NeurotechnologieWie sie unsere innere Stimme hörbar macht
Mit Gehirn-Computer-Schnittstellen kann man heute Gedanken hörbar machen. Patientinnen und Patienten nach Schlaganfällen oder Menschen mit Locked-in-Syndrom erhalten so eine Stimme zurück. Ein Vortrag des Neurotechnologen Surjo R. Soekadar.
Noch vor wenigen Jahren war die neurotechnische Erforschung von Mensch-Maschine-Interaktionen ein kleines, unbekanntes Spezialgebiet. Heute erlebt dieses Feld einen riesigen Boom. Nicht nur an Universitäten wird erforscht, wie menschliche Gehirne direkt mit Computern kommunizieren können, auch die großen Tech-Konzerne und KI-Firmen investieren hier große Summen.
"Wieso geht das eigentlich, dass wir mit uns selber sprechen?"
Entsprechende Techniken docken quasi an unsere Art zu denken an: Wenn wir denken, dann formulieren wir unsere Gedanken mitunter in Sätzen, die wir nicht aussprechen. Diese "innere Stimme" entwickelt sich in der Kindheit und ist individuell unterschiedlich stark ausgebildet.
Neue Technologien zum Gedankenlesen
Heute ist es möglich, unsere innere Stimme sozusagen hörbar zu machen. So können Menschen, die zum Beispiel durch einen Schlaganfall gelähmt sind, oder Menschen mit Locked-in-Syndrom wieder sprechen und kommunizieren.
Möglich wird das durch verschiedene neue Techniken:
- Kappen mit Elektroden, die auf den Kopf gesetzt werden, können Gehirnströme messen.
- Operativ eingesetzte Elektroden können über Funkverbindungen mit Computern kommunizieren.
- Über Stents - also kleine Röhrchen, die in Blutgefäße eingesetzt werden - können Messgeräte in Gehirngefäße eingeführt werden.
Wie die einzelnen Techniken funktionieren und mit welchen Risiken sie einhergehen, erklärt der Hirnforscher Surjo Soekadar in seinem Vortrag.
Surjo R. Soekadar ist der erste Professor für Klinische Neurotechnologie an der Universitätsmedizin der Charité Berlin. Dort entwickeln er und sein Team neue Geräte und Techniken, damit Patient*innen Sprachprogramme oder Greifarme allein durch Gedanken steuern können.
"Wie kann man das Gehirn mit einer Maschine verbinden?"
Für die Patient*innen bringt die Möglichkeit, mit Hilfe von Mensch-Maschine-Schnittstellen und Computern wieder sprechen oder greifen zu können, eine große Verbesserung ihrer Lebensqualität.
Auch Big Tech investiert in Gehirn-Computer-Schnittstellen
Doch die Technik birgt auch Gefahren: Chirurgische Eingriffe ins Gehirn gehen mit einem Risiko für schwere Infektionen einher. Und: Die neue und teure Neurotechnologie wird von Firmen hergestellt und kontrolliert, von denen die Patient*innen dann abhängig sind.
Last but not least: Die großen Tech- und KI-Unternehmen versuchen, die Mensch-Maschine-Techniken so hochzuskalieren, dass sie wirtschaftlich profitabel werden und im Alltag vieler Menschen eine Rolle spielen. Auch diese kritische Seite dieses Forschungsfeldes beleuchtet Soekadar in seinem Vortrag.
Surjo R. Soekadar ist Einstein-Professor für Klinische Neurotechnologie an der Universitätsmedizin der Charité Berlin. Seinen Vortrag "Wer ist meine innere Stimme?" hat er am 30. Januar 2026 auf dem aha-Festival für Wissen in Luzern in der Schweiz gehalten.