BeefWarum wir Zoff mit den Nachbarn haben

Anastasia hat ein Problem mit ihrer älteren Nachbarin, die sie manchmal beschimpft und bedroht. Der Soziologe Sebastian Bührig forscht zum Thema Nachbarschaft und klärt auf, was gute und schlechte Nachbarschaft ausmacht.

Mit dem Hund am Feld entlang und die Leine in der Tasche – Anastasia wird dabei immer wieder von einer aufdringlichen, älteren Nachbarin beschimpft und beobachtet, erzählt sie. Inzwischen meidet Anastasia diesen Weg. Auch ihr Freund hat sein Gassi-Geh-Verhalten angepasst. Die Frau stört sich offensichtlich sehr daran, dass der Hund nicht angeleint ist.

"Ich bin sogar extra noch eine Runde gelaufen, damit sie nicht sieht, in welchem Haus ich wohne."
Anastasis wird beim Gassigehen von einer Nachbarin beschimpft

Immerhin beschimpft sie nicht nur Anastasia, auch andere Hundebesitzende trifft es. Über die Zeit hat Anastasia festgestellt, dass sie sich eingeschränkt fühlt. An einem Abend ist sie sogar noch eine bisschen weiter gelaufen als nötig, damit die Frau nicht sehen kann, in welchem Haus Anastasia wohnt.

"Ich versuche, das Feld tatsächlich öfter zu meiden. Ja, ich fühle mich schon manchmal im Alltag eingeschränkt."
Anastasis wird beim Gassigehen von einer Nachbarin beschimpft

Anastasia hat schon überlegt, bei der aufdringlichen Nachbarin zu klingeln. Bislang hält sie aber der antrainierte Respekt vor älteren Menschen davon ab. Anastasia hat sich dieses Zusammentreffen schon häufiger vorgestellt: "Wenn ich tatsächlich vor der Tür stehe, ist sie gar nicht mehr so böse. Vielleicht ist sie aber ja wirklich ein Monster."

How to Nachbarschaft

Wenn es mit dem Streiten erst mal angefangen hat, dann ist es schon zu spät, sagt der Soziologe Sebastian Bührig. Er hat für sein Buch "Grenzen des Miteinanders" das Zusammenleben und Verhalten der Bewohnerinnen und Bewohner zweier großer Wohnblöcke in Berlin untersucht.

"Forschungen geben tatsächlich einen klaren Überblick: Gleich und Gleich gesellt sich gern."
Sebastian Bührig, Soziologe

Menschen, die eine ähnliche Vorstellung vom Leben und auch von Nachbarschaft haben, kommen auch eher miteinander zu Recht, das ist durchaus durch Forschungsergebnisse gedeckt, sagt er. Allerdings gehört auch Streit zu Nachbarschaften dazu – wegen Uneinigkeit bei Ordnungs- und Hörgewohnheiten zum Beispiel.

Mehr Solidarität im Dorf als in der Stadt

Anders als in der Stadt kenne man sich auf dem Dorf oft in verschiedenen Rollen: als Privatperson und im Job zum Beispiel. Dadurch seien Solidaritätsnetzwerke auf dem Land durchaus stabil ausgeprägt, sagt der Soziologe. Und noch etwas lasse sich verallgemeinern: Je geringer die Mobilität der Menschen ist, desto wichtiger sind Nachbarschaftsbeziehungen.

"Für kleine Kinder und alte Leute, die mobilitätseingeschränkt sind, bekommt der unmittelbar nahe Nachbarschaftsraum eine viel größere Bedeutung."
Sebastian Bührig, Soziologe