AltersvorsorgeWarum private Vorsorge immer wichtiger wird
Die gesetzliche Rente wird für viele wohl nur noch eine Basisabsicherung sein. Deshalb sollen neue Modelle wie Frühstartrente und Altersvorsorge-Depot helfen. Was sie bringen, wo die Haken liegen – und warum frühes Anfangen entscheidend ist.
Die erneute Debatte um die Rente hat viele aufgeschreckt. Auslöser war eine Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz, die vielen zwar bekannt vorkam – aber in ihrer Klarheit trotzdem verunsichert. Die Rente sei allenfalls noch eine Basisabsicherung und werde nicht ausreichen, um auf Dauer den Lebensstandard zu sichern.
"Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter. Sie wird nicht mehr ausreichen, auf Dauer den Lebensstandard zu sichern."
Es müssten kapitalgedeckte Elemente einer betrieblichen und privaten Altersversorgung hinzutreten, so Merz weiter.
Wirtschaftsjournalist Nicolas Lieven ordnet ein. Schon heute liege die gesetzliche Rente im Schnitt nur bei rund 1200 Euro brutto, mit deutlichen Unterschieden zwischen Männern und Frauen. Für viele bleibe sie damit wirklich eher eine Basis als eine vollständige Absicherung.
"Wichtig ist auch, wo Merz diesen Satz gesagt hat, nämlich beim Bankenverband. Das sind jetzt nicht gerade die Betroffenen, sondern diejenigen, die mitverdienen, wenn wir privat vorsorgen."
Dass diese Einschätzung nicht neu ist, betont Lieven ebenfalls – doch die Art der Kommunikation, bei einer Rede beim Jahresempfangs des Bundesverbandes, habe Ängste verstärkt. Entscheidend sei: Viele Menschen seien stark von der gesetzlichen Rente abhängig, obwohl diese allein oft nicht genügt.
Wachsende Rentenlücke
Wie viel man fürs Alter zurücklegen sollte, klingt schnell abschreckend. Nicolas Lieven verweist auf Modellrechnungen, nach denen man möglichst früh mit dem Vermögensaufbau beginnen sollte – idealerweise vor dem 30. Lebensjahr.
Bis zum 40. Geburtstag sollte etwa das Ein- bis Eineinhalbfache des eigenen Jahresbruttogehalts angespart sein, bis zum Renteneintritt sogar das Sechs- bis Achtfache. Bei einem durchschnittlichen Einkommen von rund 50.000 Euro entspreche das einem Vermögen von etwa 300.000 bis 400.000 Euro.
„Bis zur Rente solltest du das Sechs- bis Achtfache deines Jahresgehalts haben – das sind schnell 300.000 bis 400.000 Euro. Das ist für viele absolut utopisch.“
Dabei gehe es nicht nur um Bargeld, sondern auch um private Vorsorge, Versicherungen oder Immobilien. Für viele Menschen sei das allerdings kaum realistisch. Gleichzeitig seien viele weiterhin stark von der gesetzlichen Rente abhängig – in Deutschland etwa jeder Zweite, in Ostdeutschland sogar rund 75 Prozent.
Neue Modelle – mit Chancen und Risiken
Um diese Lücke zu schließen, setzt die Politik auf neue Instrumente. So ist etwa eine Frühstartrente für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren geplant. Diese soll monatlich mit zehn Euro vom Staat gefördert werden.
"Bei der Frühstartrente gibt es zehn Euro im Monat vom Staat – investiert an der Börse, können daraus langfristig rund 100.000 Euro werden."
Wenn dieses Modell konsequent genutzt werde, könne sich daraus langfristig ein Betrag von rund 100.000 Euro entwickeln, schätzt Lieven. Entscheidend sei allerdings, dass zusätzlich Beiträge von Eltern oder anderen Angehörigen dazukommen – dann könne das Ergebnis deutlich höher ausfallen.
Solche Modelle setzen vor allem auf langfristiges Sparen – idealerweise schon in jungen Jahren. Auch das geplante Altersvorsorge-Depot soll genau das fördern: regelmäßiges Investieren, staatliche Zuschüsse und spätere Auszahlungen im Alter. Gerade für junge Menschen könne sich das lohnen, wenn sie früh beginnen und zusätzliche Beiträge leisten.
Gleichzeitig warnt Lieven vor den Risiken.
"Man muss es wirklich bis zum Schluss durchhalten – und es gibt keine Garantie, dass man am Ende mehr rausbekommt, als man eingezahlt hat."
Neben der Abhängigkeit von der Börsenentwicklung nennt er weitere Haken: mögliche Verluste, Steuerpflicht, eingeschränkte Vererbbarkeit und vor allem Gebühren, die über Jahrzehnte erheblich ins Gewicht fallen können. Auch ältere Modelle wie die Riester-Rente hätten gezeigt, dass sich Erwartungen nicht immer erfüllen – ein Wechsel könne sich aber für viele lohnen.
Früh anfangen macht den Unterschied
Am Ende bleibt vor allem eine Botschaft: Am besten so früh wie möglich mit dem Vermögensaufbau beginnen. Aber jetzt vielleicht doch noch bis nächstes Jahr auf die neuen Varianten warten, um die maximalen Zuschüsse vom Staat zu sichern.
"Die meisten machen erst mal gar nichts – dabei ist genau das der falsche Ansatz."
Lieven macht deutlich, dass selbst kleine Beträge einen Unterschied machen können, wenn sie früh und langfristig investiert werden. Wer regelmäßig 20 oder 50 Euro anlegt, könne über Jahrzehnte ein deutlich größeres Vermögen aufbauen – vorausgesetzt, das Geld wird sinnvoll angelegt und nicht einfach liegen gelassen.
Die Rechnung ist also simpel, aber unbequem: Die gesetzliche Rente allein wird oft nicht reichen. Wer später mehr will, muss früher anfangen – und sich aktiv um die eigene Vorsorge kümmern.