Alopecia areataWenn plötzlich die Haare ausfallen
Eileen trägt heute stolz ihre Glatze. Das war aber ein Prozess. Als die ersten Stellen bei ihr kahl werden, weiß sie nicht, was los ist. Dann erfährt sie von der Erkrankung Alopecia areata. Sie fragt sich: Wer bin ich ohne Haare?
Als sich Eileen an den Kopf fasst, kommt Panik in ihr auf: An ihrem Hinterkopf kann sie eine kahle Stelle fühlen, die so groß ist wie eine Münze. Dort sind keine Haare mehr.
Eileen erlebt zu dem Zeitpunkt ein heftiges Jahr. Sie ist extrem unglücklich mit ihrer Ausbildung und kurz vor ihrer Hochzeit erfährt sie auf ihrem Junggesellinnenabschied einen Übergriff, der sie lange belastet.
Sie geht zu ihrer Hausärztin, aber von ihr fühlt sich Eileen nicht ernst genommen. "Die hat sich das dann angeschaut und meinte, sie könnte schwören, dass da noch nie Haare gewachsen wären", erinnert sie sich.
"Ich hatte noch nie von kreisrundem Haarausfall gehört und war total panisch."
Eileen ist verunsichert. Als sie dann eine zweite kahle Stelle an ihrem Kopf bemerkt, wendet sie sich an einen Dermatologen. Dort erhält sie die Diagnose Alopecia areata, kreisrunder Haarausfall.
Plötzlicher Haarausfall
Bei der Autoimmunerkrankung fallen plötzlich die Haare aus. Das kann von kleinen Bereichen auf der Kopfhaut bis hin zum Verlust aller Haare am Körper reichen. Wie die Erkrankung verläuft, ist sehr unterschiedlich.
Alopecia areata ist die zweithäufigste Ursache für Haarausfall und kann bei allen Menschen auftreten, unabhängig vom Alter. Beim Großteil der Betroffenen zeigt sich die Erkrankung, bevor sie 40 Jahre alt sind. Warum jemand erkrankt, ist bisher nicht genau geklärt.
Für Betroffene ist die emotionale Belastung häufig groß. Das liegt auch daran, dass Haare beziehungsweise der Haarverlust so sichtbar sind und der Verlauf der Erkrankung nicht vorhersehbar.
Schönheitsideale selbst definieren
Eileen hat ihre Haare damals selbstbewusst getragen. "Keine Haare mehr zu haben oder eine Glatze zu kriegen, war Horror. Wer ist man als Frau ohne Haare in dieser Gesellschaft? Wer ist man als Frau ohne Haare im Spiegel?", waren früher ihre Gedanken.
Die Erkrankung beeinflusst ihren Alltag stark – so sehr, dass sie nicht mehr das Haus verlassen möchte. Auf ihrer Suche nach anderen Betroffenen erfährt sie, dass viele Frauen aus Verzweiflung ihre Spiegel abhängen.
Sie findet auch Frauen, die davon berichten, wie sie ihre Glatze mehr und mehr akzeptiert haben. Eileen trifft dann für sich die Entscheidung: Sie wird sich eine Glatze rasieren. Wie emotional dieser Schritt ist, hält sie in einem Insta-Video fest. Aber: Eileen fühlt sich befreit – von dem Gefühl, sich verstecken zu wollen und dem Verlust ihrer Haare.
"Ich habe versucht, mich von diesem Bild und diesen Erwartungen – die an mich als Frau gestellt worden sind und die ich heftig versucht habe auszufüllen – mich von alledem zu lösen."
Heute trägt Eileen ihre Glatze mit Stolz. Der Weg dahin war nicht einfach. Für Eileen war es aber auch ein Weg zu sich selbst und ihrem Verständnis von Weiblichkeit. Sie hat sich in gewisser Weise von den Erwartungen anderer gelöst – und definiert jetzt selbst, was Schönheit für sie bedeutet.