ErderwärmungHitze belastet unseren Körper nicht nur beim Sport
Temperaturen über 30 Grad können zu körperlichen Beschwerden führen. Bei der Fußball-WM der Männer in Mexiko, USA und Kanada kann es mancherorts sogar bis zu 40 Grad heiß werden. Wie verkraftet der Körper Sport und Hitze?
Das UN-Klimasekretariat warnt vor der Hitzewelle, die während der FIFA Fußball-WM der Männer an verschiedenen Austragungsorten in den USA, Mexiko und Kanada auftreten kann. Zwar hat die FIFA deshalb auch zusätzliche Trinkpausen für die Spieler eingeführt, doch für die Zuschauer in den Stadien wird die Hitze ebenfalls zur Belastung.
Jedes vierte Spiel wird unter problematischen und sogar gefährlichen Hitzebedingungen stattfinden, warnen Wissenschaftler des Forschungsverbunds World Weather Attribution (WWA). Auf solche Hitzebedingungen reagieren Menschen unterschiedlich. Nicht jeder Körper kann Hitze gut regulieren durch Schwitzen – und das gilt auch für gut trainierte Sportler*innen, sagt Sportmediziner Lutz Graumann.
"Wenn ich nicht gut schwitzen und nicht so viel Wärme abgeben kann, dann wird es halt irgendwann mit der Leistung hinten raus eng in der zweiten Halbzeit."
Die Fußballspieler sind zwar schon seit über einer Woche vor Ort und trainieren unter den dortigen Bedingungen, dennoch kommen die einen mit Hitze besser zurecht als andere.
Lutz Graumann erklärt, dass der Körper seine Temperatur bei 37 Grad halten will. Steigt sie an, sei das vergleichbar mit Fieber – und dann könne der Körper nicht mehr so schnell laufen oder sprinten, weil er eh schon zu heiß sei.
Jeder Körper verkraftet Hitze unterschiedlich gut
Um die Temperatur zu regulieren, muss der Körper schwitzen. Der Schweiß auf der Haut wirkt kühlend.
Wind verstärkt diesen kühlenden Effekt. Wenn im Stadion aber kein Wind weht oder ankommt, kann das zum Problem werden. Und: "Wenn die Sonne nochmal richtig draufknallt, wird es noch problematischer", sagt der Sportmediziner. Dann müssten die Spieler sehr viel trinken, um noch Leistung bringen zu können.
Erschwerend können eine hohe Luftfeuchtigkeit, die die Schweißverdunstung hemmt, oder heiße Stadionböden, die die Strahlungswärme erhöhen, hinzukommen, erklärt einer der WWA-Forscher.
Viertelfinale und Halbfinale vielleicht sogar abbrechen?
Beim Viertelfinale in Miami oder beim Halbfinale in Dallas könnten so hohe Temperaturen herrschen, dass die WWA-Forschenden sogar raten, das Spiel gegebenenfalls abzubrechen, um die Spieler zu schützen.
Wie gut ein Mensch schwitzen kann, ist genetisch bedingt, erklärt Lutz Graumann. Denn jeder Mensch hat unterschiedlich viele Poren. Deshalb können manche sehr gut schwitzen, andere dagegen nur wenig.
Wasser allein reicht aber nicht, um die Verluste durch das Schwitzen auszugleichen. Denn mit dem Schwitzen verlieren wir auch Mineralstoffe. "Das könnte dann irgendwann auch problematisch für die Muskulatur mit Krämpfen werden", sagt der Sportmediziner. Auch das Herz kann darunter leiden.
Um das Gleichgewicht wieder herzustellen, ist deshalb eine Elektrolytmischung am besten.
"Für die meisten Teams ist die Hitze wie ein unsichtbarer Gegenspieler."
Ärzte und Wissenschaftler hatten in einem offenen Brief an die FIFA gefordert, die veralteten Grenzwerte für den Hitzeschutz zu senken und an aktuelle medizinische Standards anzupassen. Die Forschenden nehmen nicht die übliche Schattentemperatur zur Grundlage, sondern beziehen auch die Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und Sonneneinstrahlung mit ein.
Demnach sollte ein Spiel bei umgerechnet 38 Grad im Schatten bei trockener Luft abgebrochen werden.
Wie werden Zuschauer geschützt?
Im Gegensatz zu den Spielern auf dem Platz, beobachtet aber niemand die gesundheitliche Lage der Zuschauer. Sie können in Fan-Zonen, Warteschlangen, auf Wegen, Parkplätzen und beim Feiern stundenlang gefährlicher Hitze ausgeliefert sein, fürchten die UNO-Experten.
Deshalb sollten Zuschauer genau auf ihre körpereigenen Signale achten:
- Mundtrockenheit: viel trinken, eventuell mit etwas Salz vermischt
- Schwindel und schwarz vor Augen: Beine hochlegen
- Übelkeit und Kopfschmerzen: Schatten aufsuchen, Kopf kühlen
Die Folgen von extremer Hitze für den menschlichen Körper:
- Hautausschläge
- Wadenkrämpfe
- Schwellungen der Beine
- Herz-Kreislauf-Belastung (Symptome: Schwindel, Kopfschmerz, Erschöpfung, Benommenheit)
Mehr Klimaschutz ist Gesundheitsschutz
Besonders betroffen von Hitze sind Menschen ab 65 Jahren, Menschen mit Vorerkrankungen, Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder. Aber auch alle anderen Menschen reagieren mit Abgeschlagenheit und geringerer Leistungsfähigkeit. Deshalb gibt es seit einigen Jahren den Hitzeaktionstag, um auf diese körperlichen Belastungen durch extreme Hitze aufmerksam zu machen und einen Hitzeschutz für die Bevölkerung einzufordern.
Simon Stiell, Chef des UN-Klimasekretariats, hat den Start der Fußball-WM 2026 und der UN-Klimakonferenz in Bonn zum Anlass genommen, vor den immer häufiger auftretenden Hitzewellen zu warnen. Die steigenden Temperaturen sind das Ergebnis der Verbrennung von Öl, Gas und Kohle über mehr als ein Jahrhundert lang. Die zunehmende Erderwärmung und die daraus resultierende Klimakrise bedrohen nicht nur den Sport, sondern die gesamten Lebensgrundlagen der Menschen weltweit.
Um die Klimakrise einzudämmen, gibt es bereits Lösungen, so Simon Stiell. Eine schnellere Umstellung auf erneuerbare Energien wie Solar und Wind könnte die Klimakrise beherrschbar machen. Die Fußball-WM könnte jetzt die Aufmerksamkeit auf solche Klimaschutzmaßnahmen lenken und das globale Bewusstsein schärfen.