E-MobilitätMercedes macht Tesla Konkurrenz – ganz schön spät

Mercedes präsentiert sein neues E-Auto: die Elektro-S-Klasse EQS. Es ist von Grund auf als E-Auto gedacht und konzipiert worden. Das gab es bisher noch nicht. Potenziell könnte der Autohersteller damit zur Konkurrenz aufschließen.

Die Autoindustrie ist eine Schlüsselindustrie für Deutschland. Um auch in Zukunft dabei zu sein, braucht es Alternativen zum Verbrennungsmotor. Mercedes ist bisher allerdings nicht gerade als E-Auto-Pionier aufgefallen. Jetzt wird der neue EQS vorgestellt. Das Auto ist immens wichtig für die Zukunft des Konzerns, sagt Christoph Rauwald, Auto-Experte bei Bloomberg. Er hat den Bau der neuen S-Klasse verfolgt und auch schon gesehen.

"Ich glaube, die Bedeutung der neuen Elektro-S-Klasse kann man fast gar nicht hoch genug aufhängen für die Gesamtentwicklung des Unternehmens."
Christoph Rauwald, Auto-Experte

Bisher wurde die S-Klasse traditionell für Verbrennungsmotoren entwickelt. Auch als Plug-in-Hybrid-Variante ist sie zu haben. Das neue Modell EQS ist allerdings vollelektrisch. Es ist der erste Mercedes überhaupt, der auf einer reinen Elektroplattform aufgebaut ist – das sei viel besser für die Batteriereichweite, erklärt Christoph Rauwald.

Reichweite: 770 Kilometer

Der EQS könnte Tesla durchaus Konkurrenz machen, sagt der Auto-Experte. Die Reaktionen hätten bisher gezeigt, dass Tesla den Wagen sehr, sehr ernst nehmen muss. Mit einer Reichweite von 770 Kilometern könne er deutlich weiter fahren als alle derzeit verfügbaren Tesla-Modelle. Der Konzern von Elon Musk hat allerdings bereits angekündigt, eine Version ihres Flaggschiffs "Model S" auf den Markt zu bringen, das eine noch größere Reichweite hat.

Technisch sei der EQS auf jeden Fall auf Augenhöhe mit Tesla, so Christoph Rauwald – in einigen Bereichen, etwa bei der Innenausstattung, vielleicht sogar noch eine Stufe darüber.

"Mercedes war spät, das kann man definitiv so sagen."
Christoph Rauwald, Auto-Experte

Im Bereich E-Mobilität sei Mercedes ein Spätzünder. Der Druck auf das Unternehmen habe aber stark zugenommen. Heutzutage genüge es nicht mehr, in der "alten Verbrennerwelt" mithalten zu können. Die Konzerne müssten immer mehr auch in der neuen Elektroauto-Welt konkurrenzfähige Produkte anbieten – technologisch und was Luxus und Komfort angeht.

Bei der S-Klasse hat Mercedes traditionell den Anspruch, das beste Auto der Welt bauen zu wollen. Ob das mit dem EQS tatsächlich klappt, sei die spannende Frage, sagt Christoph Rauwald. Das Auto wurde bereits einigen Analysten vorgestellt, die es – in getarnten Prototypen – schon fahren konnten. Diese seien alle recht begeistert gewesen, sagt der Auto-Experte. Insofern seien die Erwartungen sehr hoch. Am Ende des Tages entscheiden das aber die Kundinnen und Kunden. Oft seien in Flagschiff-Modellen auch prestigeträchtige Technologien verbaut, die sich später dann auch in etwas günstigeren Fahrzeugen wiederfinden. Ein Beispiel dafür war bei Mercedes der Airbag.

E-Mobilität: VW hat die Nase vorn

Beim Thema Elektroautos habe bei den deutschen Herstellern momentan auf jeden Fall Volkswagen die Nase vorn, sagt Christoph Rauwald. Bereits 2020 hätte VW in Europa mehr Elektroautos verkauft als Tesla. Weltweit habe Tesla aktuell noch die Nase vorn. Doch das könne sich 2021 ganz gewaltig drehen, weil viele neue Modelle von VW auf den Markt kommen.

"Bereits 2020 hat VW in Europa mehr Elektroautos verkauft als Tesla."
Christoph Rauwald, Auto-Experte

Mercedes sei dagegen eher im Premium- und Luxusbereich unterwegs, das Gesamtvolumen sei also kleiner als bei VW. Im Premiumbereich werde aber natürlich das meiste Geld verdient, da sei Mercedes gut unterwegs. Nach dem EQS sei im Laufe des Jahres auch noch eine vollelektrische Variante der E-Klasse angekündigt.