Bed RottingAb wann gammeln im Bett ungesund wird
Nach einer stressigen Zeit einfach nur stundenlang im Bett chillen. Ohne Termine, ohne schlechtes Gewissen. Bed Rotting hat das eine australische Schlafforscherin genannt. Problematisch ist das laut ihr nicht. Kann es aber werden.
Bed Rotting, also stundenlanges Rumgammeln im Bett, wird seit einiger Zeit als Trend auf Social Media gefeiert. Auslöser war ein Video einer australischen Schlafforscherin, in dem sie erklärte, dass Bed Rotting uns guttun kann.
Auch Psychologen sind der Meinung, dass es grundsätzlich unproblematisch ist, mal länger im Bett zu chillen. Wenn man einige Dinge beachtet.
Was im Kopf passiert, wenn wir mal nichts tun
Wenn wir bewusst auf unsere Bedürfnisse achten und äußere Reize ausblenden – zum Beispiel einfach im Bett liegen, ohne etwas zu tun – dann wird ein bestimmter Bereich im Gehirn aktiv: das sogenannte Default Mode Network. Dieses Netzwerk hilft dem Gehirn, Gedanken zu sortieren.
Dabei können sie abschweifen – über Vergangenes, über Erlebtes. Auch Kreativität kann in solchen Momenten entstehen. Vor allem nach stressigen Situationen ist es laut Neurowissenschaftlerin Franca Parianen wichtig, dem Gehirn solche Pausen zu gönnen.
"Es ist wichtig, dass dieses Rumoren, dieses Arbeiten, was in unserem Kopf stattfindet, auch einem Freiraum bekommt."
Damit das Gehirn diesen Zustand erreicht, ist es entscheidend, was wir im Bett tun. Oder eben gerade nicht tun. Einfach nur rumliegen, Musik hören und die Gedanken schweifen lassen, kann diesen Modus fördern. Stundenlang durch Tiktok scrollen eher nicht.
Zu viel gammeln = schlecht?
Bed Rotting ist nicht automatisch problematisch. Es kommt auf den Kontext an. Liege ich im Bett rum, weil ich mir bewusst eine Pause gönne, ist das in Ordnung. Liege ich im Bett, weil ich keinen Antrieb habe aufzustehen, kann das ein Warnsignal sein.
"Wenn ich dabei bin, depressiv zu werden, kann Bed Rotting ein Zeichen dafür sein, dass eine Krise oder depressive Phase beginnt."
Für aktive Personen, die sozial eingebunden sind, sich mit Freunden treffen und keine depressiven Anzeichen haben, kann Bed Rotting ab und zu eine gute Auszeit sein. Wie bei fast allem gilt: die Dosis ist entscheidend.
In der Schlafforschung wird immer wieder davor gewarnt, tagsüber zu viel Zeit im Bett zu verbringen. Weil man dann vielleicht in der Nacht Probleme beim Einschlafen oder Durchschlafen haben kann. Der Grund: Das Gehirn verbindet das Bett dann nicht mehr nur mit Schlaf, sondern auch mit anderen Aktivitäten. Auch der Schlafrhythmus kann gestört werden, wenn wir tagsüber zu wenig Tageslicht und Bewegung abbekommen.
Immer mal wieder einen Tag nichts tun und den Tag im Bett verbringen: Das schadet jedoch nicht.