776 v. Chr.Die ersten Olympischen Spiele

Kanu, Fahrrad und Pferd dürfen heute mitspielen. Ursprünglich war Rennen die einzige Disziplin bei Olympia. Und beim Mitmachen und Zuschauen ging es auch um Klasse, Rang und Geschlecht. Ein Blick auf die antiken Anfänge einer modernen Tradition.

Sportler und Zuschauer strömten nach Olympia, lebten in einer Zeltstadt und feierten die Sportler ebenso wie ihren Göttervater Zeus: Es dürfte das gewesen sein, was heute als Volksfest bezeichnet wird.

Die Olympischen Spiele waren Teil der Panhellenischen Spiele und wurden auf dem heiligen Hain von Olympia ausgetragen. Sie huldigten Zeus, der in der griechischen Mythologie mit seiner Familie und weiteren Göttinnen und Göttern im Olymp wohnte. Die ersten Olympischen Spiele fanden wohl im Jahr 776 vor Christus statt.

"Für Olympiasieger werden Gedichte geschrieben und sie dürfen eine Statue errichten lassen. Der wahre Preis ist, dass man sich an sie erinnert."
Christine Werner, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Es gab strenge Regeln bei den Wettkämpfen. Jeder Athlet musste vor den Wettkämpfen schwören, sie zu befolgen. War es am Anfang genau eine Laufdisziplin, kamen im Laufe der Zeit weitere Wettkämpfe hinzu: Fünfkampf, Ringen und Boxen sowie Pferdesport. Bis zu 100.000 Zuschauer kamen und verteilten sich auf dem weiten Gelände des Heiligtums in Olympia.

Eine bürgerliche Veranstaltung

Die Arena selbst bot etwa 45.000 Menschen Platz. Die Teilnehmer waren männliche Vollbürger Athens, die sich keinerlei Verbrechen hatten zu Schulden kommen lassen.

Unter den Zuschauern waren neben Männern unverheiratete Frauen zugelassen. Unverheiratete und Unfreie waren von den Wettkämpfen ebenso ausgeschlossen wie von den Zuschauerrängen. Ein Verstoß gegen diese Regel konnte mit der Todesstrafe geahndet werden.

"Der Diskus wog zwischen 6,7 und 7,2 Kilogramm. Die haben den wirklich bis zu 21 Meter geworfen, was eine erhebliche Leistung ist."
Stephan Wassong, Sporthistoriker, Institut für Sportgeschichte, Kölner Sporthochschule

146 v. Chr. war Griechenland eine römische Provinz geworden, gleichzeitig verloren die Olympischen Spiele ihren ursprünglichen Charakter als Sport- und Kultereignis zu Ehren des Zeus.

Verbotene Heidentradition

Im Jahr 393 verbot der römische Kaiser Theodosius I. im Zuge der Christianisierung des Imperium Romanum sämtliche heidnischen Zeremonien und Spiele – darunter auch die Spiele von Olympia. Zwar fanden dennoch einige Wettkämpfe statt, aber sie mussten heimlich ausgetragen werden.

Die Idee, wieder Olympische Spiele auszurichten, kam in Frankreich nach der Niederlage im deutsch-französischen Krieg 1870 auf. Der französische Sportfunktionär Pierre de Coubertin war überzeugt, die mangelnde körperliche Fitness der französischen Soldaten habe die Niederlage gegen die besser trainierten Deutschen herbeigeführt.

Also wollte er den Schulsport verbessern und einen Wettbewerb wiederbeleben, bei dem sich die Jugend der Welt auf dem Sportplatz und nicht auf dem Schlachtfeld gegenübersteht. Auf dieser Idee basieren die Olympischen Spiele der Neuzeit, die wieder seit 1896 stattfinden.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Leiter des Instituts für Sportgeschichte an der Kölner Sporthochschule Stephan Wassong befasst sich mit den frühen Olympischen Spiele in der griechischen Antike.
  • Die Althistorikerin Elke Stein-Hölkeskamp beschreibt das Leben der Griechen im 8. Jahrhundert vor Christus.
  • Der Bielefelder Historiker Raimund Schulz hat eine "Biografie" über den Helden der griechischen Mythologie Odysseus geschrieben und erläutert die Bedeutung der Mythen im antiken Griechenland.
  • Der DeutschlandfunkNova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld geht zurück zu den Anfängen der griechischen Geschichte.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Christine Werner erzählt die Geschichte des ersten Olympiasiegers Koroibos von Elis.