DrogenkonsumSuchttrend Oxys und Benzos hält unter Jugendlichen an

Bei Oxys und Benzos oder auch Tilidin handelt es sich um Medikamente, die süchtig machen. Eine Überdosis mit Oxys kann tödlich enden. Jugendliche können sich die Medikamente leicht über Plattformen beschaffen.

Tilidin oder Oxycodon – Spitzname Oxy – sind Opioide und werden als Schmerzmittel eingesetzt. Benzodiazepine – genannt Benzos – sind Beruhigungsmittel, die unter den Medikamentennamen Diazepam, Valium oder Alprazolam, auch bekannt als Xanax, gehandelt werden. Es handelt sich dabei um halb- oder vollsynthetische Medikamente, die verschreibungspflichtig sind. Opioide fallen außerdem unter das Betäubungsmittelgesetz.

Wie wirken die Medikamente?

Benzodiazepine binden sich an Rezeptoren im Nervensystem und wirken stark beruhigend und dämpfen die Wahrnehmung. Jugendliche nehmen Benzos teils als eine Art Selbstmedikation gegen depressive Verstimmungen ein.

Opioide wirken nicht nur schmerzlindernd, sondern ahmen auch Endorphine nach und sorgen so dafür, dass der Glücksbotenstoff Dopamin ausgeschüttet wird. Dabei besteht eine große Suchtgefahr, denn der Körper baut eine Toleranz auf. Das bedeutet, dass er immer mehr von dem Stoff braucht, um dieselbe Wirkung zu spüren.

Bei Oxys ist außerdem die Gefahr groß, zu viel davon einzunehmen, sagt Suchtforscher Bernd Werse von der Frankfurt University of Applied Science.

"Insbesondere wenn man Mischkonsum betreibt, kann es im schlimmsten Fall zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen."
Bernd Werse, Suchtforscher an der Frankfurt University of Applied Science

Diese gefährliche Mischung verschiedener Drogen kann zum Tod führen. Verena Riedner, stellvertretende leitende Oberärztin des kbo-Heckscher-Klinikums für Kinder und Jugendpsychiatrie in München-Giesing, berichtet dem Recherchenetzwerk Correctiv über das veränderte Suchtverhalten bei Jugendlichen. Während vor ein paar Jahren mehr aufputschende Partydrogen konsumiert wurden, werden zunehmend betäubende Medikamente - meist allein zu Hause - geschluckt. Sie behandelt vor allem junge abhängige Menschen in ihrer spezialisierten Station.

Ihre Patient*innen würden immer jünger werden. Der erste Kontakt mit den Tabletten finde auf dem Schulhof statt. Schnell steige die Sucht an bis zu einer Dauermedikation über den gesamten Tag. Die Beschaffung sei leicht über Instagram, Telegram oder Tiktok. Die Bestellung werde einfach nach Hause geliefert, wenn die Eltern nicht da sind.

Gefährlicher Wirkstoffmix mit tödlichen Folgen

Doch bei dieser illegalen Beschaffung ist die Gefahr groß, gefälschte Präparate untergeschoben zu bekommen. Diese können auch mit anderen Wirkstoffen verunreinigt sein, sagt Daniel Brombacher von der "Global Initiative against Transnational Organized Crime". Ein gefährlicher Wirkstoff sind Nitazene, die das Bayerische Landeskriminalamt in einer Warnung vom März 2026 unter anderem aufführt.

Die Plattform-Dealer besorgen sich die Medikamente meist im Darknet. Möglicherweise werden dort Kontingente aus Überproduktionen oder von kleineren Laboren in China, Indien oder Pakistan angeboten, vermutet Daniel Brombacher. Doch genaue Informationen über den Ursprung fehlen bislang.

Prävention? Verantwortung Plattformbetreiber?

Um die Jugendlichen vor dem Drogenangebot zu schützen, könnten beispielsweise die Plattformbetreiber in die Pflichtgenommen werden. Bei Correctiv läuft derzeit eine Umfrage, um ein "Lagebild zum Missbrauch synthetischer Drogen für Deutschland" zu erstellen.