Feiern oder nichtWie genießen wir den Geburtstag auf unsere Art?
Kuchen, Deko, Gäste: Lea liebt es, ihren Geburtstag zu feiern. Sie gibt sich gern Mühe – und wurde schon enttäuscht. Ihrem Freund ist sein Geburtstag gar nicht wichtig. Doch wir können Wege finden, unterschiedlichen Erwartungen gerecht zu werden.
Unser Geburtstag: Für manche der wichtigste Tag im Jahr, auf den sie sich schon Monate vorher freuen. Für andere ein Tag wie jeder andere. Und manche wollen den Tag so schnell rumbekommen wie möglich, weil die Aufmerksamkeit so unangenehm ist.
Lea liebt es, ihren Geburtstag zu feiern. Das liegt auch an ihrer Familie: Sie wurde am selben Tag geboren wie ihr Bruder, nur sechs Jahre später. "Ich war quasi sein Geburtstagsgeschenk." Die Geschwister haben früher oft zusammen gefeiert und sehen sich auch jetzt noch jedes Jahr.
"Geburtstage sollte man feiern. Und da kann man sich auch mal etwas schick machen."
Die 24-Jährige findet Geburtstage wichtig: "Die sollte man feiern. Und da kann man sich auch mal etwas schick machen." Viel Deko, einen runderen Geburtstag groß zelebrieren – das gehört für sie dazu.
Es muss für sie auch nicht immer ein riesiges Fest sein. Ihr 25. Geburtstag im Sommer allerdings soll wieder größer werden. Sie freut sich darauf – auch wenn sie bei der Party zu ihrem 18. enttäuscht wurde.
Damals hatte sie einen Pavillon im Garten aufgebaut und ganz viel dekoriert. Sie lud Leute ein, stellte Essen und Alkohol bereit. Dafür hatte sie sich sogar Geld geliehen. Dann aber hatte hatte sie das Gefühl, dass von manchen Gästen nicht so viel zurückkam.
Wie schaffen wir es, mit Erwartungen besser umzugehen?
Lea hat ganz andere Vorstellungen von ihrem Geburtstag als ihr Freund. Der feiert ihn gar nicht. Wie geht sie damit um? Eine Überraschungsparty würde sie für ihn nicht planen, sagt sie. Aber Lea schmückt das Wohnzimmer, backt einen Kuchen. "Aber alles nicht so übertrieben, weil ich weiß, dass er ihn nicht so gern feiert."
Im Laufe der Zeit hat sich sehr verändert, wie und ob wir den Tag, an dem wir auf die Welt kamen, festlich begehen. In der Antike feierten die Römer diesen Tag gerne. Und in der Renaissance, zwischen 1400 und 1600, wollten viele dieses Ritual wieder beleben.
Die katholische Kirche war gegen Geburtstagsfeiern
Doch die katholische Kirche war strikt dagegen. Man sollte lieber Christi Geburt feiern als sich selbst, erklärt der Autor Stefan Heidenreich, der ein Buch über das Geburtstagfeiern geschrieben hat.
Um den Tag überhaupt feiern zu können, muss man erst mal das Datum kennen. Das war nicht immer so. Die protestantische Kirche begann erst um 1600, in ihren Unterlagen nicht mehr das Tauf-, sondern das Geburtsdatum zu notieren. Dann wussten die Leute, wann sie feiern können.
Und wen laden wir ein?
Heute ist das kein Problem mehr – dafür stellen wir uns viele andere Fragen. Zum Beispiel: Mit anderen feiern oder alleine sein? Beides kann total in Ordnung sein. Und wenn wir feiern wollen: Wen laden wir ein?
Beim Einladen auf den Bauch hören
Die Psychologin Muriel Mertens sagt: Bei der Frage sollten wir auf unser Bauchgefühl hören. Wenn wir uns bei manchen Leuten unsicher sind oder uns unwohl fühlen, dann eben nicht. "Aber wenn ich sage, ich möchte alle Haupt- und Nebendarstellerinnen meines Lebens einladen, weil mich diese Vorstellung irgendwie glücklich macht, dann kann ich das ausprobieren", meint sie.
Dann ist aber auch wichtig zu wissen, wer überhaupt kommt. Muriel Mertens rät daher, nach einer Einladung darum zu bitten, verbindlich zu- oder abzusagen. Das können wir verlangen.
Und was, wenn niemand kommt?
Genauso wichtig ist es aber auch, auf Einladungen schnell zu reagieren – selbst wenn wir selbst noch nicht wissen, ob wir an dem Tag Zeit haben. Irgendeine Reaktion ist besser als keine, findet die Psychologin: "Da macht sich jemand Gedanken. Dann kann man einfach sagen, was Phase ist."
Und wenn wir Angst haben, dass niemand zu unserer Feier kommt, können wir unsere Lieblingsmenschen gezielt ansprechen, sagt sie. Manche könnten wir auch fragen, ob sie früher kommen wollen, um beim Vorbereiten zu helfen, "so schafft man sich einen Sicherheitsanker."
"Ich finde es wichtig, über Erwartungshaltungen zu sprechen."
Doch was, wenn wir in einer Freundschaft oder Partnerschaft total unterschiedliche Vorstellungen vom perfekten Geburtstag haben, so wie Lea und ihr Freund? "Ich finde es wichtig zu sehen, dass es um den Geburtstag der einen Person geht", sagt die Psychologin.
"Wenn deine beste Freundin ihre Geburtstagsvorstellung über dich stülpt, wäre das ein bisschen blöd für dich. Sie würde damit nur ihre eigenen Erwartungen matchen und nicht deine", ergänzt sie.
Und wie lösen wir das? "Ich finde es wichtig, über Erwartungshaltungen zu sprechen", sagt Muriel Mertens. Wir sollten uns fragen: Was erwartet mein Partner oder meine beste Freundin von dem Tag – und was von mir? Und uns sollte klar sein: Nur weil wir gerne feiern, muss das unser Gegenüber nicht auch tun.
Stress am Geburtstag vermeiden
Wie wir unseren Geburtstag gerne feiern, hängt mit unserer Persönlichkeit zusammen, erklärt die Psychologin: Manche feiern gern, andere mögen es nicht, im Mittelpunkt zu stehen. Es hat aber auch damit zu tun, wie wir geprägt wurden, also wie wir als Kind und wie unser Umfeld Geburtstage und andere Feste feierte.
Und klar, so ein Geburtstag kann auch richtig stressig werden – vor allem, wenn wir viele Leute sehen möchten, die vielleicht außerdem noch alle woanders leben. Dann hilft entzerren.
"Wir wissen ja alle, wie schnell 24 Stunden um sind, und wie wenig da manchmal reinpasst", sagt Muriel Mertens. Dann könnten wir besser an einem Tag mit den Friends feiern, und die Familie dafür zu einem anderen Zeitpunkt treffen, rät sie.
Denn Stress am Geburtstag ist wohl das, was wir am wenigsten wollen. Und weniger ist manchmal ja mehr.