LudwigshafenWenn Kulturangebote fehlen

In Ludwigshafen abends spontan ins Kino gehen? Fehlanzeige. Ein Kino gibt es nicht. Auch andere Orte für Kultur sind rar. Was das für Folgen haben kann und wie sich Menschen dafür einsetzen, dass es in ihrer Heimatstadt künftig mehr Angebote gibt.

Kein Kino und nur ein Club – "uns fehlt in Ludwigshafen die Bar- und Clubkultur", sagt der Ludwigshafener Andreas Heinrich. Und ergänzt: "Ich bin nach Mannheim gegangen in die Disko, um Feiern zu gehen". Wer Spaß haben möchte, entscheidet sich dann meist dafür, über die Brücke ins benachbarte Mannheim im angrenzenden Bundesland Baden-Württemberg zu fahren. Ludwigshafen – mit rund 180.000 Einwohnern – zieht im Vergleich den Kürzeren.

Die aktuelle Situation fand der 33-jährige Kommunikationsdesigner so frustrierend, dass er aktiv geworden ist: Er hat das Onlinemagazin "Ludwigshafen WOW" gegründet. Damit bietet er einen Überblick über Events in seiner Stadt. Außerdem plant er auch selbst welche, zum Beispiel ein monatliches Rapmusik-Event mit deutschen Musikgrößen. Einmal im Jahr finden außerdem die WOW City Tours statt: rund 30 Stadtführungen.

"Ludwigshafen ist eine Spielwiese – wir können hier voll viel machen und das schätze ich an der Stadt.
Andreas Heinrich, Kommunikationsdesigner

Die zweitgrößte Stadt in Rheinland-Pfalz steht unter großem Druck: vor allem durch finanzielle und infrastrukturelle Probleme und eine stark überlastete Verwaltung. Zu den Milliardenschulden der Industriestadt kommen ein Haushaltsdefizit im dreistelligen Millionenbereich, massenhafter Stellenabbau, eine kriselnde Wirtschaft, Sanierungsstau, soziale Brennpunkte und urbaner Stillstand hinzu. Viele Ladenlokale stehen zum Beispiel leer.

Langfristig helfen Kulturräume auch der Wirtschaft

Die aktuellen Sparauflagen machen sich besonders bei Bibliotheken, Sportvereinen und Jugendzentren bemerkbar, also bei den kulturellen Angeboten. Das Image der Stadt und auch die Lebensqualität der Bürger leiden darunter.

Dabei können Kulturangebote ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sein: Sie können für mehr Tourismus sorgen und die Stadt für Gastronomen und Veranstalter wieder attraktiver machen. Fehlende Kulturangebote können hingegen dazu führen, dass vor allem junge Menschen wegziehen, sagt der Kulturwissenschaftler Robin Kuchar.

"Städte, in denen etwas los ist, haben auch das Potenzial junge Menschen anzuziehen."
Robin Kuchar, Kulturwissenschaftler

Was Ludwigshafen von Mannheim unterscheidet, ist, dass es traditionell eine Arbeiterstadt ist. Eine Uni gibt es nicht, nur eine Hochschule. In Unistädten kann sich Kultur besser etablieren und bestehen. Neben der sogenannten harten Infrastruktur, nämlich verfügbaren und bezahlbaren Kulturräumen, braucht es auch eine weiche Infrastruktur, ein kulturinteressiertes Publikum, kulturelle Akteure und Netzwerke, erklärt der Kulturwissenschaftler Robin Kuchar.

Das Potenzial ist in Ludwigshafen auf alle Fälle vorhanden, glaubt Andreas Heinrich. Die Wege innerhalb der Stadt sind kurz, sagt er, und wer Interesse daran hat, kulturelle Angebote zu gestalten, wird mit offenen Armen empfangen.