Der Trump-FaktorVerlieren die Republikaner seinetwegen die Midterms?
Im November finden in den USA Zwischenwahlen statt. Laut Umfragen könnten die Republikaner ihre Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat an die Demokraten verlieren. Wie sie nun versuchen, das Ruder rumzureißen.
"Du hast nicht gehalten, was du versprochen hast", wirft eine Frau aus Ohio dem US-Präsidenten vor. Sie hatte vor allem darauf gesetzt, dass die Lebensmittelpreise unter Donald Trump sinken würden.
Doch die Preise steigen – und das nicht monatlich, sondern wöchentlich, kritisiert sie beim Sender MS Now. Als Verantwortlichen sieht sie den Präsidenten.
Ein anderer ehemaliger Trump-Unterstützer formuliert es so: "Der Plan lautete doch 'Make America Great Again' – und nicht Israel oder China."
Die beiden stehen mit ihrer Unzufriedenheit nicht alleine da. Und das könnte für Trump und seine Partei zum Problem werden.
Schlechte Umfragewerte für Trump
Am 3. November 2026 finden die sogenannten Midterms statt. Dann sind die US-Bürger*innen aufgerufen, ein neues Repräsentantenhaus, also eine der beiden Kammern des Kongresses, zu wählen. Auch im Senat, der zweiten Parlamentskammer, wird mehr als ein Drittel der Sitze neu vergeben.
Für die Republikaner sieht es laut Umfragen schlecht aus. Sie könnten in beiden Kammern ihre Mehrheit verlieren, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Minh Thu Tran. Sie hat sich die Umfragewerte genauer angeschaut. Demnach finden nur zwischen 30 und 39 Prozent der Menschen, dass Trump derzeit einen guten Job macht.
"Das ist der niedrigste Stand an sogenannten Approval Ratings in Trumps zwei Amtszeiten."
Auch Umfragen unter seinen Wähler*innen zeigen, dass Trump unbeliebter geworden ist, sagt die Reporterin. Jede*r Fünfte bereue es inzwischen, Trump 2024 gewählt zu haben. Besonders unter jungen Trump-Wähler*innen sei die Unterstützung für den Präsidenten stark gesunken, aber auch unter Hispanics, also Menschen mit Wurzeln in lateinamerikanischen Ländern.
Republikaner gehen auf Distanz zu Trump
Inzwischen wirken sich Trumps Umfragewerte auch auf den Wahlkampf der Republikaner aus. Laut dem US-Nachrichtenportal Politico verzichten die meisten Wahlwerbespots auf Bilder des Präsidenten. Einige Kandidat*innen wollten sich nicht einmal an seiner Seite zeigen, berichtet Minh Thu Tran.
Laura von Daniels arbeitet als Wissenschaftlerin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik und befasst sich mit transatlantischen Beziehungen. Auch sie beobachtet, dass manche Republikaner*innen versuchen, sich von Trump und seiner Politik zu distanzieren. Andere betonen, dass sie für lokale Politik stehen und nicht für das, was in Washington passiert.
"Die Menschen bekommen die negativen Auswirkungen von Trumps Politik wirklich zu spüren."
Die Unzufriedenheit hat laut der Wissenschaftlerin vor allem mit den wirtschaftlichen Folgen des Angriffs auf den Iran zu tun. Dessen Auswirkungen bekämen die Menschen unmittelbar zu spüren, etwa durch:
- gestiegene Energie- und Spritpreise
- kaum Neueinstellungen und ausbleibende Lohnerhöhungen
- steigende Lebenshaltungskosten und hohe Immobilienzinsen
Inzwischen hat es an Hunderten Orten im Land Proteste gegeben. Das Motto lautet wie bereits zuvor: "No Kings" – gegen autoritäre Herrscher.
Trump selbst versucht, kurz vor den Wahlen seine Unterstützer*innen bei Auftritten zu mobilisieren. Denn inzwischen muss er sogar dort um Stimmen bangen, wo die Republikaner traditionell leichtes Spiel hatten – zum Beispiel in Texas.
Was ein Sieg der Demokraten für Trump bedeuten würde
Auch wenn die Republikaner bis zur letzten Minute alles geben werden, um das Ruder herumzureißen, deutet zwei Wochen vor den Midterms laut Umfragen vieles darauf hin, dass die Demokraten in beiden Kammern eine Mehrheit erzielen könnten, sagt die Wissenschaftlerin. Für den US-Präsidenten könnte es dann ungemütlicher werden.
"Wenn die Demokraten gewinnen, wird der Kongress seiner ureigensten Aufgabe, nämlich die Aktivitäten des US-Präsidenten zu kontrollieren, wieder mehr nachkommen können."
Die Demokraten haben bereits angekündigt, ihre Mehrheiten zu nutzen, um Trumps Finanzen und seine persönlichen Deals untersuchen zu lassen, erklärt die Wissenschaftlerin. "Das wird dann auch öffentlich im Fernsehen übertragen. Man kann Trump damit also schon auf die Füße treten."
Auf das Leben der US-Amerikaner*innen würde sich ein Mehrheitswechsel im Senat und im Repräsentantenhaus allerdings nur indirekt auswirken, erläutert sie. Denn die Iran- und Zollpolitik bleibt in der Hand des US-Präsidenten.
Dennoch ist die Wissenschaftlerin überzeugt, dass die Demokraten ihre Mehrheiten im Kongress nutzen würden, um Trump und die Republikaner politisch unter Druck zu setzen. "Sie werden mit Sicherheit immer wieder erklären, inwieweit die Preis- und Inflationsentwicklung mit Trumps Politik verbunden ist."
Chance für die Demokraten?
Doch reichen Trumps schlechte Umfragewerte aus, damit die Demokraten auch langfristig von der Unzufriedenheit mit dem Präsidenten profitieren? Mit Blick auf die kommenden Präsidentschaftswahlen sollten sie nicht allein darauf setzen, dass viele Menschen mit Trump unzufrieden sind, sagt Laura von Daniels.
Um Wähler*innen für sich zu gewinnen, müssten die Demokraten mit einem überzeugenden Programm punkten und vor allem eine gute Kandidatin oder einen guten Kandidaten für die nächste Präsidentschaftswahl finden.
"Alleine durch das Trump-Blaming werden die Demokraten die kommenden Präsidentschaftswahlen nicht gewinnen."