Urbaner AlgenanbauDemnächst Algen-Smoothies von der Hauswand

Ein kleines Start-Up-Unternehmen hat in Berlin eine Algenzuchtanlage an einer Hausfassade installiert. Die Anlage nennt sich Fotobioreaktor und befindet sich auf einem Gewerbe- und Forschungsgelände mitten in Schöneberg. Hier gedeiht die Mikroalge Chlorella Vulgaris. Und hier ist sie bestens abgeschirmt vor Keimen und Abgasen. Einzig die Verwendung ist bisher noch nicht ganz so cool wie der Rest.

Zur Produktion braucht man einen Fotobioreaktor, der hier aus 700 Meter Rohrleitung besteht, die platzsparend Bahn für Bahn übereinandergelegt und an der Hauswand montiert sind. Wasser, in dem Mikroalgen wachsen, fließt durch die durchsichtigen Röhren. Gedüngt werden die Algen mit Phosphat, Nitrat und Eisen.

Das System ist ein geschlossener Energiekreislauf. Wenn die Sonne so heftig scheint, dass die Algen den Hitzetod sterben würden, dann wird die überschüssige Wärme benutzt,um das Wasser im Haus zu erwärmen. Bei idealen Bedingungen, also sonnigem Wetter, kann hier ein Kilo Algen täglich geerntet werden.

Wer züchtet die Algen?

Der Maschinenbauingenieur Gunnar Mühlstädt aus Sachsen hat die Sache entwickelt. Bis vor wenigen Monaten hat er noch bei einem großen Kunststoffrohr-Produzenten gearbeitet. Dort ist er auch auf die Fotobioreaktoren gestoßen. Er hat sich mit dem Thema beschäftigt und seiner Meinung nach werden Märkte in diesem Segment entstehen. Also hat er seine eigene Firma gegründet, vier Leute eingestellt und die Algenanlage hier als Demoversion aufgebaut.

Die Algenernte und ihre Nutzung

Die Entnahme erfolgt aus dem Rohrsystem des Bioreaktors per Zapfhahn. Eine Untersuchung im Labor des Algenbauers unter dem Mikroskop bestätigen Wachstum und gute Rahmenbedingungen. Aber wo genau ist der Bedarf? Algen sind Proteeinliefernaten, aber ist Berlin-Schöneberg eine proteinarme Zone?

"Im Prinzip gibt’s überall proteinarme Zonen, der Bedarf an Protein ist eine der Grundlagen der menschlichen Ernährung und theoretisch kann die Alge als Protein- und Fettquelle dienen.“
Gunnar Mühlstädt

In den drei Restaurants auf dem Campus zum Beispiel sollen mit dem grünen Stoff Smoothies bereichert, Nudelsoßen verfeinert und Tees gebraut werden. Ein Blick auf die Karten der Restaurants im Netz zeigen allerdings bisher eher algenfreie Kost.

Algen sind doch eher eine Sache für die Zukunft

Aber die Alge hat Potenzial. Wenn es in großem Stil gelingen würde, aus Algen Biosprit zu machen beispielsweise. Das ist aber bisher noch eine Zukunftsvision.