DesinformationWie sie unseren Umgang mit Wissen ruiniert
Fake News sind nicht nur falsche Informationen. Sie beschädigen auch unsere Möglichkeit, überhaupt an Wissen und Überzeugungen zu gelangen, argumentiert die Philosophin Romy Jaster.
Romy Jaster untersucht in ihrem Vortrag unterschiedliche Varianten der Desinformation. Sie sieht ein Problem nicht nur darin, dass unwahre Nachrichten es erschweren, zu konkretem Wissen zu gelangen, sondern erkennt darin auch ein strukturelles Problem. Das Wissenssystem als Ganzes wird beschädigt, sagt sie. Das führe zu einer "Krise der verlässlichen Urteilsbildung".
"Fake News sind falsche oder irreführende Berichte, deren Verbreiter*innen sind nicht darum bemühen, etwas Wahres zu sagen."
Zunächst definiert sie, was Fake News sind, und beleuchtet anschließend unterschiedliche Desinformations-Strategien. Eine davon: "Flood the Zone with shit", Bullshit als Bluff und in demonstrativer Absicht sowie Verschwörungstheorien.
"Die 'Flood the Zone'-Strategie bindet, zerstreut und überlastet unsere Aufmerksamkeit und untergräbt damit unsere Fähigkeit, Informationen sinnvoll zu bewerten."
Die von Steve Bannon ausgegebene Parole "Flood the Zone with Shit" ziele nicht auf das Produzieren von konkreten Irrtümern, sondern auf generelle Desinformation.
"In einer Welt, die ganz reich an Informationen ist, entstehen Knappheiten an etwas anderem. Nämlich: an Aufmerksamkeit."
Sie zitiert den US-amerikanischen Sozialwissenschaftler Herbert Simon: "Was Informationen verbrauchen, liegt auf der Hand. Sie verbrauchen die Aufmerksamkeit des Empfängers."
Viel Desinformation, schlechtere Urteilsbildung
Das Problem bestehe nicht vordringlich darin, dass Menschen durch Desinformation zu falschen Überzeugungen gelangten, sondern darin, dass dadurch insgesamt die Bedingungen verschlechtert werden, unter denen sie ein gut begründetes Urteil bilden können.
"Demonstrativer Bullshit kann zur Erosion von Aufrichtigkeitsnormen beitragen."
Wenn wir über Fake News sprechen, sollten wir daher laut der Philosophin nicht nur auf konkrete unwahre Inhalte schauen, sondern auf das große Ganze dahinter: die Informationsumgebungen, die Vertrauensstrukturen und die Kommunikationspraktiken, die dadurch angegriffen werden.
Dr. Romy Jaster forscht und lehrt an der Humboldt-Universität Berlin, wo sie am Institut für Philosophie den Arbeitsbereich Philosophie und Öffentlichkeit verantwortet. Zudem ist sie Co-Gründerin und -Leiterin des Forums für Streitkultur, einer Einrichtung, die das konstruktive Streiten erforscht und vermittelt. Hier finden sich ihre Publikationen.
Ihren Vortrag mit dem Titel "Fake News und darüber hinaus. Wie Desinformation unsere epistemische Infrastruktur angreift" hat sie am 19. Juni 2026 an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder gehalten. Die Viadrina hatte dem großen Thema Fake News ein ganzes Festival gewidmet.