Fleisch aus dem LaborVon der Technologie zum nachhaltigen Konsum
Stell dir vor, es gäbe eine Erfindung, die auf einen Schlag eine Menge Gutes bezweckt, für die Ernährung der Welt, für Klima und Tierwohl. Günstig wäre es auch noch. Der Wirtschaftswissenschaftler Nick Lin-Hi setzt auf Fleisch aus dem Bioreaktor.
Der Wirtschaftsforscher Nick Lin-Hi hat festgestellt, dass Menschen zwar in Umfragen angeben, umweltverträglich und nachhaltig konsumieren zu wollen. Und dann im Supermarkt aber anders entscheiden. Seine Überzeugung: Die Produkte müssen sich ändern, damit wir verträglicher konsumieren. Fleisch aus dem Bioreaktor ist so ein Produkt, sagt er.
"Sprunginnovationen sind all die großen Erfindungen, mit denen wir bestehende Pfadabhängigkeiten verlassen, mit denen wir Dinge radikal neu machen, wo neue Märkte entstehen."
Elektrizität, das Flugzeug, Internet und Künstliche Intelligenz beschreibt er als Beispiele für Sprunginnovationen: Erfindungen, die Märkte und Produkte grundlegend verändert haben. Fleisch, das zu Burger-Pattys und Steak verarbeitet werden könne, und dabei nur auf einer einzigen tierischen Stammzelle beruhe, sei eine weitere solche Innovation.
Fleisch aus dem Bioreaktor könnte Klima und Tiere schützen
Solches Fleisch hätte enorme Auswirkungen auf Emissionen sowie auf die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung. Es biete erstmals Tierwohl statt nur die Reduzierung von Tierleid. Und es könnte dabei sogar günstiger sein als die aktuelle Fleischproduktion.
"Stand heute werden 200 Millionen Tiere weltweit pro Tag geschlachtet, um unseren Fleischhunger decken zu können."
Allerdings braucht eine solche Technologie bestimmte Voraussetzungen bei der Energieversorgung der Bioreaktoren wie auch bei den Investitionen in sie, sagt Lin-Hi. Die Debatte um solche Technologien und Produkte eröffne überhaupt erst die Möglichkeit, sie dann auch wirklich zu produzieren.
"Die Frage ist nicht, ob sich Dinge ändern, sondern nur noch: Wann."
Prof. Dr. Nick Lin-Hi lehrt Wirtschaft und Ethik an der Universität Vechta. Seinen Vortrag "Fleisch der Zukunft? – Chancen, Grenzen und ethische Fragen rund um kultiviertes Fleisch" hat er am 5. Mai 2026 auf Einladung der Evangelischen Akademie im Rheinland und der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt gehalten.