ZentralafrikaSo wird das Ebola-Virus bekämpft

Immer mehr Erkrankte und Tote durch das Ebola-Virus in Zentralafrika: Die WHO hat die zweithöchste Alarmstufe ausgerufen. Und eine Impfung gibt es bislang nicht. Eine deutsche Ärztin beschreibt, wie sie bei früheren Ausbrüchen vor Ort geholfen hat.

Mindestens 500 Verdachtsfälle und 130 mutmaßliche Todesfälle, das sagt die World Health Organization (WHO) über den Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo. Auch das Nachbarland Uganda ist teilweise betroffen (Stand 20.05.2026).

Der erste nachweislich Infizierte entwickelte am 24.04.2026 Symptome und starb an den Folgen der Virusinfektion. Erste Laborproben waren negativ, weil die Tests nur den Zaire-Virusstamm nachweisen, nicht aber das Bundibugyo-Ebolavirus.

"Eigentlich bräuchten sie am dringendsten ein spezifisches Medikament gegen das Ebola-Virus."
Jenny Dörnemann, Kinderärztin, Universitätsklinik Dresden, war für Ärzte ohne Grenzen schon in Ebola-Gebieten

Beim aktuellen Ausbruch ist dieser Virustyp erstmals am 14.05.2026 nachgewiesen worden. Der zugelassene Ebola-Impfstoff Ervebo schützt zuverlässig nur gegen den Zaire-Stamm.

"Es gibt Antikörper, die wirken gegen das Virus, das weiß man aus Tiermodellen. Aber die sind noch nicht klinisch getestet."

Gegen Bundibugyo gibt es momentan keinen zugelassenen Impfstoff. Und der Weg über klinische Studien ist einfach langwierig, erklärt der Virologe Stephan Becker.

Der lange Weg zu einer Impfung

Er sagt: "Es bedeutet, dass man diese Impfungen lange vorbereiten muss. Man braucht die entsprechenden Protokolle, wie man das macht, die müssen genehmigt werden."

"Wir haben tatsächlich keinen zugelassenen Impfstoff. Und das ist ein großes Problem."

Die betroffene Provinz Ituri liegt mehr als 1.000 Kilometer von der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa entfernt, und hat kein ausgebautes Straßennetz. Außerdem sind dort Rebellengruppen und eine mit dem IS verbundene Terrorgruppe aktiv.

Ebola ist eine schwere Infektionskrankheit, die durch das Ebolavirus ausgelöst wird und häufig schwer und sogar tödlich verläuft. Die Sterblichkeitsrate liegt zwischen 25 und 90 Prozent.

"Man muss sauber herausfinden, ob die Patienten, die sich mit Fieber oder allgemeinen Krankheitssymptomen vorstellen, die Kontakt zu einem Patienten mit ähnlichen Symptomen hatten."
Jenny Dörnemann, Kinderärztin, Universitätsklinik Dresden, war für Ärzte ohne Grenzen schon in Ebola-Gebieten

Die Symptome ähneln anfangs einer Grippe mit hohem Fieber, starken Kopf- und Gliederschmerzen.

Frühsymptomatik als Problem

Und das ist ein Problem, sagt Jenny Dörnemann: "Die ersten Anzeichen einer Ebola-Erkrankung sind sehr ähnlich mit Anzeichen von anderen, viel häufigeren und üblichen Infektionskrankheiten." Die Ärztin hat bereits bei Ebola-Ausbrüchen in Afrika für die Organisation Ärzte ohne Grenzen medizinische Hilfe geleistet. Momentan arbeitet sie als Kinderärztin an der Universitätsklinik in Dresden.

Sie beschreibt die medizinische Arbeit im Ebola-Gebiet so: "Man muss sehr aufmerksam sein, seine Tätigkeit sehr sorgfältig ausführen, Schutzmaßnahmen beachten während der ganzen Zeit. Das ist wirklich eine medizinische Tätigkeit in höchster Anspannung."

Nach den milden Anfangssymptomen kommt es bei Menschen, die an Ebola erkrankt sind zu Erbrechen, Durchfall, Störung von Nieren- und Leberfunktion und schweren inneren und äußeren Blutungen.

"Wir würden Diagnostik anbieten, also dass man sagen kann, dieser Patient ist ein Ebola-Patient. Das ist wichtig für die gesamte Nachverfolgung von Kontakten und für die Eindämmung dieses Ausbruchs."
Jenny Dörnemann, Kinderärztin, Universitätsklinik Dresden, war für Ärzte ohne Grenzen schon in Ebola-Gebieten

Das Ebolavirus verbreitet sich – anders als etwa Corona – nicht über die Luft. Es braucht direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten von Erkrankten, zum Beispiel mit Blut, Speichel, Schweiß oder Erbrochenem.

"Ich mache mir wegen dieses Ausbruchs große Sorgen, wegen der Situation im Osten vom Kongo. Nicht so sehr wegen der Situation hier in Deutschland."

Der Ebola-Ausbruch in Zentralafrika besorgt Stephan Becker. Er ist Virologe und geschäftsführender Direktor des Instituts für Virologie der Universität Marburg. Er erklärt die verzögerte Reaktion auf den Ausbruch so: "Ich vermute, das liegt daran, dass das Gesundheitssystem wahrscheinlich kaum noch existent ist und deswegen niemand die Diagnostik machen konnte."

Die Warnung der WHO, sagt er, ist ein wichtiges Signal gewesen. Die Botschaft: Passt auf, da passiert jetzt gerade eine schwierige Situation.