Solo TravelingWie trauen wir uns, alleine zu reisen?

Mandy war von ihrem ersten Solo-Trip begeistert – auch wenn sie davor etwas Angst hatte. Alleine reisen kann unserer Persönlichkeitsentwicklung einen ordentlichen Schub geben. Wir können ein paar Sachen beachten, um es uns einfach zu machen.

Mandy war letztes Jahr das erst mal alleine unterwegs. Sie hat eine Solo-Reise gemacht – nach Madeira.

Davor war sie ziemlich aufgeregt. "Ich war ein klassischer Overthinker: Was ist, wenn was passiert oder was ist, wenn ich mich einsam fühle? Aber es fühlt sich viel größer an, als es im Endeffekt ist", sagt sie.

"Ich habe gelernt, dass ich auch alleine eine richtig tolle Zeit haben kann. Und ich wende das nicht nur auf Reisen an, sondern auch in meinem Alltag."
Mandy, reist immer mal wieder alleine

Mandy hat sich getraut. Sie hatte Zeit und wollte sich nicht mehr von anderen abhängig machen. Ihren ersten Solo-Trip hat sie für fünf Tage gebucht. Sie wollte erst mal ausprobieren, ob sie sich mit dem Alleinreisen wohlfühlt. Ihr Fazit: "Ich fand es ganz arg toll. Mir hat es so gut gefallen, dass ich mich danach entschieden habe, dass ich für einen Monat alleine nach Thailand gehe", erzählt sie.

Sie hat auf ihren Reisen auch Momente erlebt, in denen sie sich einsam gefühlt hat oder etwas mit einer anderen Person teilen wollte. Solche Moment halten oft aber nur kurz an, sagt sie, danach passiert häufig wieder was Schönes.

Nach dem Reisen hat sie bei sich beobachtet, dass sie sich weiterentwickelt hat. Sie fühlt sich selbstbewusster, selbstständiger und ihr fällt es leichter, fremde Menschen anzusprechen. Mandy hat gemerkt, wie viel sie alleine schafft. Das hat auch ihren Alltag verändert. Sie geht jetzt zum Beispiel zu Hause gerne auf Solo-Dates.

Der Effekt des Alleinreisens

Dieses Wachstum, das Mandy beschreibt, das kann ein starker Effekt sein, wenn wir alleine reisen. "Je nachdem, welche Erfahrungen man macht, wie man diese bewertet und ob man diese auch in den Alltag und in das eigene Selbstbild integriert, können diese Erfahrungen dann längerfristig auch Spuren hinterlassen und die Personen anders formen", sagt Psychotherapeutin Christina Miro. Sie hat sich auf das Reisen spezialisiert und berät Menschen, die alleine reisen.

"Hey, ich habe was geschafft"

Wenn wir alleine unterwegs sind, kann sich das auch überwältigend anfühlen. Wir verlassen damit unseren gewohnten Alltag, sind in einer neuen Umgebung unterwegs und erleben viele neue Eindrücke. Was auch wichtig ist, zu wissen: In einem fremden Land kann sich diese Situation intensiver anfühlen, so Christina Miro.

Hier kann es helfen, mit sich einzuchecken und mit sich ins Gespräch zu kommen: Was ist mir gerade wichtig? Was sind meine Bedürfnisse? "Weil man alleine ist und nicht die Möglichkeit hat, mit anderen darüber zu sprechen, ist man mit den eigenen Gedanken und Gefühlen konfrontiert und muss dann erst mal mit sich selbst zurechtkommen. In dem Moment hat man keine Ablenkung", erklärt sie. Aber genau in solchen Situationen kann das Wachstum passieren, von dem auch Mandy erzählt hat.

Alleine Reisen als Frau: Wohin?

Im Zweifelsfall ist die beste Freundin oder der Partner nur einen Anruf entfernt. Mit zu Hause telefonieren oder schreiben ist in Momenten, in denen wir uns überfordert oder alleine fühlen, immer eine Möglichkeit. Das sagt auch Sara Glöckner. Sie reist seit vielen Jahren alleine und hat "The Female Traveller" gegründet, eine Community für alleinreisende Frauen. Dort können sie sich vernetzen und finden Infos.

"Ich glaube, dass man sich selbst beim Alleinreisen am besten kennenlernt."
Sara Glöckner, hat die Community "The Female Traveller" für alleinreisende Frauen gegründet

Wenn sich Sara auf einer ihrer Solo-Trips alleine fühlt, setzt sie sich mit einem Buch in ein Café oder an einen belebten Platz. "Dann habe ich wenigstens das Gefühl, ich bin unter Leuten. Ich würde auf gar keinen Fall in so einer Situation alleine im Hotelzimmer sitzen bleiben, sondern versuchen rauszugehen und unter Leute zu kommen", sagt sie.

Den ersten Solotrip planen

Sara empfiehlt für den Einstieg ins Alleinreisen dahin zu fahren, wo man schon immer hinwollte. Das kann auch ein Ort sein, der nicht so weit weg ist. Dann kann es das erste Mal einfacher machen, mit einem Kurztrip anzufangen, zum Beispiel für eine Nacht oder ein Wochenende. So kann man Reise unkompliziert wieder nach Hause kommen, wenn man den Trip früher beenden möchte.

Was beim Einstieg den Druck rausnehmen kann, ist die Hinreise besonders gut zu planen: Eine Unterkunft mindestens für die erste Nacht buchen, bei Tageslicht ankommen und sich vorher informieren, wie wir zu unserer Unterkunft kommen.

Hier kann es zusätzlich entspannen, sich schon mal ein Ticket für einen Bus oder einen Zug zu buchen oder ein Taxi vorzubestellen. "Alles das machen, wodurch ich mich besser fühle. Wenn ich weiß, was mich erwartet, fällt es mir auch leichter loszugehen und es ist einfacher, mit eventuellen Komplikationen oder komischen Situationen vor Ort umzugehen", sagt sie.

Was geht da, wo ich bin?

Sara beginnt ihre Reisen gerne mit einer geführten Tour. So bekommt sie einen ersten Eindruck von dem Ort, an dem sie ist und weiß zum Beispiel auch, welche coolen Spots es sonst noch so gibt wie Cafés oder Restaurants. Solche Touren sind auch eine Möglichkeit, andere kennenzulernen, mit denen man später etwas unternehmen kann.

"Ich glaube, man muss da auch der Typ für sein und man muss es mögen. Ich genieße es, alleine unterwegs zu sein. Ich bin lange Jahre in einer Beziehung und reise trotzdem alleine."
Sara Glöckner, hat die Community "The Female Traveller" für alleinreisende Frauen gegründet

In ihrer Community werden auch Sorgen geteilt. Ein Thema ist, wie man sich sicher fühlen kann, wenn man als Frau alleine reist. "Da kommt es auch sehr auf das Reiseziel an, aber ganz ehrlich: Es kann auch in Köln oder Berlin abends unangenehm werden, wenn man alleine unterwegs ist", findet Sara.

Außerdem können wir unsere Pläne auf der Reise anpassen. Sara hat sich zum Beispiel einmal in einer Unterkunft unwohl gefühlt und ist dann umgezogen. Generell hat sie aber immer ihre Kreditkarte dabei als Back-up. Wenn gar nichts mehr geht, weiß sie, dass sie dann nach Hause kommen kann.

In der Podcast-Folge erzählt Mandy noch, was sie gemacht hat, als sie auf ihrem Solo-Trip in Thailand eine Lebensmittelvergiftung hatte. Klickt dafür oben auf den Play-Button.