ÖPNVDeutschlandticket: Serverpanne zum Start

Wer Bus und Bahn fährt, ist heute vielleicht zum ersten Mal mit dem neuen Deutschlandticket zur Arbeit unterwegs. Statt Januar wurde es Mai. Reibungslos ist der Beginn des 49-Euro-Tickets nicht gelaufen. Die Bahnserver waren überlastet.

Obwohl man das Deutschlandticket schon seit Anfang April kaufen kann, haben sich die meisten Menschen wohl erst kurzfristig dafür entschieden. Dementsprechend wollten offenbar vor allem am 1. Mai besonders viele Leute eins kaufen – und zwangen damit die Website und die App der Deutschen Bahn in die Knie: "Im Moment greifen zu viele Nutzer gleichzeitig auf unser Buchungssystem zu" war dort häufig zu lesen.

"Gestern sind erstmal direkt die Server der Bahn in die Knie gegangen. Teilweise haben Leute auch ihre Chip-Karte noch nicht bekommen, auf dem das Deutschlandticket gespeichert ist."
Julian Kuper, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten

Aktuell gibt es das Ticket entweder als Handyticket, als Chipkarte oder – aber nur vorübergehend bis Jahresende – auch als Papierfahrkarte. Sich das Ticket per Chipkarte nach Hause schicken zu lassen, hat in manchen Fällen wohl nicht rechtzeitig geklappt. Als Erklärung geben die Verkehrsverbünde an, es habe Probleme mit den Chipkartenherstellern gegeben.

Bisher normale Auslastung der Züge

Die Züge waren am 1. Mai nicht voller als sonst, sagen die meisten Verkehrsverbünde. Es fehlte auch noch der komplette Schul- und Berufsverkehr. Letztlich wird es sich in den nächsten Wochen zeigen, ob die Zugauslastung spürbar ansteigt.

"Die Bahn vermutet, dass die Auslastung nicht so sein wird wie zu 9-Euro-Ticket-Zeiten."
Julian Kuper, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten

Die Bahn vermutet aber, dass es nicht so sein wird wie zu 9-Euro-Ticket-Zeiten. Dieses Angebot war so günstig, dass es sich für viele durchaus gelohnt hat - unter anderem schon für eine einzelne Fahrt an einem langen Wochenende. Bei 49 Euro ist die Kosten-Nutzen-Rechnung eine andere.

49 Euro – egal, wann man das Ticket kauft

Das Ticket gilt pro Kalendermonat: Wer erst Mitte oder Ende des Monats das Mai-Ticket kauft, zahlt trotzdem die vollen 49 Euro.

Das Deutschlandticket könnt ihr bei den Verkehrsverbünden, bei der Bahn selbst oder auch in Apps von Verkehrsdienstleistern kaufen. Exakte Zahlen, wie viele Menschen das für Mai schon gemacht haben, liegen noch nicht vor. Nach einer Hochrechnung des Verbands deutscher Verkehrsunternehmen dürften es aber mehr als drei Millionen Personen sein. Darunter sind 750.000 Kundinnen und Kunden, die bisher kein Monatsabo für den ÖPNV hatten.

Die Bahn rechnet damit, dass sich insgesamt rund 17 Millionen Menschen das Deutschlandticket kaufen werden.

Ticketpreis wird steigen – aber wann?

Die 49 Euro sollen ein Einstiegspreis sein – deswegen heißt das Ticket offiziell auch nicht "49-Euro-Ticket". Es wird irgendwann teurer werden, eine Art Inflationsausgleich soll kommen.

Die aktuelle Finanzierung ist gesichert: Die Hälfte zahlt der Bund, die andere Hälfte die Länder.

"Die Finanzierung des Deutschlandtickets ist zwar jetzt erstmal okay, aber wie üblich bin ich unzufrieden damit."
Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg

Ziemlich viel Werbung für das Deutschlandticket machen übrigens vor allem die kleinen Verkehrsunternehmen, wie etwa Busbetreiber. Sie fürchten, dass ihnen Geld fehlt, wenn alle ihr Deutschlandticket direkt bei der Bahn kaufen und niemand mehr Einzelfahrten oder Monatsticket bei ihnen selbst.

Letztlich sollen die Einnahmen zwar fair verteilt werden. Laut dem Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen ist es aber unklar, wann die versprochenen Ausgleichszahlungen kommen. Für Kunden kostet das Ticket überall gleich viel.

Kritik von Sozialverbänden und Verbraucherzentrale

Kritik am Deutschlandticket kam am Wochenende von vielen Sozialverbänden, etwa vom Deutschen Caritasverband. Diese finden es falsch, dass es kaum Rabatte für Menschen mit geringem Einkommen gibt. Außerdem fordern die Verbände, dass es das Ticket dauerhaft auch auf Papier gibt – für Menschen, die eben kein Smartphone haben.

Die Verbraucherzentrale kritisiert zudem, dass es kompliziert ist, das Ticket zu kaufen – vor allem dann, wenn ihr schon ein Monatsabo hattet und erst mal umständlich checken müsst, ob das Ticket automatisch umgestellt wird oder ihr selbst aktiv werden müsst.