Bahn AGDie Konkurrenz fühlt sich gemobbt

Schon mal einen Flix-Train in der DB-App gebucht? Das sollte bei fairem Wettbewerb möglich sein, finden die Konkurrenten der Bahn. Und auch die Bahn-Webseite sei benachteiligend.

Weder im DB-Navigator noch auf bahn.de gibt es Tickets der Bahn-Konkurrenz. "Wünsche der Wettbewerbsbahnen, mit ihren Produkten dort auch verkauft zu werden, blockte die DB regelmäßig ab", schreibt der Verband der Konkurrenzunternehmen Mofair.

Ein Monopolist im Bahnnetz

Grundsätzlich ist die Bahn AG als Monopolist allerdings wettbewerbsrechtlich in der Pflicht, für fairen Wettbewerb zu sorgen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Tech-Autor Michael Gessat. Das gelte für den Zugang zu Schienen, Bahnhöfen und Verbindungs-Slots – aber eben auch für Vertriebswege.

"Es geht vor allem um die Möglichkeit, die Konkurrenzangebote auch direkt buchen zu können."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Tech-Autor

Eigentlich sollte der Betrieb der DB-App und von bahn.de kurzfristig in die Verantwortung der DB Infrago AG übertragen werden. Das schrieb das Bundesverkehrsministerium im September 2025. Das Ziel: "Stärkung von Gemeinwohl und Wettbewerbsneutralität". Die DB Infrago ist eine gemeinwohlorientierte Aktiengesellschaft.

Diese Übertragung an die DB Infrago würde bedeuten, dass die Fahrgäste in der DB-App auch Tickets der Mitbewerber kaufen können. Nur ist diese Übertragung bisher eben nicht geschehen. Die DB-App und bahn.de werden weiterhin von der DB-Fernverkehr betrieben, erklärt Michael Gessat.

Neue App für die Konkurrenz

Statt der Überführung plant die Bahn zusätzlich, eine anbieterneutrale DB-Info-App einzuführen. Die Konkurrenz nennt das eine Nebelkerze, also ein Ablenkungsmanöver. Wahrscheinlich würde nur ein kleiner Teil der Kundschaft überhaupt den Weg zu der neuen Buchungsapp finden.

"Denn es ist natürlich so – die allermeisten Bahn-Kunden und -Kundinnen nutzen einfach die originale Bahn-App."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Tech-Autor

Die Nutzung der Apps und Webseiten der Bahn-Mitbewerber ist ein weiterer Schritt, den Reisende nicht unbedingt gehen. Selbst die Nutzungszahlen von Apps wie Omio, Trainline oder Bahnsparer erreichen nicht annähernd die Bereiche der DB-Navigator-App.

"Dieser kleine Faulheits- oder Gewohnheits-Aspekt hat ganz offenbar einen Millionen- oder langfristig Milliarden-Wert für die Deutsche Bahn."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Tech-Autor