AfD-SiegQueeres Leben in Sachsen-Anhalt bedroht
Der Wahlsieg der AfD ist für queere Menschen in Sachsen-Anhalt eine Zäsur. Sie fühlen sich weniger akzeptiert und haben Angst. Manche überlegen sogar, das Bundesland zu verlassen. Nicht so Falko. Er sagt: Aufgeben ist keine Option.
So viele Stimmen hatte die AfD noch nie bei einer Landtagswahl erzielt: 43,8 Prozent aller Menschen wählten Anfang September 2026 die AfD. In Sachsen-Anhalt wird die Partei seit 2023 als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. In ihrem Wahlprogramm spricht sie von einer "Trans- und LGBTQ-Lobby" und "Regenbogenideologie". Außerdem fordert die AfD, "die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen als biologische Tatsache zu achten". In Kitas ist "die Familie aus Mann und Frau zwanglos als Normalform des Zusammenlebens vorauszusetzen".
Sorge vor LGBTQ-feindlicher Politik
Falko aus Magdeburg beunruhigt der Wahlsieg der AfD zutiefst. Der Sprecher des Christopher-Street-Day Sachsen-Anhalt e.V. sagt, er spürt, dass es ein Davor und ein Danach gibt.
"Viele Menschen haben sich mit ihren Ängsten gemeldet, zum Teil haben sie geweint. Manche überlegen, das Bundesland zu verlassen."
Hasskriminalität gegen queere Menschen hat bereits vor dem Wahlsieg der AfD zugenommen. 2025 gab es im Vergleich zu 2024 in Sachsen-Anhalt rund 60 Prozent mehr Straftaten, die sich gegen die Diversität des Geschlechts oder gegen die sexuelle Orientierung gerichtet haben. Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen, denn nicht alle queerfeindlichen Straftaten werden der Polizei bekannt.
Bei den bundesweit erfassten queerfeindlichen Straftaten ordnet sich ein großer Teil der Täter dem rechten politischen Spektrum zu. Auch Falko berichtet, in der Bahn bedroht worden zu sein.
"Ich trage meistens eine Tasche mit einem Regenbogen drauf. Da war eine Person, die angetrunken war und mich mit einer Bierflasche bedroht hat. Nur dadurch, dass jemand eingeschritten ist, konnte Schlimmeres verhindert werden."
Falko: Hass nicht gewinnen lassen
Falko befürchtet, dass queeres Leben immer mehr aus der Öffentlichkeit verschwinden könnte, wenn sich queere Menschen bedroht fühlen und sich nicht mehr offen zeigen. Diese Angst führe bereits dazu, dass immer weniger Menschen zu Treffen des CSD in Magdeburg kommen. Aufgeben kommt für Falko deshalb aber nicht infrage.
"Nur wenn wir in den Regionalgruppen bleiben, können wir uns gemeinsam gegen Entscheidungen im Landtag zur Wehr setzen und uns weiterhin gegenseitig absichern."
In dieser Podcastfolge "Eine Stunde Liebe" berichtet Falko, mit welchen Mitteln die AfD im Landtag seit Jahren daran arbeitet, queeres Leben einzuschränken. Ihr erfahrt aber auch, wie ihr queere Menschen in Sachsen-Anhalt supporten könnt. Außerdem geht es um die Frage, ob die AfD auch in anderen Teilen Deutschlands eine Bedrohung für queeres Leben darstellt.