Extreme TemperaturenWie Hitzetote berechnet werden

Jeden Sommer sterben in Deutschland Menschen an den Folgen der Hitze. Doch wer als Hitzetoter zählt, entscheidet meistens keine Ärztin und kein Arzt, die Zahl wird am Computer ermittelt.

Ärztinnen und Ärzte können auf dem Totenschein "Schäden durch Hitze oder Sonnenlicht" als Todesursache angeben – etwa nach einem Hitzeschlag. Solche direkten Hitzetoten sind jedoch selten. Die Zahlen, die im Sommer meist genannt werden, beruhen stattdessen auf einer statistischen Berechnung: der sogenannten Übersterblichkeit.

Hitzetote werden geschätzt

Dabei geht es nicht um einzelne Personen, sondern um ganz Deutschland. Verglichen wird, wie viele Menschen in einer normalen Woche ohne Hitze sterben und wie viele tatsächlich während einer Hitzewelle gestorben sind. Die Differenz ergibt die Übersterblichkeit – und damit die geschätzte Zahl der Hitzetoten. Das lässt sich auch für Monate oder ganze Sommer berechnen.

"Wie viele Menschen sterben in einer Juniwoche ohne Hitze, und wie viele sind tatsächlich gestorben? Das wird voneinander abgezogen, raus kommt die Übersterblichkeit."
Tobias Blum, Deutschlandfunk Nova

Die größte Herausforderung besteht darin, verlässlich abzuschätzen, wie viele Menschen ohne die Hitze gestorben wären. Gerade diese Vergleichszahl macht die Berechnung der Übersterblichkeit komplex und sorgt dafür, dass sie immer eine statistische Schätzung bleibt.

Hitze kann für einen früheren Tod sorgen

Das Robert-Koch-Institut hat für den vergangenen Sommer rund 2.500 Hitzetote in Deutschland errechnet. Die meisten waren älter als 75 Jahre und hatten Vorerkrankungen. Sie sterben oft nicht direkt an der Hitze, sondern etwa an Kreislaufproblemen, weil das Herz bei hohen Temperaturen stärker belastet wird.

"Hitze bedingte Tote sterben nicht unbedingt direkt an der Hitze, sondern an Kreislaufproblemen zum Beispiel."
Tobias Blum, Deutschlandfunk Nova

Studien zeigen, dass Hitzetote im Durchschnitt etwa ein halbes bis ein Jahr früher sterben, als sie es mit besserem Hitzeschutz getan hätten. Hitze verkürzt also häufig das Leben von ohnehin gesundheitlich belasteter Menschen.

Hitzeschutz rettet Leben

Viele dieser Todesfälle könnten verhindert werden – etwa durch besser gekühlte Wohnungen, Pflegeheime und Krankenhäuser, mehr Schattenplätze oder öffentliche Trinkwasserspender. Deshalb entwickeln immer mehr Städte Hitzeaktionspläne, um die Bevölkerung besser vor extremer Wärme zu schützen.

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Menschen können sich bis zu einem gewissen Grad an Hitze anpassen. Für jede Region gibt es eine sogenannte Optimaltemperatur, bei der das temperaturbedingte Sterberisiko am niedrigsten ist. In vielen deutschen Städten liegt sie bei etwa 20 Grad, in Austin im US-Bundesstaat Texas dagegen bei rund 27 Grad.

Diese Unterschiede zeigen: Wie stark Hitze die Gesundheit belastet, hängt auch davon ab, woran sich Menschen über längere Zeit angepasst haben. Deshalb sind Prognosen zu künftigen Hitzetoten schwierig – denn auch mit steigenden Temperaturen verändert sich die Anpassungsfähigkeit der Bevölkerung.

"In Mittel- und Westeuropa werden durch den Klimawandel zwar wahrscheinlich mehr Menschen an Hitze sterben, aber auch weniger an Kälte."
Tobias Blum, Deutschlandfunk Nova

Der Trend gilt dennoch als klar: In Mittel- und Westeuropa werden durch den Klimawandel voraussichtlich mehr Menschen an Hitze sterben, gleichzeitig aber weniger an Kälte. Unter dem Strich könnte die Zahl der temperaturbedingten Todesfälle in Deutschland sogar sinken. In wärmeren Regionen der Welt sieht die Bilanz allerdings deutlich schlechter aus.