Big TechWie Künstliche Intelligenz die Demokratie zerstört

Die Demokratie ist weltweit unter Druck. Warum das mit der digitalen Transformation zusammenhängt, erklärt der Philosoph Ziad Mahayni in seinem Vortrag.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden immer mehr Länder zu Demokratien. In den 1990er-Jahren gab es eine regelrechte Welle der Demokratisierung – der amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama sah gar das "Ende der Geschichte" gekommen.

Doch seit 2005 kippt diese Bewegung und seit 2024 sind demokratische Länder – weltweit betrachtet – wieder in der Minderheit, sagt Ziad Mahayni. Er ist Professor für Angewandte Ethik an der Hochschule Karlsruhe.

"Wenn Sie zu jeder noch so abstrusen Vorstellung immer die passenden Informationen finden, können Sie sich Ihre Realität ganz individuell zusammenbauen. Das führt zur Partikularisierung der Gesellschaft."
Ziad Mahayni, Philosoph

Was sind die Ursachen für die Krise der Demokratie? Ziad Mayhani sagt, es gibt einen wichtigen Zusammenhang zur digitalen Transformation.

Denn immer mehr Content im Internet ist KI-generierte Information, bei der man nicht mehr sagen kann, ob sie die Realität abbildet oder völlig fiktiv ist, so der Philosoph. Wenn unsere Informationen aber immer mehr mit Fake News, Deepfakes und Desinformationen durchsetzt würden, dann werde dadurch das gesamte Informations-Ökosystem gefährdet.

Digitale Transformation führt zur Partikularisierung der Gesellschaft

"Wenn Sie zu jeder noch so abstrusen Vorstellung immer die passenden Informationen finden, dann können Sie sich Ihre Realität ganz individuell zusammenbauen," erklärt Ziad Mahayni. Das führe zu einer Partikularisierung der Gesellschaft – und diese sei für Demokratien besonders problematisch.

Denn Demokratien sind davon abhängig, in einem diskursiven Prozess einen tragfähigen Konsens zu schaffen, so der Philosoph.

"Das Gefühl ersetzt das Argument und die Dimensionen Sinn und Wahrheit verlieren eigentlich ihre Bedeutung."
Ziad Mahayni, Philosoph 

Wir müssen Verantwortung übernehmen für die Technologien, die wir in die Welt setzen, sagt Ziad Mayhani. Das heißt, wir müssen uns überlegen, wie wir als Gesellschaft leben wollen – und die Technologien dementsprechend regulieren, appelliert der Philosoph.

Ziad Mahayni ist Professor für Angewandte Ethik an der Hochschule Karlsruhe und Leiter des Zentrum für ethische Fragen im 21. Jahrhundert. Der Vortrag von Ziad Mahayni heißt "'I no longer believe that freedom and democracy are compatible' – Zum Stand der Demokratie im Digitalzeitalter". Er hat ihn am 29.10.2025 im Rahmen der Ringvorlesung "'Schöne neue Welt? Welche Zukunft sieht die Digital-Oligarchie für uns vor?" gehalten. Veranstalter der Ringvorlesung sind das Zentrum für ethische Fragen im 21. Jahrhundert und das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse.