E-MailsVerabschieden war gestern

E-Mails können uns manchmal ganz schön viel Zeit rauben. Um unsere Kommunikation effizienter zu gestalten, könnten wir schon mal mit dem lästigen Grüßen aufhören. Wer braucht schon "Beste Grüße", "LG" oder "Herzlich"?

Klingt sehr einfach und könnte uns tatsächlich Zeit ersparen: Was wäre, wenn wir einfach mal alle Verabschiedungen und Grußformeln in Mails weglassen und direkt zum Punkt kommen? Diesen Vorschlag macht Martin Oswald, Online-Chef vom Schweizer Radio SRF3 in seinem Blogeintrag "Schluss mit Gruß - Warum E-Mails sinnfrei enden". Für den radikalen Verzicht nennt Oswald vier Gründe:

  1. Grüße haben keine inhaltliche Bedeutung, sondern sind bloß Floskeln
  2. Ein Gruß wirkt freundlich, ohne wirklich Zuneigung zu offenbaren. Er nennt das: die anständige Form von distanzierter Bedeutungslosigkeit
  3. Wer im Büro täglich 100 Mails verschickt, vergeudet wertvolle Arbeitszeit für wertloses Grüßen
  4. Grüßen stirbt sowieso aus. Millenials, so seine Beobachtung, verschicken keine Grüße mehr, sondern Emojis, XoXo-Küsschen oder verabschieden sich aufgrund der ständigen Kommunikation via Whatsapp sowieso nicht voneinander
"PS: An all meine KollegInnen. Ich verzichte in Zukunft auf den obligaten Gruß - mag euch aber trotzdem."
Zitat aus "Schluss mit Gruß! Warum E-Mails immer sinnfrei enden" von Martin Oswald, Online-Chef SRF3

Ist das effizient oder unhöflich?

Mag sein, dass wir tatsächlich viel Zeit durch das einfache Weglassen des Grußes in unserer E-Mail sparen können. Aber so einfach ist das manchmal nicht. In vielen Unternehmen gehört es zum guten Ton, intern und extern nett und höflich zu grüßen. Der E-Mail-Knigge von 2006 sagt zum Beispiel noch: "Eine E-Mail bedarf genau der gleichen Aufmerksamkeit wie früher der Brief. E-Mails sind Schriftstücke, die das Image einer Firma prägen und ausgedruckt werden können. Denken Sie deshalb daran, immer eine vollständige Anrede und eine komplette Verabschiedung einzufügen. So viel Zeit muss sein." Das ist ganze neun Jahre her. Aber hat sich seitdem so viel verändert?

"Nutzen Sie solche Grußformeln und seien Sie sich sicher: Sie fallen dem Empfänger auf! Sie hinterlassen einen guten Eindruck und gewinnen Sympathien - und das alles mit einem Minimalaufwand."
Zitat aus einem Artikel eines Trainers für Stress- und Arbeitsmanagement, zeitblueten.com

Bleibt die Erkenntnis: Einen allgemein gültigen Rat kann man so nicht geben. Wir stecken wohl irgendwo dazwischen. Intern mit den geschätzten KollegInnen oder mit Freunden kann man bestimmt immer mit Ansage höflichen Schnickschnack weglassen. Aber für E-Mails an den Chef oder den Prof ist es vielleicht nicht schlecht, Zeit für die Grußformel einzuplanen.

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