KlimaphänomenEl Niño bringt Extremwetter

Die Weltwetterorganisation warnt vor einem sehr starken El Niño in den kommenden Monaten. Dieses natürliche Wetterphänomen bringt Hitze, Dürre und Überschwemmungen in Teilen Asiens, Afrikas und Südamerikas. Auch Europa muss mit Folgen rechnen.

El Niño ist ein natürliches Wetterphänomen, das regelmäßig alle zwei bis sieben Jahre auftritt. Doch in diesem Jahr könnte El Niño extreme Folgen haben. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) warnt vor einem starken El Niño in den kommenden Monaten, der in vielen Teilen der Welt das Wetter durcheinanderbringen wird.

El Niño könnte Rekordstärke erreichen

"Die Weltwetterorganisation spricht von einem gigantischen Ausmaß", sagt Janina Schreiber aus der ARD-Klimaredaktion. Die Prognosen der WMO seien eindeutig. Grundlage dafür ist, wie sich die Temperaturen im Pazifik verändern.

"El Niño verschiebt grundsätzlich den Regen."
Janina Schreiber, ARD-Klimaredaktion

Das Phänomen entwickelt sich im Pazifik, dessen Meeresoberfläche sich erwärmt. Die Passatwinde über dem Pazifik schlafen quasi ein oder wechseln sogar ihre Richtung, wodurch El Niño die Wetterverhältnisse umdreht und den Regen verschiebt.

Extreme Hitze, Ernteausfälle, Hochwasser

"Das heißt, wo es vorher feucht und nass war, also auf der asiatischen Seite, gibt es dann Dürren und Trockenheit", erläutert Janina Schreiber. Auf der südamerikanischen Seite kommt es hingegen zu Starkregenfällen. Auch Waldbrände in Indonesien gehören zu den Folgen, genauso Schnee in Wüstengegenden.

Auch in Ostafrika wird El Niño das Wetter verändern. Es könnte zu Dürren kommen, die die lokale Landwirtschaft und die Wasser- und Energieversorgung an ihre Grenzen bringen wird. Auch das ist ein Grund, warum die UN-Sonderorganisation so frühzeitig warnt. Man rechnet mit dem Höhepunkt von El Niño gegen Ende des Jahres.

Europa: Steigende Kosten für die Verbraucher

Auch für Europa hat das Wetterphänomen El Niño Folgen: Die Preise für verschiedene Lebensmittel werden wohl steigen. In 2023 – auch ein El-Niño-Jahr – wurden zum Beispiel Orangen oder auch Kakao teurer, sagt Janina Schreiber.

Ob sich El Niño auch auf das Wetter in Europa auswirkt, ist noch unklar. Wenn der Pazifik sich erwärmt, verstärken sich tropische Gewitter, die Energiewellen in die Atmosphäre schicken, erklärt Janina Schreiber. Je nach Stärke können diese Energiewellen den Polarwirbel in der Stratosphäre beeinflussen. Der Polarwirbel ist wie ein starkes Windband über dem Norden der Erde. "Normalerweise hält das die kalte Luft über der Arktis fest", sagt Janina Schreiber.

Falls El Niño den Polarwirbel schwächt, kommt tatsächlich kalte Luft weiter nach Süden als üblich und möglicherweise sogar bis nach Europa. Das würde einen kälteren Winter mit sich bringen. Doch ob das passiert, ist noch unklar.

Zusammenhänge zwischen El Niño und der Klimaerwärmung

El Niño ist ein natürliches Wetterphänomen. Dennoch gibt es Wechselwirkungen mit dem Klimawandel. Denn in einer durch uns Menschen wärmeren Atmosphäre findet El Niño quasi auf einem höheren Level statt, erklärt Janina Schreiber.

"Da entsteht so ein richtiger Ping-Pong zwischen Klimaerwärmung und El Niño."
Janina Schreiber, ARD-Klimaredaktion

Das extreme Wetter, das El Niño bringt, wird durch die Klimaerwärmung intensiver und heftiger, so Janina Schreiber. "Und umgekehrt: In El-Niño-Jahren war die Durchschnittstemperatur auch in der Regel wärmer."