Streitpunkt 5G5G-Streit: Ericsson will Huawei den Ausbau abknöpfen

Schneller, höher, weiter: Diese Superlative verbinden Experten und Smartphonehersteller mit der neuen 5G-Technik, die nicht nur das Internet schneller machen, sondern schon bald als der neue Standard gelten soll. Allerdings stellt sich die Frage, wer den Netzaufbau in Deutschland umsetzen kann

Bisher galt die Annahme, dass nur der chinesische Marktführer Huawei diese Mission stemmen könne. Denn ihm verdanken bereits 50 chinesische Städte ihr 5G-Netz. Technisches Know-how und Preis scheinen zu stimmen.

Große Sicherheitsbedenken

Kritische Stimmen kommen aber aus der Politik und die melden große Sicherheitsbedenken an: Sie befürchten, dass sensible europäische Daten bei der chinesischen Regierung landen könnten.

Experten warnen, dass die Chinesen so an das Herzstück einer europäischen Infrastruktur gelangen und im Zweifelsfall sogar Stromnetze oder telemedizinische Anwendungen kontrollieren könnten.

"Diese Selbsteinschätzung erhöht den Druck auf die Politik."
Andreas Noll, Netzreporter

Diese Sorge teilen auch die USA, Australien sowie Neuseeland und schlossen deshalb Huawei schon von vorn herein vom 5G-Netzausbau aus. Auch wenn das Unternehmen öffentlich versprach, keine Daten weiterzugeben, wird es trotzdem wegen seiner Nähe zum chinesischen Staat kritisiert.

Doch ohne Huawei, so glaubten viele Beobachter, geht es in Europa nicht. Das sieht der schwedische Ausrüster Ericsson aber ganz anders und erklärte, dass er technologisch sehr wohl mithalten könne. Das hat Konsequenzen, sagt Netzreporter Andreas Noll. "Diese Selbsteinschätzung erhöht natürlich den Druck auf die Politik in Deutschland, die sich mit einer Entscheidung extrem schwertut."

"Man will die Beziehung zu China nicht verschlechtern, weil dort die deutsche Wirtschaft gute Geschäfte macht."
Andreas Noll, Netzreporter

Auf der einen Seite stehen das Auswärtige Amt, das Innenministerium und die Sicherheitsbehörden, die Risiken sehen und sich für einen Huawei-Ausschluss ausgesprochen haben. Auf der anderen Seite stehen das Wirtschaftsministerium und das Kanzleramt, die keine Verschlechterung in der Beziehung zu China provozieren wollen.

Ein Blick auf die Zahlen im Vorjahr zeigt, dass Ericcson sich dem chinesischen Riesen an die Fersen geheftet hat. Bei Mobilfunknetzen hatte Huawei 2018 einen Marktanteil von 31 Prozent weltweit – Ericsson von 27 Prozent.

Ob das schwedische Unternehmen die Versorgung für die fünfte Mobilfunkgeneration aufbauen kann und soll, diskutieren zurzeit Minister auf europäischer Ebene. Die Entscheidung will aber gut durchdacht sein, denn es steht viel Arbeit an: Bis 2030 soll es nämlich 30 Milliarden über 5G vernetzte Geräte auf der Welt geben und die brauchen ein stabiles Netz.