Las VegasEnhanced Games laden zum Dopen ein
Normalerweise ist Doping im Sport tabu. Bei den Enhanced Games sieht das anders aus: Menschen treten in verschiedenen Disziplinen an, um neue Rekorde aufzustellen – auch mithilfe leistungssteigernder Mittel. Die Kritik daran ist groß.
Am 21. Mai 2026 starten erstmals die Enhanced Games in Las Vegas. 40 Athletinnen und Athleten treten in drei Sportarten gegeneinander an: Schwimmen, Laufen und Gewichtheben. Ihr Ziel: neue Rekorde aufstellen – ganz bewusst mithilfe leistungssteigernder Mittel. "Epo, Steroide, Peptide, personalisiertes Testosteron – das wird auf der Homepage auch beworben“, sagt Jessica Sturmberg aus der Deutschlandfunk-Sportredaktion.
Die Idee des Supermenschen
"Dahinter steht die Idee des Supermenschen, der seine eigenen körperlichen Grenzen überwindet", erklärt sie. Auch das Konzept der Langlebigkeit spiele dabei eine Rolle – die Vision, den Tod mithilfe von Substanzen zu überwinden oder hinauszuzögern.
Initiiert wurde das Projekt von dem früheren indischen Leistungsschwimmer Aaron D’Souza, dem deutschen Unternehmer und Investor Christian Angermayer, Donald Trump Jr., dem Sohn des US-Präsidenten, sowie dem US-Investor Peter Thiel. "Letzterer ist ein Verfechter des Transhumanismus und glaubt, dass die Menschheit biologische Grenzen mit Hilfe neuer Techniken und Substanzen überwinden kann", erklärt Jessica Sturmberg.
"Was sie außerdem alle gemeinsam haben, ist die Ablehnung von Institutionen wie dem Internationalen Olympischen Komitee", sagt die Sportredakteurin.
"Es ist auch dieser libertäre Ansatz eines freien, komplett unregulierten Wettbewerbs."
Auch zwei deutsche Sportler nehmen an den Enhanced Games teil: der Läufer Mike Bryan und der Schwimmer Marius Kusch. Kusch hat bereits vor einiger Zeit erklärt, was sein Motiv für die Teilnahme ist: das Geld.
"Was spricht dagegen, die Fähigkeiten, die ich im Laufe meiner Karriere erworben habe, zu kapitalisieren?"
Und genau das ist ein wesentlicher Aspekt: Die Organisatoren stellen den Athletinnen und Athleten Preisgelder in Höhe von 25 Millionen Dollar in Aussicht.
Gefährliche Sportveranstaltung
Kritikerinnen und Kritiker warnen vor den gesundheitlichen Risiken dieser Sportveranstaltung. Auch Jessica Sturmberg sieht ein enormes Risiko, obwohl das Ganze unter medizinischer Aufsicht ablaufen soll: "Es gibt ja aus gutem Grund einen Welt-Anti-Doping-Code, der genau solche Substanzen verbietet – nicht nur wegen der leistungssteigernden Wirkung, sondern vor allem wegen der Schädlichkeit", erklärt sie.
"Athleten sind keine Maschinen, wir sind Menschen"
Die Nationale Anti-Doping-Agentur Deutschland (NADA) hat daher eine Kampagne gestartet, um eindringlich vor dieser Veranstaltung zu warnen. An der Kampagne beteiligt sich auch die ehemalige Säbelfechterin Lea Krüger, die sich bei Athleten Deutschland engagiert und im Aufsichtsrat der NADA sitzt. Sie betont besonders die Risiken für die teilnehmenden Sportlerinnen und Sportler, die – wie sie sagt – keine Maschinen, sondern Menschen sind.
"Wir wissen, dass Doping Schäden verursacht, die für uns unvorhersehbar sind und wir bekommen unsere Gesundheit nicht wieder zurück."
Ähnlich kritisch äußert sich auch Andreas Krieger, ehemaliger deutscher Kugelstoßer. Er wurde Opfer des staatlich verordneten Zwangsdopings im DDR-Leistungssport. Heute beteiligt er sich an der Kampagne gegen die Enhanced Games und warnt: "Wir sind keine Ressourcen, die man einfach verschwenden kann. Ich finde es schlimm, wenn Sportler zur Ware werden."