ottonen. Er erforscht deren Herrschaftspraxis und auch einzelne Biografien. Zum Beispiel die von Otto III., dem Enkel von Otto I..

"Ich denke, Otto III. war stärker als seine beiden namensgleichen Vorgänger an einer Universalisierung seiner Herrschaftsposition interessiert."
Matthias Becher, Historiker, Universität Bonn

Otto III. nutzt das Kaisertum, um seine Überlegenheit gegenüber den anderen westeuropäischen Königen in Szene zu setzen, so der Historiker. Für Otto III. sei das Römische Imperium in erster Linie eine christliche Macht gewesen. "Von daher sucht er dann auch eine sehr enge Verbindung zum Papst", sagt Matthias Becher.

Die Machtverteilung im Reich

Wie sich die Macht innerhalb des Heiligen Römischen Reichs verteilte, erklärt last but not least in dieser Folge die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger von der Universität Münster.

Sie hat unter anderem das Buch "Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation: Vom Ende des Mittelalters bis 1806" geschrieben. Neben ihrer Erläuterung der damaligen Machtverhältnisse beantwortet sie auch die Frage, ob im Heiligen Römischen Reichs vielleicht schon die Wurzel für den deutschen Föderalismus liegt.