395 n. Chr.Die Teilung des Römischen Reiches

Ende des 4. Jahrhunderts ist das Römische Reich zu groß geworden. Mit der Reichsteilung in eine westliche und eine östliche Hälfte wird Konstantinopel zu einem zweiten Machtzentrum. Konkurrenz und Rivalität bestimmen das Verhältnis der beiden Teile.

Das Römische Reich hat im 4. Jahrhundert eine rund 7.500 Kilometer lange Außengrenze. Es reicht von Spanien im Südwesten nach Britannien im Nordwesten, dann weiter bis nach Kleinasien in die heutige Türkei, fast um das gesamte Schwarze Meer und im Süden bis an die nordafrikanische Mittelmeerküste. Dieses riesige Gebiet muss an den Grenzen verteidigt werden.

"Zu der Zeit entstand eine heute noch wichtige Metropole, nämlich Istanbul, damals Konstantinopel."
Dr. Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte

Die Organisation dieses Riesenreichs von einer Hauptstadt aus – nämlich Rom – erweist sich als unmöglich. Außerdem hat das Römische Reich nicht genügend militärische Ressourcen, um vom Atlantik bis nach Mesopotamien immer und gleichzeitig verteidigungsbereit zu sein. Es braucht eine zweite Metropole, die mit militärischen und ökonomischen Mitteln ausgestattet ist, um das Reich insgesamt zu sichern. Und das wird Konstantinopel.

Das Römische Reich bekommt zwei Metropolen

Also gibt es ab 395 zwei Machtzentren und auch zwei Kaiser. Das Imperium Romanum als Ganzes bleibt zwar erhalten, aber dennoch ist die Reichsteilung ein weiterer Schritt in dem Prozess, der rund 100 Jahre später zum Ende des Weströmischen Reichs führt.

Der Althistoriker Hartmut Leppin, Professor für Alte Geschichte an der Goethe-Universität Frankfurt, ist Biograf des letzten gesamtrömischen Kaisers Theodosius I. Als dieser 395 stirbt, folgen ihm seine beiden Söhne an die Macht: Honorius herrscht von da an über das Reich im Westen – zunächst in Mailand, später in Ravenna.

Arcadius regiert in Konstantinopel über das Reich im Osten. Allerdings gelten beide nicht wirklich als regierungstauglich. Und so bekommen Eliten in ihrem Umfeld eine zunehmende Bedeutung.

"Beide Söhne galten als wenig regierungstauglich und deswegen haben sie sich in hohem Maße auf Berater gestützt. Und so entstand eine Situation, bei der die Eliten um die legitimen Kaiser herum einen entscheidenden Einfluss ausübten."
Hartmut Leppin, Althistoriker

Henning Börm, Professor für Alte Geschichte an der Universität Rostock, gilt als einer der profiliertesten Experten für die römische Antike. Er erläutert die Folgen der Teilung des Imperium Romanum und das Verhältnis der beiden Reichsteile zueinander.

"Eine Beziehung, die vor allem auch von Rivalitäten geprägt ist und von Konkurrenz."
Henning Börm, Professor für Alte Geschichte, über das Verhältnis der beiden römischen Reichsteile zueinander

Das Ende des Weströmischen Reichs und das Auftreten der Nachfolgereiche in der Mitte Europas könnte als Ende der Antike interpretiert werden. Der Byzantinist Johannes Preiser-Kapeller von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften spricht auch über andere Daten, die ein Ende der Antike markieren.

Der Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld blickt auf die politische und militärische Situation vor der Reichsteilung des Jahres 395.

"Es zeigt, wie schwierig, vielleicht wie unmöglich es war und ist, so riesige Reiche zu regieren und zu organisieren."
Dr. Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Veronika von Borries begleitet Cornelia und Tiberius bei ihrem Umzug in die neue Residenzstadt Konstantinopel.

Der Obelisk des Theodosius am heutigen Sultanahmet Meydanı in Istanbul.

Unser Bild zeigt den Sockel eines Obelisken, der 390 n. Chr. nach Konstantinopel gebracht und dort im Hippodrom aufgestellt wurde, dem heutigen Sultanahmet Meydanı in Istanbul. Das Relief der oberen Basis (siehe oben) zeigt Geschehnisse am Kaiserhof, die Theodosius I. und seine Familie ehren sollten: Der Kaiser und seine Söhne Arcadius und Honorius verfolgen mit Würdenträgern, Soldaten ihrer Leibgarde und Dienern die Veranstaltungen, wobei die Hauptpersonen in der kaiserlichen Tribüne sitzen.