AbschaltenHelfen Musik, Podcasts oder Rauschen beim Einschlafen?

Wikipedia vorlesen lassen, Meeresrauschen, Schlummer-Klänge – wir finden auf allen Plattformen Töne und Angebote, die uns tief in den Schlaf schicken sollen. Manche schwören auf Musik, andere auf Hörbücher oder Podcasts als Einschlafhilfe. Wir schauen, was die Wissenschaft dazu sagt.

Wir haben euch auf unserem Deutschlandfunk-Nova-Instagram-Kanal gefragt, ob ihr euch zum Einschlafen gerne etwas anhört. Etwa die Hälfte aller, die abgestimmt haben, sagt: Nein, Stille ist gut für mich. Direkt danach folgen Podcasts. Etwa ein Drittel der User*innen schläft beim Hören eines Podcasts gerne ein. Und auch jeweils etwa fünf Prozent mögen Musik oder Rauschen zum Einschlafen.

Schauen wir uns größere Umfragen zum Thema an, dann wird zum Beispiel die Frage gestellt: Was tun Sie, um besser einzuschlafen? Das wollte der Matratzen-Hersteller ColourSleep in einer Online-Befragung wissen, deren Ergebnisse im Jahr 2021 veröffentlicht wurden. 1.000 Leute haben daran teilgenommen. Elf Prozent von ihnen haben gesagt: Musik hören, sechs Prozent nutzen Podcasts.

Warum hören Menschen zum Einschlafen Musik oder Podcasts?

Auch Wissenschaftler*innen fragen sich, ob es hilfreich sein kann, zum Einschlafen etwas anzuhören, und wollten wissen, was die Menschen sich davon genau erhoffen. In einer Übersichtsarbeit zur Frage, warum Musik beim Einschlafen hilfreich sein könnte, haben die Forschenden sechs Erklärungen herausgearbeitet:

  • Entspannung durch die Musik
  • Ablenkung
  • das Maskieren anderer Geräusche
  • Genuss und Freude durch Musik
  • die Erwartung, dass Musik beim Einschlafen hilft

Wenn die Forschenden vom “Maskieren anderer Geräusche” sprechen, dann meinen sie beispielsweise, dass wir versuchen, vom Straßenlärm vor unserem Fenster abzulenken, indem wir Musik hören.

Musik, Hörbuch oder Podcast

Bisher ist das Thema noch wenig erforscht. Allerdings gibt es einzelne Studien. Dabei sticht hervor: Es scheint am ehesten so zu sein, dass Musik während des Schlafens einen Effekt hat, und zwar, um störende Geräusche wie Straßenlärm oder Schnarchen zu übertünchen. Dafür findet sich wohl am meisten Unterstützung in der wissenschaftlichen Literatur.

"Aber viele Studien berichten auch, dass Entspannung ein Wirkmechanismus sein kann und Entspannung ist ja auch in der Schlaftherapie ein ganz wichtiges Thema."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin und Schlaftherapeutin an der Uni Basel und den universitären Psychiatrischen Kliniken

Bei Patient*innen mit Ein- oder Durchschlafstörungen könnte Musiktherapie laut einer Übersichtsarbeit die wahrgenommene Schlafqualität verbessern. Das bedeutet: Sie empfinden ihren Schlaf als erholsamer. Hier ging es aber nicht nur um Musik ZUM Einschlafen, sondern auch um das Hören von Musik im Alltag. Damit konnte eventuell auch durch Ruhepausen am Tag der Schlaf in der Nacht verbessert werden.

Insgesamt rät Schlafforscherin Christine Blume allerdings nicht dazu, abends reflexartig zu Musik oder dem Lieblingspodcast zu greifen:

"Wenn ich nicht einschlafen kann, ist das ja nur eine symptomatische Behandlung und löst das Problem nicht."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin und Schlaftherapeutin an der Uni Basel und den universitären Psychiatrischen Kliniken

Hinter Problemen beim Einschlafen können Gründe liegen, die man suchen sollte. Dennoch sagt die Schlafexpertin: "Musik oder Podcasts als Teil eines Abendrituals, das kann man schon machen, wenn man das mag." Sie empfiehlt, die Musik oder den Podcast vor dem Zubettgehen zu hören, um zu entspannen. Liegen wir im Bett, kann das Einschlafen auch ohne funktionieren.