Dschihadismus Junge Männer im Sog der Subkultur
Warum gehen Jugendliche für den Islam bis in den Tod? Der Soziologe Felix Roßmeißl beschreibt in seinem Vortrag eine totale Subkultur, die einen fatalen Sog entwickeln kann.
Etwa 5.000 junge Europäer sind in den letzten Jahren nach Syrien gegangen, um sich dschihadistischen Gruppierungen anzuschließen. Die meisten von ihnen wurden erst in ihrer Jugend religiös. Der Soziologe Felix Roßmeißl hat untersucht, warum sich junge Männer dem Islam anschließen.
"Die jungen Männer sollen mit allem brechen, was den religiösen Pflichten im Wege steht – mit Institutionen wie Arbeit, Schule, Vereinsleben, mit der ungläubige Familie, aus der man kommt, mit den falschen Freunden."
Felix Roßmeißl hat für seine Forschung mit ehemaligen Dschihadisten und mit Elternteilen von gefallenen IS-Kämpfern biografisch-narrative Interviews geführt. Außerdem hat er propagandistische Dokumente wie Videos, Texte, Magazine, Vorträge oder sogenannte Naschidgesänge – religiöse Lieder, die als Propagandawerkzeug dienen – ausgewertet.
Im Sog einer totalen Subkultur
Felix Roßmeißl beschreibt fünf Schritte dschihadistischer Werdegänge:
- Einstieg in die totale Subkultur
- Vergemeinschaftung (Sozialleben wird umgestaltet, Brüche)
- Gelehrsamkeit (religiöses Wissen aneignen)
- Aktivismus (nicht gewalttätige Verbreitung der Werte)
- Militanter Dschihad
Der Dschihadismus ist eine totale Subkultur, sagt der Soziologe. Sie entwickele einen Sog, der dazu führe, dass ganz normale Jugendliche, die vorher nicht besonders religiös waren, für den Islam bis in den Tod gehen würden.
"Die Brüder neutralisieren ihre Zweifel, indem sie sich gegenseitig davon überzeugen, dass nicht die Maßlosigkeit der Gewalt das Problem ist, sondern ihre mangelnde religiöse Hingabe."
Felix Roßmeißl ist Soziologe an der Hochschule Fulda. Seinen Vortrag "Im Sog der totalen Subkultur. Wie junge Menschen zu Dschihadisten werden" hat er am 4. Februar 2026 am Hamburger Institut für Sozialforschung gehalten.
Im Anschluss an den Vortrag von Felix Roßmeißl hört ihr einen Kommentar von Wolfgang Knöbl. Er ist Soziologe und Direktor des Hamburger Institut für Sozialforschung. In seinem Kommentar würdigt er die Forschung von Felix Roßmeißl und ordnet sie in die Wissenschaftsdebatte ein.