GemeinschaftQueere Gaming-Community als Safe Space

Auf Gaming-Plattformen wird teilweise offen ein menschenfeindliches Weltbild geteilt. Dagegen grenzen sich manche Gamer klar ab und gründen ihre eigenen Community. Die soll ein Safe Space sein, wo Gemeinschaft entstehen kann.

Nach der Arbeit oder der Uni noch eine Runde zocken, gehört für viele zum Alltag. Ein Game zu spielen, kann abschalten bedeuten – wenn man die passende Community gefunden hat.

Teilweise kann der Ton beim Gaming aber auch gewaltvoll sein. Eine Bertelsmann-Studie zeigt, wie viele Hasserfahrungen Spielende machen: von Beleidigungen über Mobbing bis hin zur Androhung von Gewalt.

Darauf hatte Daniel keinen Bock mehr. Darum hat er seine eigene queere Gaming-Gruppe gegründet: Alerta. Da haben queerfeindliche und sexistische Aussagen keinen Platz.

"Ich habe festgestellt, dass oft unterschwellig eine Art von Homofeindlichkeit, Transfeindlichkeit oder Frauenfeindlichkeit mitschwingt. Da hatte ich keinen Bock mehr drauf."
Daniel über seine Gaming-Community Alerta

Die Gruppe trifft sich an zwei Abenden in der Woche. Wer mitspielen möchte, mit dem tauscht sich Daniel vorher aus. "Wenn ich Kennenlerngespräche mache, rede ich auch über die Regeln, die es bei uns gibt. Ich habe nichts gegen Flirten, aber ich möchte nicht, dass sich irgendwer sexuell übergriffig behandelt fühlt", sagt er. So soll ein Ort entstehen, an dem sich alle Spielenden wohlfühlen.

Für David, Benny und Silvia ist er Teil ihres Alltags. Sie verbringen online viel Zeit miteinander und sprechen über alles Mögliche: Popkultur, Politik, Gefühle, Probleme, Berufliches und Gaming. David merkt, dass er mehr Spaß am Spielen hat, seitdem er Teil von Alerta ist. Dort hat er das Gefühl, dass er sich nicht verstellen muss.

"Durch diese queere Gilde habe ich mehr Spaß, weil du mit Leuten spielst, die gleichgesinnt sind und du dich nicht verstellen musst, um anderen zu gefallen."
David, ist Teil einer queeren Gaming-Community

Silvia geht es ähnlich. Sie hat sich früher oft nicht ernst genommen gefühlt oder sexistische Anmachen erlebt. Und Benny schätzt, wie gut sie innerhalb der Gruppe auch über persönliche Themen sprechen können.

Gemeinschaft finden

Es geht um Gemeinschaft. "Gaming und Gaming-Communitys sind relevante Sozialräume, wo Leben passiert. Man kann sagen: Gaming Communitys sind der Spiegel der Gesellschaft – da sind Menschen jeglicher Altersgruppe und mit jeglichem Interesse drin", sagt Nandita Wegehaupt. Sie ist die Geschäftsführerin der Stiftung Digitale Spielekultur.

Alerta ist so ein Raum. Hier zeigt sich, wie ein Spieleabend in einer Freundschaft enden kann.