Cash und LiebeWie geht Beziehung mit unterschiedlich viel Geld?

Arm und reich treffen manchmal in Beziehungen direkt aufeinander: Selbst, wenn Unterschiede beim Vermögen eher geringfügig sind, können sie für grundsätzlichen Streit sorgen. Fred kennt das Problem. Und eine Paartherapeutin hat Lösungsansätze.

Persönliche Finanzen – der Kontostand zum Beispiel und der Immobilienbesitz – haben erst mal nichts mit der Beziehung zu tun, die jemand führt. Und doch schleicht sich früher oder später der Umfang des individuellen Besitzes und der jeweilige Umgang damit rasch als feste Größe in jede Paarbeziehung ein.

Fred sagt sogar, dass die Beziehung zu ihrem Ex daran gescheitert ist. "Ich glaube, dass er dachte, dass er sich aus allem herauskaufen kann", sagt sie.

"Wenn er immer nur bestimmen kann, was wir für teurere Sachen machen, ist das für mich nicht das Level von Gleichberechtigung, das ich mir wünsche."
Fred, über das finanzielle Ungleichgewicht in ihrer vergangenen Beziehung

Eigentlich suchte sie jemanden, der sich in der gleichen Lebensphase befindet, der finanziell auf Augenhöhe ist. In der Beziehung zeigte sich dann, dass er einfach deutlich mehr Geld hatte als sie. Und das wurde mit der Zeit zum Problem. "Dann ist es schnell in ein großes Ungleichgewicht gekippt", sagt sie.

Sparoptionen? Abgelehnt!

Ihr Partner hat dann viele Sachen, die sie gemeinsam gemacht haben, bezahlt – im Restaurant zum Beispiel. "Er hat gesagt: Nee, sei kein Problem. Aber am Gesichtsausdruck habe ich gemerkt, dass er sich schon wünschen würde, dass ich jetzt auch mal zahle", sagt Fred über das finanzielle Ungleichgewicht in der Beziehung zu ihrem Ex. Spazieren? Wandern? Hostel? Ihre Low-Budget-Vorschläge habe ihr Ex-Partner einfach ignoriert.

"Da gab es die Möglichkeit: Entweder man macht gar nichts, oder man macht was Teures."
Fred, über das finanzielle Ungleichgewicht in ihrer vergangenen Beziehung

Zum Ende der Beziehung hin fühlte Fred sich durch ihren Ex als Gold digger diffamiert. Er habe ihr unterstellt, die Beziehung zu ihm rein als auf dem Austauschprinzip beruhend zu betrachten. Das hat sie verletzt. Sie zog daraus den Schluss: "Das hat hier überhaupt keine Zukunft, wenn er mich nur als eine Frau sieht, die ihn finanziell ausnimmt."

"Am Tag der Trennung hat er mir noch so im Scherz gesagt, dass ich nicht irgendwie was von seinem Gold klaue."
Fred, über das finanzielle Ungleichgewicht in ihrer vergangenen Beziehung

Wenn das Vermögen in einer Beziehung sehr unterschiedlich verteilt ist, rät die systemische Paartherapeutin Mashaal Omary dazu, die Ausgaben prozentual unterschiedlich zu gewichten und gemeinsame Ausgaben nicht 50/50 zu teilen.

Tauschen als Ausweg

Und noch auf eine andere Art lasse sich ein bestehendes finanzielles Ungleichgewicht mildern: In einer Beziehung ließen sich auch Dinge tauschen, die keinen klar definierten Geldwert haben, findet Mashaal Omary.

"Geld ist etwas, womit ich mir Freizeit kaufe oder auch Freiheit oder eben auch schöne Glücksmomente."
Mashaal Omary, systemische Paartherapeutin

Grundsätzlich sei es wichtig, regelmäßig über Geld zu sprechen und das Geldthema eben nicht unter den Teppich zu kehren.

"Wenn man eine gemeinsame Zukunft haben möchte, ist es umso wichtiger, über das Geld zu sprechen. Wie viel hat denn jeder?"
Mashaal Omary, systemische Paartherapeutin über Geld in Beziehungen