EnergieWie unterirdische Gasspeicher funktionieren

Zurzeit wird viel über Gasspeicher gesprochen, wir erfahren regelmäßig den Speicherstand, denn nur mit vollen Gasspeichern kommen wir einigermaßen glimpflich über den Winter. Aber wo befinden sich diese Gasspeicher eigentlich und wie funktionieren sie?

Erdgas wird oft unterirdisch in Kavernen- oder Porenspeichern aufbewahrt. Sie sind zum Teil riesig und es herrscht großer Druck. Unser Reporter Konstantin Köhler erklärt, wie wir uns das vorzustellen haben. Insgesamt gibt es 51 Speicher und die sind über ganz Deutschland verteilt. Dabei wird unterschieden zwischen Kavernenspeichern und Porenspeichern.

Kavernenspeicher

Kavernenspeicher sind Hohlräume in Salzformationen tief unter der Erde, die künstlich angelegt wurden. Ein durch Bergbau angelegtes, großes Loch unter der Erde. In Nordrhein-Westfalen liegt zum Beispiel der Gasspeicher Epe, ein Kavernenspeicher-System.

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Konstantin Köhler spricht hier von einem "Speicher-System", weil dieser Gasspeicher aus 75 einzelnen Kavernen besteht. Jede dieser Kavernen ist ein großer Hohlraum in einer Salzformation, hat einen Durchmesser von rund 80 Metern und ist 200 bis 300 Meter hoch.

"Man kann sich so eine Kaverne vorstellen wie einen dickeren Zeppelin, den man hochkant stellt. Oder anders: In diesem Hohlraum hätte der Eiffelturm Platz."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk Nova

Porenspeicher

Die Größe von Porenspeichern lässt sich nicht so einfach beschreiben, weil es sich dabei um viele kleine Löcher handelt. Der größte Gasspeicher dieser Art in Deutschland liegt in Rehden in Niedersachsen in einer Tiefe von 2.000 Metern. Der Speicher verteilt sich auf eine Fläche von acht Quadratkilometern. Das ist ungefähr die Fläche von Berlin-Spandau oder Hamburg-Blankenese.

Porenspeicher sind ganz anders. Sie ähneln einem Schwamm und bestehen aus porösem Gestein mit vielen kleinen Löchern oder Poren. Und darin kann Gas gespeichert werden. "Das Praktische ist: Das sind meistens Orte, wo schon mal Erdgas oder auch Erdöl drin war, das gefördert wurde. Deswegen eignen sich diese Orte quasi von Natur aus als Erdgasspeicher", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Konstantin Köhler.

"Je höher der Druck, desto mehr Gas kann man in einen Speicher reinpressen."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk Nova

In den Speichern herrscht hoher Druck – meist über 100 bar, manchmal sogar über 200. Zum Vergleich: Ein Fahrradreifen hat etwa vier bar. "Der Druck in diesen Gasspeichern ist wirklich hoch. Und das wird gemacht, damit einfach mehr Gas reinpasst", erklärt der Reporter.

Deswegen führt oberirdisch jetzt nicht einfach nur ein Rohr in den Gasspeicher, sondern das Gas durchläuft riesige Anlagen, die einer Fabrik ähneln. Dort wird das Gas unter anderem gereinigt, geprüft, der Druck wird erhöht, dann wird das Gas abgekühlt, und erst wenn das Gas diesen ganzen Prozess durchlaufen hat, wird es in die Speicher geschickt.

Risiken bei Gasspeichern

Die Porenspeicher sind von Natur aus dicht – immerhin lagerten dort zuvor viele Tausende und Millionen Jahre Erdgas. Die Kavernenspeicher sind auch dicht, weil das umgebende Salz eine dichte Hülle bildet.

Ein gewisses technisches Risiko für ein Leck liegt – wenn überhaupt – bei Rohren, die an die Oberfläche führen. "Der schlimmste Unfall, von dem ich weiß, ist 2015 in Kalifornien passiert. Da sind große Mengen Methan aus einem Gasspeicher über so ein Rohr in die Atmosphäre gelangt", berichtet Konstantin Köhler. Und Methan ist sehr klimaschädlich.

"Dass ein ganzer Gasspeicher in Brand geraten oder explodiert ist, gab es meines Wissens aber noch nie. Das geht wahrscheinlich auch gar nicht, weil es in den Gasspeichern keinen Sauerstoff gibt, den es für eine Explosion braucht."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk Nova

Wenn die Gasspeicher in Deutschland alle zu 95 Prozent gefüllt sind und Russland überhaupt kein Gas mehr liefern sollte, würde das Gas für rund zweieinhalb Monate reichen, schätzt die Bundesnetzagentur. Versorgt werden würden in diesem Szenario alle Abnehmer: private Haushalte, Industrie und Gaskraftwerke zur Stromerzeugung.

Schwierige Prognosen

Insgesamt sind Prognosen allerdings schwierig, da viele Faktoren nicht vorhersehbar sind. Zum Beispiel: Liefert Russland weiter ein bisschen Gas oder nicht? Wie kalt wird der kommende Winter? Wie gut klappt es mit dem Sparen von Gas? "Deswegen sagen die Regierung und die Bundesnetzagentur zurzeit immer das Gleiche: 'So viel Gas einspeichern und so viel sparen, wie es nur irgendwie geht'", sagt Konstantin.

Sollten wir irgendwann in der Zukunft kein Erdgas mehr benötigen, dann könnten die unterirdischen Gasspeicher übrigens etwa zum Speichern von Wasserstoff genutzt werden. Manche sogar ohne Umbau, andere müssten dafür ein wenig angepasst werden.