Digitale GewaltFrauen auf dem Rückzug
Sexualisierte Gewalt im Netz führt dazu, dass viele Frauen sich online einschränken. Warum das ein Problem ist und welche neue Aufgabe Zeugen haben, das erklärt die Sozialpädagogin Nivedita Prasad.
Collien Fernandes, Theresia Crone und viele Opfer und Fälle mehr: Die Gewalt ist echt, auch wenn sie im digitalen Raum stattfindet. Viele Frauen ziehen sich deswegen aus den sozialen Medien und aus dem Internet zurück, das hat eine Befragung im Auftrag des Deutschen Frauenrats ergeben.
Zwei Drittel schränken zum Schutz vor Missbrauch ihre Aktivitäten im Netz ein, teilen weniger Fotos, weniger Informationen. Bei Frauen zwischen 18 bis 39 sind es noch mehr, da sind es rund drei Viertel.
Männderdominierte Echoräume
Nivedita Prasad kennt das Problem. Die Sozialpädagogin lehrt an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin. Sie sagt, dass im Digitalen die Wirkmächtigkeit von Gewalt gegen Frauen grundsätzlich stärker ist. Die Motive der Täter sind bekannt: "Das sind alles alte Themen. Also Eifersucht, Kontrolle und Macht. Aber das Internet ermöglicht deutlich mehr."
Für digitale Räume ist der Rückzug – wie er im Rahmen der genannten Befragung ermittelt worden ist – immer ein Problem. "Man muss davon ausgehen, dass sie dann zu sogenannten männerdominierten Echoräumen werden", sagt Nivedita Prasad.
"Wir wissen, dass ohne diverse Stimmen zum Beispiel Online-Räume immer polarisierter werden, immer einseitiger werden."
Ein Problem ist die weitgehende Straflosigkeit bei pornografischen Deepfakes und Nacktaufnahmen außerhalb privater Räume: "Derzeit muss man sagen, ist das alles relativ risikolos. Es sind risikolose Verbrechen, die nicht geahndet werden", sagt Nivedita Prasad.
"Heute kann ich kostenlos von überall her diese Bilder verbreiten und an sehr viel mehr Personen verbreiten."
Nivedita Prasad weist darauf hin, dass für die Verbreitung von Fotos, die ohne das Wissen der Opfer entstanden sind, online weder Kosten noch ein nennenswerter Zeitaufwand erforderlich sind. Also kein Druck und kein Versand.
Wenige Klicks, viele Zeugen
Diese erleichterten Verbreitungsbedingungen im Digitalen bringen auch eine erweiterte Zeugenschaft mit sich.
"Anders als bei analoger Gewalt erzeugt digitale Gewalt sehr häufig Zeug*innen. Da gilt es eben solidarische Zeugen zu sein."
Nivedita Prasad rät zu folgenden Schritten, wenn wir Zeugen sexualisierter Gewalt im Netz werden:
- die betroffene Frau informieren
- den Täter konfrontieren und Grenzen setzen
- die Beweise sichern
Letzteres ist darin begründet, dass Täter zügig Beweise vernichten, wenn die Frau strafrechtlich dagegen vorgeht, erklärt Nivedita Prasad.
"Da sind die Zeugen und die Zeuginnen sehr wichtig, die sagen: XYZ hat mir ein Video geschickt, ich habe das Video gesichert, das ist auf dem Video zu sehen."