64 n. Chr.Kaiser Nero und die Christenverfolgung

Kaiser Nero, das Feuer von Rom und die brutale Verfolgung der Christen: Das gehört untrennbar zusammen. Doch der schlimmste Feind der noch jungen religiösen Minderheit in Rom war nicht Nero selbst. Es gab schlimmere römische Kaiser.

Im Sommer 64 n. Chr. brannte es in Rom. Es war heiß und irgendwo in der Gegend um den Circus Maximus geriet eines der Holzhäuser in Brand und entfachte binnen kurzer Zeit ein Flammeninferno, das weite Teile der Stadt zerstörte.

Ein Feuer und seine Folgen

Brände an sich sind in Rom historisch betrachtet keine Seltenheit, erklärt die klassische Philologin Verena Schulz. Sie lehrt an der Ludwig-Maximilians-Universität München und sagt: "Es hat sehr oft in Rom gebrannt. Das liegt an der Bauweise der Gebäude, das liegt an den klimatischen Bedingungen."

"Die Glut sprang von einem Holzgebäude zum nächsten und entfachte in großer Geschwindigkeit ein mindestens sechs Tage andauerndes Inferno in Rom."
Dr. Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte

Während des Brandes im Jahr 64 n. Chr. kam Kaiser Nero aus seiner nahegelegenen Sommerresidenz sofort nach Rom, beteiligte sich an der Organisation der Löscharbeiten und stellte kaiserliche Gebäude als Notunterkünfte zur Verfügung. In der antiken Literatur wird also ein schlechteres Bild von Nero gezeichnet, als es seine Zeitgenossen haben mussten.

Nero sucht einen Sündenbock

Als bald das Gerücht aufkam, Nero habe den Brand legen lassen, um Platz für gigantische Neubaumaßnahmen zu schaffen, suchte er selbst nach einem Sündenbock. Er fand ihn in der christlichen Minderheit. So begann eine der brutalsten Christenverfolgungen in der Geschichte des Römischen Reichs. Dabei hatte er vor dem Brand eigentlich gar nichts gegen die Christen.

Die Althistorikerin Karen Piepenbrink erläutert die unterschiedlichen Begründungen für die Verfolgung der Christen zwischen Nero und Kaiser Diokletian am Beginn des 4. Jahrhunderts. Dabei war der Umgang von Juden und Christen, die nur den einen Gott anbeteten, wegen des obligatorischen Kaiserkults im Römischen Reich vorhersehbar schwierig. Karen Piepenbrink lehrt an der Universität Gießen und ist Expertin für das antike Christentum.

"Ob Nero womöglich den Brand selbst gelegt oder beauftragt hat, das würde auch heute noch die Boulevardblätter füllen."
Dr. Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte

"Die Römer sehen die Christen noch nicht als eigene Religionsgemeinschaft. Aus ihrer Sicht sind sie eine Art jüdische Sekte, die den Kaiserkult ablehnt", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Martin Krinner. Doch die historische Figur Nero ist erst im Laufe der Zeit zum Antipoden des Christentums gemacht worden.

Zeitgenössisch ist diese Charakterisierung des Kaisers nicht. Verena Schulz erklärt: "Nero als einen Christenhasser und Christenverfolger zu kennzeichnen, das ist nichts, was wir aus der römischen Literatur so entnehmen würden."

"Die großen Verfolgungen gab es nur in der kurzen Zeit zwischen 250 und dann 300, also unter den Kaisern Decius und Diokletian."
Marco Frenschkowski, Theologe und Religionswissenschaftler

Und die systematische Verfolgung der christlichen Minderheit im antiken Rom findet weitaus später und in einem recht übersichtlichen Zeitraum statt, sagt der Theologe und Religionswissenschaftler Marco Frenschkowski von der Universität Leipzig: "Im Prinzip kann sich das Christentum schon auch frei entfalten." Es habe Verfolgungen und behördliche Willkür gegeben, die sich aber mit Phasen relativer Ruhe abwechselten.

Und Kaiser Nero? Er herrscht dann noch eine ganz beachtliche Zeit nach dem großen Brand der römischen Hauptstadt.

"Erst im Jahr 68 n. Chr. erklärt ihn der Senat zum Staatsfeind, er flieht und stirbt."
Martin Krinner, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Unser Bild zeigt Kaiser Nero, gespielt von Peter Ustinov in Mervyn Leroys Film "Quo Vadis" aus dem Jahr 1951. Der Monumentalfilm prägte das Bild Neros, weicht in entscheidenden Szenen jedoch von den historischen Fakten ab.