FakesFalsche Dörfer, falsche Menschen

Das bayerische Dörfchen Paslam ist schön. Und obwohl es einen eigenen Sportverein und Bürgermeister hat, ist es erfunden. Genau so erfunden wie der SPD-Politiker Jakob Maria Mierscheid oder die wissenschaftliche Studie von DRadio-Wissen-Team.

Paslam hat etwas mehr als 3000 Einwohner. Der Bürgermeister heißt Schorsch Filbinger. Fußball wird im Verein gespielt, im Lokomotive Paslam e.V. Wer Kultur mag, kann das Heimatmuseum am Biermöslweg 1b besuchen, anschließend geht es in den Gasthof Fröschl. So steht es auf der Internetseite. DRadio-Wissen-Reporter Armin Himmelrath hat sogar den zweiten Preis im Paslamer Literatur-Wettbewerb gewonen - ohne zu wissen, dass er am Wettbewerb eines erfundenen Ortes teilnimmt. Paslam ist ein perfekter Fake.

J.M. Mierscheid: SPD-Hinterbänkler seit 1979

Paslam ist falsch. Trotzdem hat es eine eigene Internetseite und es gibt mehrere Bücher über den erfundenen Ort. Denn ein guter Fake braucht immer auch ein paar Beweise seiner Existenz. So wie Jakob Maria Mierscheid. Der ist SPD-Politiker und auch ihn gibt es nicht. Trotzdem gibt es in Berlin den Jakob-Mierscheid-Steg, der zwei Bundestagsgebäude verbindet, sowie das Mierscheid-Gesetz. Und Herr Mierscheid ist ein beliebter Abgeordneter, dem im Bundestag auch mal herzlich zum Geburtstag gratuliert wird.

"Jakob Maria Mierscheid hat sich für heute aus zwingenden Gründen entschuldigen müssen, was vermutlich die Spekulationen befördern wird, es gebe ihn gar nicht."
Bundestagspräsident Norbert Lammert gratuliert Jakob Maria Mierscheid zum Geburtstag

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Schließlich gibt es noch die Königsklasse der Fakes: plagiierte Doktorarbeiten à la Karl-Theodor zu Guttenberg. Wir wollen aber nicht abschreiben und auffliegen, sondern erfolgreich faken. Mit dem SCIgen lassen sich sehr bequem wissenschaftliche Schriften generieren, mit klugem Kauderwelsch, Fußnoten und was sonst noch dazu gehört.

Wir sind mächtig stolz drauf: Unsere Gemeinschaftsstudie von Thyroff, Kaline et al. (2015)

DRadio-Wissen Moderatorin Kaline Thyroff hat, wie ein Blick in die Literaturliste unserer Arbeit Visualization of E-Commerce zeigt, bereits vor diesem Werk wissenschaftlich gearbeitet: "A methodology for the synthesis of Web services" dürfte ihre Doktorarbeit aus dem Jahr 1992 sein. Ein Fake, so wie er sein soll: wasserdicht. Fast jedenfalls.

(Anmerkung der Redaktion: Wir wissen nicht, welcher bayerische Ort auf dem Foto abgebildet ist. Paslam ist es höchstwahrscheinlich nicht.)


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